25.08.2026

Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

WWWI: 27. bis 33. Kalenderwoche 2026
Die (unbereinigte) wirtschaftliche Aktivität auf Basis des wöchentlichen Indikators für das reale BIP (WWWI) lag im Juli (Kalenderwochen 27 bis 31) um ½% über dem Niveau des Vorjahres.

WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten

Auf Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) war die österreichische Wirtschaftsleistung im Juli (Kalenderwochen 27 bis 31, 29. Juni bis 2. August 2026) um ½% und in den ersten beiden Augustwochen (Kalenderwochen 32 und 33, 3. bis 16. August 2026) um 1% höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (Juni +1½%, revidiert)1).

Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte deutet im Vorjahresvergleich im Juli für die Nachfrage nach Dienstleistungen wie auch für die Güternachfrage (Einzelhandelsumsätze) auf einen Anstieg hin, wobei letztere etwas stärker zugenommen haben dürfte. Der private Konsum expandierte gegenüber dem Vorjahr im Juli um 1% und in den ersten beiden Augustwochen um 1¼% (Juni +1½%).

Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen wird von der Wirtschaftsleistung (Industrieproduktion) und der Stimmung im produzierenden Bereich gemäß WIFO-Konjunkturtest bestimmt. Die Investitionen dürften gegenüber dem Vorjahr im Juli um 2% und in der ersten Augusthälfte um 3½% zugenommen haben (Juni +4%).

Aus der Entwicklung der Industrieproduktion und des Tourismus sowie der großen Nachfragekomponenten und den daraus resultierenden Wirkungen auf den Außenhandel ergibt sich für die Nettoexporte i. w. S. im Juli mit –1¼ Prozentpunkten ein negativer Wachstumsbeitrag zum BIP (Juni –¼ Prozentpunkt).

Die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen nahm im Juli im Vergleich zum Vorjahr weiter zu. Der Gütertransport auf der Schiene bleibt seit nunmehr einem Dreivierteljahr unter dem Vorjahresniveau und das Fluggast- und Luftfrachtaufkommen am Flughafen Wien leidet unter den Auswirkungen des Iran-Krieges. Die Stimmung der Unternehmen im Verkehrssektor gemäß WIFO-Konjunkturtest hat sich zwar seit dem Einbruch zu Kriegsbeginn leicht erholt, bleibt aber gedämpft. Für den Bereich Verkehr (ÖNACE 2008, Abschnitt H) wird auf Basis dieser Indikatoren für die Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr im Juli ein Rückgang von 1¼% und in der ersten Augusthälfte ein leichter Zuwachs von ¼% geschätzt (Juni 0%).

Der Industrieproduktionsindex sank gegenüber dem Vorjahr im Mai – bei zwei Arbeitstagen weniger als im Vorjahr – um 5,7% (unbereinigt, revidiert; vorläufige Rechnung –4,9%). Im Juni legte er gemäß vorläufiger Rechnung – bei zwei Arbeitstagen mehr als im Vorjahr – um 4,5% zu. Die unselbständige Beschäftigung im güterproduzierenden Bereich (ÖNACE 2008, Abschnitte A bis E) schrumpfte weiter (Juni und Juli jeweils –0,8% gegenüber dem Vorjahr). Die Zahl der arbeitssuchenden Personen in diesem Sektor erhöhte sich nach einer kurzen Entspannung zum Jahreswechsel 2025/26 wieder zunehmend (Juli +3,0%, Juni +1,6%). Die Stimmung der Sachgütererzeuger hatte sich gemäß WIFO-Konjunkturtest bis zum Jahresbeginn 2026 tendenziell verbessert, trübte sich mit Beginn des Iran-Krieges jedoch deutlich ein. In den Folgemonaten blieben vor allem die Erwartungen pessimistisch. Gemäß der WWWI-Schätzung stagnierte die Wirtschaftsleistung im güterproduzierenden Bereich im Juli auf dem Niveau des Vorjahres und fiel Anfang August um 1% höher aus als im Vorjahr (Juni +3¼%).

Der Bauproduktionsindex lag im Mai – bei zwei Arbeitstagen weniger als im Vorjahr – um 1,7% unter dem Vorjahresniveau. Im Juni stieg er – bei zwei Arbeitstagen mehr – um 11,1% (vorläufige Rechnung). Die Beschäftigung im Bauwesen sinkt seit Mai wieder etwas stärker. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen verringert sich jedoch seit einigen Monaten. Die Stimmung unter den Bauunternehmen hat in den letzten Monaten wieder in einen positiven Saldo gedreht. Der Rückgang der Wertschöpfung in der Bauwirtschaft (ÖNACE 2008, Abschnitt F) betrug im Juni ¼% gegenüber dem Vorjahr. Im Juli und in den ersten beiden Augustwochen lag die Wertschöpfung um 1¾% bzw. 1½% unter dem Vorjahresniveau.

Basierend auf bargeldlosen Transaktionen im Bereich Restaurants und Hotels und Stimmungsindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest dürfte die Wertschöpfung im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE 2008, Abschnitt I) gegenüber dem Vorjahr im Juli um ¼% gesunken und in der ersten Augusthälfte um 2¾% gestiegen sein (Juni –1¾%). Im Handel (ÖNACE 2008, Abschnitt G) wird auf der Basis der Einzelhandelsumsätze im Juli und Anfang August ein Wertschöpfungszuwachs gegenüber dem Vorjahr um 2¼% bzw. 1% erwartet (Juni +3½%).

Die aktuelle Beschäftigungssituation in den übrigen Marktdienstleistungen sowie Stimmungsindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest deuten auf eine weiterhin insgesamt positive Entwicklung dieses Sektors hin. Für die übrigen Marktdienstleistungen (ÖNACE 2008, Abschnitte J bis N) wird gegenüber dem Vorjahr im Juli und in der ersten Augusthälfte ein Zuwachs in der Wertschöpfung von 1¼% bzw. 1½% erwartet (Juni +1½%). In den sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE 2008, Abschnitte R bis T) dürfte die Wertschöpfung auf der Grundlage der Beschäftigungsentwicklung und der Unternehmenserwartungen laut WIFO-Konjunkturtest im Juli um 1½% und in den ersten zwei Augustwochen um 1% gewachsen sein (Juni +2%).

 


1) Die Berücksichtigung neu veröffentlichter und revidierter Monatsdaten, die bei der Schätzung des WWWI erfüllt werden müssen, führte zu einer Revision des WWWI für das BIP. Zu nennenswerten entstehungsseitigen WWWI-Revisionen kam es in den Bereichen Güterproduktion (ÖNACE 2008, Abschnitte A bis E), Handel (Abschnitt G) Beherbergung und Gastronomie (Abschnitt I) und übrige Marktdienstleistungen (Abschnitte J bis N).

 

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.

Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.

Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) monatlich aktualisiert und auf der Website des WIFO veröffentlicht.