
Gleichstellungswirkungen von Budgetkonsolidierungen
Die vorliegende Kurzstudie verfolgt drei Zielsetzungen: Erstens werden die Wirkungskanäle und -dimensionen unterschiedlicher Kategorien von ausgaben- und einnahmenseitigen Konsolidierungsoptionen in Bezug auf die Gleichstellung von Frauen und Männern systematisch dargestellt. Damit soll zweitens das Wissen über geschlechtsspezifische Wirkungen von Konsolidierungsmaßnahmen gestärkt werden. Drittens wird anhand von mehreren beispielhaften Politikfeldern verdeutlicht, wie unterschiedlich Frauen und Männer infolge ihrer unterschiedlichen sozioökonomischen Ausgangsbedingungen von Konsolidierungsmaßnahmen betroffen sein können.
Die exemplarische Darstellung von drei Politikbereichen zeigt, dass ausgabenseitige Konsolidierungsmaßnahmen bestehende Gleichstellungsdefizite tendenziell vergrößern, wenn ein Zurückfahren oder ein unzureichendes Niveau öffentlicher Leistungen durch unbezahlte Arbeit kompensiert werden muss (z. B. Pflegeleistungen). Ebenso dann, wenn verringerte Geldleistungen das im Durchschnitt geringere Fraueneinkommen relativ stärker belasten als Männer. Auch eine restriktive Beschäftigungspolitik in öffentlichen Dienstleistungsbereichen, in denen tendenziell mehr Frauen als Männer beschäftigt sind, trifft Frauen stärker.
Die Arbeit zeigt, dass auch einnahmenseitige Maßnahmen Gleichstellungsdefizite verstärken können, insbesondere Gebührenerhöhungen oder Erhöhungen der Umsatz- oder Verbrauchsteuern, die unabhängig von der individuellen Einkommenssituation sind. Auch Erhöhungen von Sozialbeiträgen sowie der Einkommen- bzw. Lohnsteuer im unteren Einkommensbereich vertiefen tendenziell den geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied. Andere einnahmenseitige Konsolidierungsoptionen, wie die Besteuerung von Kapitaleinkommen oder generell von höheren Einkommen, belasten dagegen Männer stärker. Die im Rahmen der Studie erarbeiteten Analyseraster lassen sich auf sämtliche Politikfelder übertragen, um strukturelle geschlechtsspezifische Effekte aufzuzeigen.
Pressekonferenz: Wen trifft der Abbau des Defizits?
Die Studie wurde am 27. April 2026 im Rahmen eines Pressegesprächs mit der Präsidentin der AK Renate Anderl, WIFO-Ökonomin Margit Schratzenstaller und der Leiterin der Abteilung Steuerrecht der AK Wien Jana Schultheiß präsentiert.
Die Studienergebnisse wurden am 28. April 2026 erneut im Rahmen einer AK-Podiumsdiskussion am WIFO diskutiert. An der Diskussion nahmen Barbara Eibinger-Miedl (Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen), Kristina Fuchs (Leiterin des Budgetdienstes im Parlament), Margit Schratzenstaller (Ökonomin am WIFO) und Jana Schultheiß (Leiterin der Abteilung Steuerrecht der AK Wien) teil. Die Moderation übernahm Sarah Beran (AK Wien).












