Kann Österreichs Industrie mithalten?
In zwei einleitenden Impulsreferaten gaben der stellvertretende WIFO-Direktor und Industrieökonom Michael Peneder und WIFO-Doktorandin Isabel Pham einen Einblick in wichtige Entwicklungen und Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene.
Michael Peneder zeichnete das wachsende Portfolio industriepolitischer Instrumente nach, die auch die österreichische Industriestrategie 2035 prägen. Gleichzeitig verwies er auf die noch rascher ansteigenden Herausforderungen durch den technologischen Wandel, geoökonomische Spannungen sowie die ökologische Transformation.
Isabel Pham stellte mit dem "Industrial Accelerator Act" einen ambitionierten, aber auch umstrittenen neuen Gesetzesvorschlag der Europäischen Kommission für eine nachfrageseitige Industriepolitik vor. Er soll die wirtschaftliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit in ausgewählten Branchen stärken und die Dekarbonisierung beschleunigen.
An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Sabine Herlitschka (CEO Infineon Technologies Austria), Tobias Schweitzer (Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, Bereichsleiter Wirtschaft), WIFO-Ökonomin Agnes Kügler und WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr teil. Die Moderation übernahm Michael Peneder.
Sabine Herlitschka mahnte die Umsetzung der Vorschläge von Mario Draghi ein und hob die Vereinfachung von Regulierungslasten, die Konsolidierung des Binnenmarktes sowie den Fokus auf Maßnahmen mit der bestmöglichen Wirksamkeit als zentrale Leitmotive hervor. Die Industriestrategie 2035 sei ein wichtiger Schritt für Österreich. Für ihre erfolgreiche Umsetzung seien jedoch noch klare, messbare Zielvorgaben erforderlich.
Tobias Schweitzer betonte die Bedeutung von Wachstum und Produktivität sowie deren soziale und ökologische Bedingtheit für die Interessen der Arbeitnehmer:innen. Die österreichische Industriestrategie zeige das klare Bekenntnis von Politik und Sozialpartnern zur Industrie und zum Industriestandort. Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, müsse sie jedoch durch eine umfassende nationale Fachkräftestrategie ergänzt werden.
Agnes Kügler betonte, dass Wettbewerb eine Voraussetzung für den Erfolg von Industriepolitik sei. Es sollte neue Dynamik geschaffen, Innovation beschleunigt und Unternehmen dazu herausgefordert werden, besser zu werden, statt bestehende Strukturen dauerhaft abzusichern. Zudem brauche es mehr Mut zur Priorisierung, um gezielt dort zu investieren, wo Österreich über Stärken und globale Skalierungschancen verfügt.
Für Gabriel Felbermayr ist klar, dass Handelspolitik und Industriepolitik nicht länger separat diskutiert werden können. Die Europäische Union habe hier zentrale Zuständigkeiten. Neben branchenspezifischen Schwerpunktsetzungen sei immer noch horizontale Standortpolitik ausschlaggebend: niedrige Energiepreise, schnelle Genehmigungen, bürokratiearme Regulierung. Er warnt aber gleichzeitig vor neuem Protektionismus; die USA wären bisher damit nicht sehr erfolgreich. Wichtiger sei, in Zeiten rapiden Wandels, die Arbeitskräfte zu requalifizieren. Dazu brauche es Anstrengungen der Arbeitgeber:innen und -nehmer:innen sowie Unterstützung durch den Staat.