Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex
WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten
Auf Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) war die österreichische Wirtschaftsleistung im Juni (Kalenderwochen 23 bis 26, 1. bis 28. Juni 2026) um 1¼% und in den ersten drei Juliwochen (Kalenderwochen 27 bis 29, 29. Juni bis 19. Juli 2026) um ¾% höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (Mai –0,1%, revidiert)1).
Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte deutet im Vorjahresvergleich im Juni für die Güternachfrage (Einzelhandelsumsätze) wie auch für die Nachfrage nach Dienstleistungen auf einen Anstieg hin, wobei letztere etwas stärker zugenommen haben dürfte. Der private Konsum expandierte im Juni um 1½% gegenüber dem Vorjahr. In den ersten drei Juliwochen dürften die privaten Konsumausgaben am Vorjahresniveau stagniert haben (Mai –¼%).
Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen wird von der Wirtschaftsleistung (Industrieproduktion) und der Stimmung im produzierenden Bereich gemäß WIFO-Konjunkturtest bestimmt. Die Investitionen dürften gegenüber dem Vorjahr im Juni um 2¼% und in der ersten Julihälfte um 3¼% zugenommen haben (Mai –1¼%).
Aus der Entwicklung der Industrieproduktion und des Tourismus sowie der großen Nachfragekomponenten und den daraus resultierenden Wirkungen auf den Außenhandel ergibt sich für die Nettoexporte i. w. S. im Juni mit –¾ Prozentpunkt ein negativer Wachstumsbeitrag zum BIP (Mai –¼ Prozentpunkt).
Die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen und das Luftfrachtaufkommen auf dem Flughafen Wien nahmen im Juni im Vergleich zum Vorjahr wieder zu. Der Gütertransport auf der Schiene sowie das Fluggastaufkommen auf dem Flughafen Wien gingen weiter zurück. Das Passagieraufkommen hat infolge des Iran-Krieges (Streckenausfall und gestiegene Preise für Kerosin) einen merklichen Dämpfer erlitten. Im April zeigte der WIFO-Konjunkturtest eine signifikante Verschlechterung der auch zuvor schon mehrheitlich negativen Unternehmensstimmung im Verkehrsbereich. Die Einschätzungen haben sich seither leicht erholt, bleiben aber gedämpft. Für den Bereich Verkehr (ÖNACE 2008, Abschnitt H) wird auf Basis dieser Indikatoren für die Wertschöpfung im Juni und in der erste Julihälfte ein Rückgang von ½% bzw. 2% gegenüber dem Vorjahr geschätzt (Mai –2¼%).
Der Industrieproduktionsindex (unbereinigt) stieg gegenüber dem Vorjahr im April um 0,7% (revidiert, vorläufige Rechnung +0,3%) und sank nach vorläufiger Rechnung im Mai – bei zwei Arbeitstagen weniger als im Vorjahr – um 4,9%. Die unselbständige Beschäftigung im güterproduzierenden Bereich (ÖNACE 2008, Abschnitte A bis E) schrumpfte weiter (Juni –0,8% und Mai –0,7% gegenüber dem Vorjahr). Die Zahl der arbeitssuchenden Personen in diesem Sektor erhöhte sich nach einer kurzen Entspannung zum Jahreswechsel 2025/26 wieder zunehmend. Die Stimmung der Sachgütererzeuger hatte sich gemäß WIFO-Konjunkturtest bis zum Jahresbeginn 2026 tendenziell verbessert, trübte sich mit Beginn des Iran-Krieges jedoch deutlich ein und blieb auch in den Folgemonaten gedämpft. Das WIFO schätzt die Wirtschaftsleistung im güterproduzierenden Bereich im Juni – bei zwei Arbeitstagen mehr als im Vorjahr – um 2¼% und Anfang Juli um 1½% höher als im Vorjahr ein (Mai –1½%).
Nach einem leichten Zuwachs im März lag der Bauproduktionsindex im April um 2,3% (revidiert, vorläufige Rechnung +1,7%) und im Mai um 1,6% (vorläufige Rechnung) unter den Vorjahreswerten. Der Rückgang der Beschäftigung im Bauwesen schwächte sich bis April ab, legte im Mai und Juni im Vergleich zum Vorjahr aber wieder zu. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen verringert sich jedoch seit einigen Monaten. Die Stimmung unter den Bauunternehmen hat in den letzten Monaten wieder in einen positiven Saldo gedreht. Arbeitstagbedingt war der Rückgang der Wertschöpfung in der Bauwirtschaft (ÖNACE 2008, Abschnitt F) im Juni mit –1½% gegenüber dem Vorjahr weniger hoch als im Mai (–3%). In den ersten drei Juliwochen sank die Wertschöpfung um 2%.
Basierend auf bargeldlosen Transaktionen im Bereich Restaurants und Hotels und Stimmungsindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest dürfte die Wertschöpfung im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE 2008, Abschnitt I) gegenüber dem Vorjahr im Juni um ¼% gesunken und in der ersten Julihälfte um 1% gestiegen sein (Mai +5½%). 2026 lagen die verlängerten Wochenenden um Christi Himmelfahrt (14. bis 17. Mai) und Pfingsten (23. bis 25. Mai) zur Gänze im Mai, wohingegen sie im Vorjahr (teilweise) in den Juni fielen. Im Handel (ÖNACE 2008, Abschnitt G) wird auf Basis der Einzelhandelsumsätze im Juni (zwei Handelstage mehr) und Anfang Juli ein Wertschöpfungszuwachs gegenüber dem Vorjahr um 2¼% bzw. 1¾% erwartet (Mai –4%).
Die aktuelle Beschäftigungssituation in den übrigen Marktdienstleistungen sowie Stimmungsindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest deuten auf eine weiterhin insgesamt positive Entwicklung dieses Sektors hin. Für die übrigen Marktdienstleistungen (ÖNACE 2008, Abschnitte J bis N) wird gegenüber dem Vorjahr im Juni und in der ersten Julihälfte ein Zuwachs in der Wertschöpfung von 1¼% bzw. 1¾% erwartet (Mai +1¼%). In den sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE 2008, Abschnitte R bis T) dürfte die Wertschöpfung auf der Grundlage der Beschäftigungsentwicklung und der Unternehmenserwartungen laut WIFO-Konjunkturtest im Juni um 1¾% und in den ersten drei Juliwochen um 2½% gewachsen sein (Mai +1%).
1) Die Berücksichtigung neu veröffentlichter und revidierter Monatsdaten, die bei der Schätzung des WWWI erfüllt werden müssen, führte zu einer Revision des WWWI für das BIP. Zu nennenswerten entstehungsseitigen WWWI-Revisionen kam es insbesondere in den Bereichen Handel (ÖNACE 2008, Abschnitt G), Beherbergung und Gastronomie (Abschnitt I), Güterproduktion (Abschnitte A bis E) und übrige Marktdienstleistungen (Abschnitte J bis N).
Wöchentliche Wirtschaftsaktivität, WWWI – Entstehung und Verwendung Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.
Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.
Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) monatlich aktualisiert und auf der Website des WIFO veröffentlicht.