24.05.2022

Russisches Öl: Auswirkungen der EU-Sanktionen auf Österreich

Embargo oder Importzölle?
In einem aktuellen WIFO Research Brief diskutieren Josef Baumgartner, Elisabeth Christen und Gabriel Felbermayr die ökonomischen Auswirkungen einer Ausweitung der EU-Sanktionen auf Importe von Rohöl und verarbeiteten Mineralölprodukten aus Russland.

Diese Sanktionen könnten in Form eines Öl-Embargos oder weniger restriktiv und dadurch mit unmittelbar weniger negativen Folgeeffekten für die Wirtschaft in der EU als Importzölle auferlegt werden. Russland ist (noch) ein bedeutender Lieferant von Erdöl und Erdölprodukten. Innerhalb der EU ist die Importabhängigkeit von russischen Öllieferungen sehr heterogen. Für Österreich ist Kasachstan das wichtigste Herkunftsland von Rohöl. Im Falle von russischen Gegenmaßnahmen sind EU-Ölimporte aus anderen GUS-Ländern gefährdet. Kurzfristig kommen vor allem die OPEC-Länder als alternative Lieferquelle in Betracht. Verarbeitete Mineralölprodukte, wie Benzin und Diesel, werden in Österreich fast ausschließlich aus anderen EU-Ländern – vor allem Deutschland – bezogen und nicht direkt aus Russland importiert. Allerdings besteht dadurch eine hohe indirekte Abhängigkeit. Eine Verknappung und in der Folge Verteuerung von Treibstoffen hätten negative Auswirkungen auf die Güter- und Personenbeförderung.

Importzölle dürften im Vergleich zu einem Öl-Embargo mehrere Vorteile aufweisen. Durch eine graduelle Erhöhung verläuft die Anpassung der heimischen Wirtschaft über Preiseffekte besser als über eine unmittelbare Mengenreduktion. Zudem kann das Instrument flexibel und strategisch auf die wirtschaftliche und politische Dynamik des Konfliktes abgestimmt werden und führt in der EU neben höheren Preisen auch zu Zolleinnahmen. Als Folge eines Embargos oder einer Einführung eines äquivalenten Importzolles lassen Simulationsergebnisse für Österreich kurzfristig einen Anstieg der Inflationsrate um 0,5 bis 0,75 Prozentpunkte und eine Absenkung der Wirtschaftsleistung um 0,3% erwarten.
  

Durch multiple Krisen navigieren
20.03.2026
Hervorragende Dissertation im Bereich Internationale Wirtschaft
12.03.2026
Alle Fotos: Christoph Badelt diskutiert zu seinem 75. Geburtstag mit Finanzminister Markus Marterbauer
09.03.2026
WIFO-Direktor berät deutsche Bundesregierung künftig im Sachverständigenrat
04.03.2026
Wissenschaftlicher Austausch zu "International Economics"
25.02.2026
WU matters. WU talks. Keynotes von Christine Mayrhuber und Markus Knell
24.02.2026
Einblick in die Wirtschaftsforschung: Wie groß ist der Klima-Fußabdruck deiner Urlaubsreise?
17.02.2026
WIFO-Studie über die Herausforderungen der chinesischen Industriepolitik und Handlungsoptionen für Österreich und Europa
13.02.2026
Call for Papers – Einreichfrist: 16. März 2026
12.02.2026