15.07.2019

Evolutorische Ökonomie am WIFO

Jahrestagung des Fachausschusses des Vereins für Socialpolitik in Wien
Vom 4. bis zum 6. Juli 2019 fand am WIFO die Jahrestagung des Fachausschusses für Evolutorische Ökonomie des Vereins für Socialpolitik – der Dachorganisation der Wirtschaftswissenschaften im deutschsprachigen Raum – statt. WIFO-Ökonom Michael Peneder ist derzeit Vorsitzender im Fachausschuss. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Interaktion heterogener einzelwirtschaftlicher Akteure sowie daraus folgende Systemveränderungen (z. B. von Institutionen oder Technologien).

Das vielfältige Programm umfasste Vorträge zu Fragen von Eigentümerstrukturen, technologischer Aneigenbarkeit der Erträge von Innovation und Marktkonzentration ebenso wie Agentenbasierte Modelle (ABM) von Lernprozessen, Konsumverhalten und makroökonomischer Entwicklung.

In den beiden öffentlichen Gastvorträgen wurde aus sehr unterschiedlichen Perspektiven die Frage alternativer Formen sozialer Koordination abseits der geläufigen Dichotomie von Markt versus zentraler staatlicher Steuerung gestellt.

Jason Potts: Institutional Cryptoeconomics

In seinem Vortrag "Institutional cryptoeconomics: understanding the blockchain economy" erläuterte Jason Potts von der RMIT Universität in Melbourne die besondere Bedeutung neuer Blockchain-Technologien als Grundlage für institutionelle Veränderungen hin zu dezentralen Systemen der Koordination wirtschaftlicher Aktivitäten (z. B. elektronische Zahlungssysteme, integrierte Wertschöpfungsketten).

Jean-Robert Tyran: Can democracy ever work?

Der zweite Gastvortrag richtete die Aufmerksamkeit auf Wahlabstimmungen als Form sozialer Koordination im Gegensatz zu zentralisierten Entscheidungsprozessen ohne Mitsprache der Bürger und Bürgerinnen. Unter dem Titel "Can democracy ever work? A behavioral and experimental economics perspective" gab Jean-Robert Tyran, Vizerektor der Universität Wien, einen Überblick über seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten zu den Vorteilen und Problemen kollektiver Entscheidungsprozesse durch Abstimmung.

Anhand unterschiedlicher Forschungsergebnisse wurde z. B. belegt, dass die Möglichkeit zur Teilnahme an Abstimmungen auch die Bereitschaft erhöht, kollektive Entscheidungen zu akzeptieren und auf diese Weise legitimierte Regeln zu befolgen. Auch die These einer gegenüber zentralisierten Entscheidungsprozessen geringeren Fehleranfälligkeit ("wisdom of the crowd") lässt sich mit Experimenten belegen. Beide Beispiele weisen letztlich auf wirtschaftliche Vorteile demokratischer Mitbestimmung.

 

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