PASMA
Das Agrarsektormodell PASMA (Positive Agricultural Sector Model for Austria; Schmid & Sinabell, 2003) wurde entwickelt, um die Auswirkungen der GAP-Reform 2003 auf die landwirtschaftliche Produktion und ausgewählte Agrar- und Umweltindikatoren abzuschätzen. Das Modell wurde seither kontinuierlich verbessert und erweitert (z. B. Schmid et al., 2007a, 2007b; Kirchner et al., 2015; Kirchner et al., 2016; Schönhart et al., 2013, 2014, 2018).
Als wichtige Grundlage für agrarpolitische Analysen bildet PASMA die politische, natürliche und strukturelle Komplexität des österreichischen Agrarsektors sehr detailliert, d. h. differenziert nach Produktionsaktivitäten und Einkommensmöglichkeiten ab. Abbildung 1 gibt einen Überblick über die Struktur und wichtigsten Komponenten von PASMA. Zu den wichtigsten Eingangsdaten zählen das Integrierte Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS; Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft – BMLFUW, 2017), die Agrarstrukturerhebung (z. B. Statistik Austria, 2022a), die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (z. B. Statistik Austria, 2022b), die Schätzung der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte und Standarddeckungsbeiträge (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen – BAB, 2022). Die Eingangsdaten liefern die notwendigen Informationen zur Abbildung der Ressourcen- und Produktionsausstattung regionaler (NUTS-3-)Ebene in Österreich.
In PASMA sind zwei Betriebstypen (Ackerbau- und Viehzuchtbetriebe) und unterschiedliche Bewirtschaftungssysteme (konventionelle und biologische Bewirtschaftung) sowie relevante Bewirtschaftungsmaßnahmen aus dem Österreichischen Agrarumweltprogramm (ÖPUL) und das Förderprogramm für Betriebe in benachteiligten Gebieten (AZ) abgebildet. Die detaillierte Abbildung von ÖPUL 2023 sowie des Instrumentenmixes nach der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik im Jahr 2020 (d. h. im GSP) erfordern jedoch eine Anpassung in der Modellstruktur und Eingangsdaten.
PASMA maximiert die regionale Wertschöpfung der landwirtschaftlichen Betriebe und wird unter Verwendung der Methode der Positiven Mathematischen Programmierung (PMP; vgl. Howitt, 1995; Heckelei et al., 2012) auf die beobachtete Situation kalibriert. Die PMP-Methode ist im Grunde eine Erweiterung der linearen Programmierung, bei der in der Basisperiode von einem gewinnmaximierenden Gleichgewicht (d. h. Grenzerlös gleich Grenzkosten) ausgegangen wird. Auf Grundlage der beobachteten Produktionsaktivitäten werden die Koeffizienten einer nichtlinearen Zielfunktion abgeleitet.
PASMA wird verwendet, um die landwirtschaftliche Produktion, die Arbeit, das Einkommen und die Umweltindikatoren für jede einzelne regionale Einheit abzuschätzen. Die Integration ökonomischer und ökologischer Indikatoren in einem kohärenten Rahmen ist eine zentrale Stärke von PASMA und begründet die häufige Verwendung des Modells für Agrarumweltanalysen. Jüngere Studien befassen sich mit Evaluierungen (Sinabell et al., 2019), Szenarioanalysen und Szenarien des Produktionssystems der österreichischen Landwirtschaft (Sinabell et al., 2019) sowie Szenarien zur Treibhausgasemission der österreichischen Landwirtschaft (Anderl et al., 2023; Sinabell et al., 2023).
