
Gesundheitssystem: Struktur- und Schnittstellenprobleme
Das österreichische Gesundheitssystem ist durch eine komplexe und fragmentierte Planungs-, Entscheidungs- und Finanzierungsstruktur geprägt. Die Governance-Analyse zeigt, dass daraus Fehlanreize in der Patient:innensteuerung sowie Koordinationsprobleme zwischen dem extramuralen und intramuralen Bereich entstehen. In Kombination mit fragmentierten Finanzierungsstrukturen führt dies dazu, dass Patient:innen tendenziell häufiger kostenintensive Spitalsambulanzleistungen oder stationäre Behandlungen in Anspruch nehmen, anstatt niedergelassene Fachärzt:innen aufzusuchen.
Die Studie von Hans Pitlik, Benjamin Bittschi, Ulrike Famira-Mühlberger und Manuel Zerobin, die im Auftrag der Landesfinanzreferenten-Konferenz erstellt wurde, untersucht zudem empirisch, wie sich regionale Veränderungen in der ärztlichen Versorgungsdichte auf die Nutzung stationärer Leistungen auswirken. Die Ergebnisse zeigen, dass ein verbesserter Zugang zu ärztlichen Leistungen im niedergelassenen Bereich nicht automatisch zu einer geringeren Spitalsnutzung führt. Der Ausbau der ambulanten Versorgung allein reicht daher nicht zwingend aus, um die Nachfrage nach Spitalsleistungen zu senken. Gleichzeitig zeigen die Analysen, dass Bezirke mit einer höheren allgemeinmedizinischen Versorgungsdichte tendenziell weniger vermeidbare Hospitalisierungen aufweisen.
Primärversorgungseinheiten können Spitäler jedoch messbar entlasten, insbesondere durch weniger stationäre Aufenthaltstage bei vermeidbaren Hospitalisierungen. Bei akuten Erkrankungen zeigt sich dieser Effekt vor allem in kürzeren Aufenthaltsdauern, bei chronischen Erkrankungen tritt die Entlastung zeitverzögert ein. Besonders deutlich sind die Effekte bei bereits länger etablierten Primärversorgungseinheiten.
