10.08.2026

Klimawandel und die Übertragung makroökonomischer Schocks

Paper von Christian Glocker und Thomas Url im International Economic Review
Die Ergebnisse eines soeben veröffentlichten Papers der WIFO-Ökonomen Christian Glocker und Thomas Url im International Economic Review zur temperaturabhängigen Ausbreitung von makroökonomischen Schocks zeigen Konsequenzen für die Wirtschaftspolitik in Zeiten des Klimawandels auf – insbesondere im Hinblick auf fiskal- und geldpolitische Maßnah-men zur Stabilisierung des Konjunkturzyklus.

Der Klimawandel äußert sich in einem allmählichen Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen und sollte laut Glocker und Url daher in der ökonomischen Analyse als Strukturwandel und nicht als ein exogener Schock modelliert werden.

Dementsprechend erwarten die Autoren, dass der Klimawandel vorwiegend die Übertragung traditioneller makroökonomischer Schocks in die Wirtschaft ändert, und dass unerwartete Wettereinflüsse im Vergleich dazu nachrangige Effekte haben.

Glocker und Url entwickelten ein theoretisches DSGE-Modell, in dem positive Temperaturanomalien die Faktorproduktivität dämpfen und damit die Steigung der Phillips-Kurve erhöhen. Dies führt zu einer Verstärkung der Preiseffekte von Nachfrageschocks und zu einer Abschwächung der Mengenreaktion. Ihre empirische Analyse stützt diese Schlussfolgerung. Bemerkenswert ist, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass Temperaturanomalien die Preis- und Produktionsreaktionen auf Angebotsschocks beeinflussen. Dieser Unterschied bestätigt die Hypothese, dass Temperaturanomalien die Steigung der Phillips-Kurve verändern und dadurch die Übertragung von Nachfrageschocks, nicht jedoch jene von Angebotsschocks beeinflussen.

"Wir zeigen, dass bereits ein geringer Anstieg der mittleren Oberflächentemperaturen messbare Auswirkungen auf die Übertragung von Nachfrageschocks hat. So haben beispielsweise in einem Szenario mit einer globalen Erwärmung um +1 °C Nachfrageschocks eine um 20% stärkere Auswirkung auf die Inflation, während die Reaktion der Produktionsmenge um etwa 15% geringer ausfällt", so Christian Glocker und Thomas Url.

In einem Umfeld, das durch steigende Temperaturen gekennzeichnet ist, könnten sich expansive fiskalpolitische Maßnahmen zur Bekämpfung von Nachfragerückgängen als wenig wirksam erweisen. Bei zunehmenden Temperaturanomalien könnten solche Eingriffe zu erheblichen Preisschwankungen führen, ohne dass sie nennenswerte Auswirkungen auf die Realwirtschaft hätten. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Geldpolitik für die Preisstabilisierung möglicherweise wirksamer werden wird, während sie zur Stabilisierung der Wirtschaftsleistung weniger beitragen wird.

Artikel in referierter Fachpublikation
04.08.2026
Fachpublikation: International Economic Review
JEL-Code: C33, E31, E32, Q54