24.08.2026

Nahrungsmittelpreise dämpfen Gesamtinflation, Stimmungsbild verbessert

Konjunkturreport Einzelhandel im Auftrag des Handelsverbandes
"Die Preise bei Nahrungsmitteln haben zuletzt dämpfend auf die Inflation gewirkt. Die aktuelle Dürre dürfte sich in den kommenden Monaten jedoch wieder verstärkt in höheren Preisen bei Lebensmitteln zeigen", so WIFO-Ökonom Jürgen Bierbaumer.

Der durch den Iran-Krieg angestiegene Erdölpreis belastete die heimische Wirtschaft und unterbrach die konjunkturelle Erholung. Gemäß der WIFO-Schnellschätzung stagnierte das BIP im II. Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal (real, saison- und kalenderbereinigt). Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte verlief ebenfalls träge, gemäß dem Wöchentlichem WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) dürfte sich diese Entwicklung auch in den ersten drei Juliwochen fortgesetzt haben.

Die Umsatzentwicklung im heimischen Einzelhandel (ohne Kfz) fiel nach vorläufigen Daten kalenderbereinigt im Juni 2026 schwach aus (nominell +1,8%, real –0,3% gegenüber dem Vorjahr, vorläufige Werte) und lag unter dem Durchschnitt des 1. Halbjahres.

Die Inflation ging im Juli 2026 auf 2,8% zurück (Juni 3,2%). Der Rückgang der Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (‑0,4%), maßgeblich bedingt durch die Senkung der Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel ab 1. Juli 2026, trug hierzu wesentlich bei.

Die Befragungsdaten aus dem WIFO-Konjunkturtest zeigten eine leichte Verbesserung im Juli, wenngleich die Konjunkturstimmung u. a. aufgrund der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und der Entwicklung des Rohölpreises überwiegend pessimistisch blieb.

Auch im Einzelhandel stieg der WIFO-Konjunkturklimaindex zuletzt an und hat damit den Pessimismus der letzten Monate nahezu wettgemacht. Sowohl die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich.

Ebenso verbesserte sich das Stimmungsbild der heimischen Konsument:innen. Gegenüber April, dem bisherigen "Tiefststand" seit Ausbruch des Iran-Krieges, lag der aktuelle Saldowert aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen um rund 5 Punkte höher.

Die hohen Preissteigerungen belasten die verfügbaren Einkommen der Haushalte, wodurch sich die private Konsumnachfrage weiterhin verhalten entwickeln dürfte. Der Realeinkommensverlust wird heuer durch einen merklichen Rückgang der Sparquote ausgeglichen.

Auf dem Arbeitsmarkt setzte sich im Juli der Rückgang im Bestand an unbesetzten Stellen fort. Im Einzelhandel sanken diese abermals im zweistelligen Bereich gegenüber dem Vorjahr. In der Gesamtwirtschaft schwächte sich der Rückgang hingegen leicht ab. Im Einzelhandel (einschließlich Kfz, laut ÖNACE 2025) konnten 9.124 offene Stellen nicht zeitnah besetzt werden, in der Gesamtwirtschaft waren es 79.770.

Bei der Beschäftigung im Einzelhandel (einschließlich Kfz, laut ÖNACE 2025) setzte sich der rückläufige Trend (im Vergleich zum Vorjahr) im Juli 2026 fort. In der Gesamtwirtschaft wurde hingegen erneut ein leichter Zuwachs beobachtet.

Die Zahl der eröffneten Unternehmensinsolvenzen zeigte weiterhin ein hohes Niveau, auch wenn diese das dritte Mal in Folge zurückgegangen sind. Im II. Quartal 2026 wurden insgesamt 960 Insolvenzen eröffnet, das waren um 7,6% weniger als im Jahr zuvor.

Studie
24.08.2026
Fertigstellung: August 2026
Projektauftraggeber:in: Handelsverband Österreich