20.10.2022

100% erneuerbare Energieträger im Elektrizitätssektor

START2030: Zentrale Ergebnisse in einem Disseminations-Workshop präsentiert
Im Rahmen des "START2030"-Abschlussworkshops stellten das WIFO, das Institut für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation an der Technischen Universität Graz und das Centre of Economic Scenario Analysis and Research (CESAR) am 18. Oktober 2022 zentrale Projektergebnisse vor.

Ziel des Projektes "START2030" war es, die Effekte einer Transformation zu einem Elektrizitätssystem, das zu 100% auf erneuerbaren Energieträgern (national bilanziell) beruht, bis 2030 für Österreich zu analysieren. Das betrifft einerseits Veränderungen im Stromsektor und andererseits die ökonomischen Auswirkungen und die sozialen Folgen der Transformation. Um das Spektrum der mit der Transformation verbundenen potentiellen Auswirkungen abzubilden, wurden vier Szenarien, in denen das 100%-Ziel erreicht wird, entwickelt. Im Kontext der aktuellen Energiekrise wurden zusätzliche Sensitivitätsanalysen mit höheren Gaspreisen durchgeführt. Für die Simulationen wurden das Elektrizitätsmarktsmodell ATLANTIS und das makroökonomische Modell DYNK gekoppelt.

Die Simulationen mit dem Modell ATLANTIS zeigen, dass auch wenn die Ausbauziele für erneuerbare Energieträger nach dem österreichischen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) erreicht werden, es Phasen gibt, in denen nicht ausreichend erneuerbarer Strom erzeugt wird, um die Nachfrage zu decken (insbesondere im Winter). Zu diesen Zeitpunkten muss die Nachfrage durch Gaskraftwerke gedeckt werden. Änderungen im Stromverbrauch, die sich durch Effizienzsteigerungen oder einen verstärkten Einsatz von Wärmepumpen oder E-Pkw im Haushaltsbereich ergeben, haben keine Auswirkungen auf die Erzeugungsstruktur, sondern führen zu einer Änderung von Importen und Exporten.

Ein Ausbau der erneuerbaren Energieträger führt zu einem (leichten) Wachstum von BIP und Beschäftigung. Der Ausbau wirkt sich auch positiv auf die Entwicklung der Haushaltseinkommen aus. Die Simulationen mit dem Modell DYNK zeigen aber auch, dass das BIP bei stark steigenden Gaspreisen trotz eines Ausbaus erneuerbarer Energieträger zurückgeht. Ein Anstieg der Gaspreise wirkt sich negativ auf die Entwicklung der Haushaltseinkommen aus. Für die unteren Einkommensgruppen müssten Maßnahmen entwickelt werden, um diese negativen Effekte zu kompensieren.

"START2030" wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programmes "ACRP" durchgeführt. Die Präsentationen aus dem Workshop sowie weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebsite.

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