
KITE-Modell: Wie wirkt sich eine Blockade der Straße von Hormus auf Österreich aus?
Kurzfristig würde die reale Kaufkraft Österreichs um 0,15% sinken, die Reallöhne würden um 0,15% fallen, die Produktion würde um 0,14% zurückgehen und die Verbraucherpreise würden im Vergleich zum Ausgangsniveau um 0,15% steigen. "Österreich ist von einem Energiepreisschock nicht gefeit, auch wenn es unmittelbar nicht von den ausbleibenden Energielieferungen aus dieser Region betroffen ist", sagt Pokhrel.
Die stärksten unmittelbaren Effekte für Österreich zeichnen sich über die Energiemärkte ab. Kurzfristig würden die Preise in Österreich für Rohöl um rund 12,1%, für Erdölprodukte um 8,3% und für Erdgas um 7,9% steigen. Diese Preissteigerungen würden sich auch auf andere Sektoren, wie Chemie, Strom, Kunststoffe und Lebensmittel auswirken. Die Ergebnisse zeigen, wie sich eine Störung in einem wichtigen globalen Energiekorridor über Produktionsketten ausbreiten und die gesamtwirtschaftlichen Kosten in die Höhe treiben kann.
Die Auswirkungen könnten sich über einen längeren Zeitraum abschwächen, da sich Unternehmen und Märkte anpassen würden. Langfristig würde sich der reale Kaufkraftverlust Österreichs auf 0,05% verringern, und die Produktion würde fast wieder das Ausgangsniveau erreichen. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die größte Belastung unmittelbar nach dem Schock auftreten würde, wenn der Wechsel der Lieferanten und die Neuorganisation der Lieferketten am schwierigsten sind", sagt Pokhrel. "Dies unterstreicht die Bedeutung kurzfristiger Resilienzmaßnahmen wie Diversifizierung, Bevorratung und gezielte Unterstützung für betroffene Sektoren."
Für die EU insgesamt zeigt die Analyse, dass die Anfälligkeit weniger auf der direkten Abhängigkeit von Energieimporten aus der Golfregion allein beruht als vielmehr auf der nach wie vor hohen Bedeutung der fossilen Energieträger in integrierten Produktionsnetzwerken. Österreich ist daher weitgehend indirekt betroffen, durch höhere Weltmarktpreise für fossile Energieträger und Vorleistungskosten sowie potenziellen Lieferengpässen.
Der Research Brief basiert auf einer WIFO-Simulation unterschiedlicher Szenarien unter Verwendung des KITE-Handelsmodells. Die Berechnung vergleicht ein Szenario mit sofortiger Unterbrechung, bei dem Anpassungsmöglichkeiten begrenzt sind, mit einem längerfristigen Szenario, in dem sich Unternehmen und Verbraucher:innen umfassender anpassen und fossile Energielieferungen substituieren können. Die dargestellten Auswirkungen sind keine Prognosen, sondern geschätzte Abweichungen von einem Basisverlauf. Sie erfassen die Handels- und Produktionseffekte einer Unterbrechung der Lieferungen über die Straße von Hormus, nicht jedoch zusätzliche Auswirkungen wie Zerstörungen durch militärische Auseinandersetzungen in der Region oder Panik an den Finanzmärkten.
