Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex
WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten
Auf Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) stagnierte die österreichische Wirtschaftsleistung im Mai (Kalenderwochen 19 bis 22, 4. bis 31. Mai 2026) am Vorjahresniveau. In den ersten zwei Juniwochen (Kalenderwochen 23 und 24, 1. bis 14. Juni 2026) war sie um ¾% höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (April +¾%, revidiert)1).
Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte deutet im Vorjahresvergleich im Mai für die Nachfrage nach Dienstleistungen auf einen Anstieg und für die Güternachfrage (Einzelhandelsumsätze) auf einen merklichen Rückgang hin. Der private Konsum schrumpfte gegenüber dem Vorjahr im Mai um ½% und in der 1. Junihälfte um ¾% (April –2%).
Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen wird von der Wirtschaftsleistung (Industrieproduktion) und der Stimmung im produzierenden Bereich gemäß WIFO-Konjunkturtest bestimmt. Die Investitionen dürften gegenüber dem Vorjahr im Mai um 1¾% und in der 1. Junihälfte um 3% zugenommen haben (April +4¼%).
Aus der Entwicklung der Industrieproduktion und des Tourismus sowie der großen Nachfragekomponenten und den daraus resultierenden Wirkungen auf den Außenhandel ergibt sich für die Nettoexporte i. w. S. im Mai ein negativer Wachstumsbeitrag zum BIP von 2¼ Prozentpunkten (April +½ Prozentpunkt).
Sämtliche Indikatoren des Güter- und Personenverkehrs – die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen, der Gütertransport auf der Schiene sowie das Fluggast- und Luftfrachtaufkommen auf dem Flughafen Wien – sanken im Mai gegenüber dem Vorjahr. Das Flugaufkommen hat infolge des Iran-Krieges (Streckenausfall und gestiegene Preise für Kerosin) einen merklichen Dämpfer erlitten. Im April zeigte auch der WIFO-Konjunkturtest eine signifikante Verschlechterung der bereits mehrheitlich negativen Unternehmensstimmung im Verkehrsbereich; insbesondere die Erwartungen haben sich bisher noch nicht erholt. Für die Wertschöpfung im Bereich Verkehr (ÖNACE 2008, Abschnitt H) wird auf der Basis dieser Indikatoren für den Mai und die 1. Junihälfte ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 1¾% bzw. 1% geschätzt (April +2¼%).
Der Industrieproduktionsindex (unbereinigt) stieg gegenüber dem Vorjahr im März um 3,3% (revidiert, vorläufige Rechnung +6%) und nach vorläufiger Rechnung im April um 0,3%. Die Beschäftigung im güterproduzierenden Bereich (ÖNACE 2008, Abschnitte A bis E) sank weiter (Mai –0,7% gegenüber dem Vorjahr). Die Zahl der arbeitssuchenden Personen in diesem Sektor nahm nach einer kurzen Entspannung zum Jahreswechsel 2025/26 bis Mai wieder zu. Die Stimmung der Sachgütererzeuger hatte sich gemäß WIFO-Konjunkturtest bis zum Jahresbeginn 2026 tendenziell verbessert, trübte sich mit Beginn des Iran-Krieges jedoch deutlich ein und blieb auch in den Folgemonaten gedämpft. Das WIFO schätzt die Wirtschaftsleistung im güterproduzierenden Bereich im Mai (bei zwei Arbeitstagen weniger als im Vorjahr) um ¼% geringer und Anfang Juni (bei zwei Arbeitstagen mehr als im Vorjahr) um 1¼% höher als im Vorjahr ein.
Der Bauproduktionsindex lag im Jänner witterungsbedingt um knapp 11% und im Februar um fast 5% unter dem Vorjahresniveau. Im März (revidiert) und im April (vorläufige Rechnung) stieg er im Vorjahresvergleich um jeweils 1¾%. Der Rückgang der Beschäftigung im Bauwesen schwächte sich bis April weiter ab, legte im Mai aber wieder zu. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr im Frühjahr, nachdem sie vor allem im Februar deutlich gestiegen war. Die Stimmung unter den Bauunternehmen hat in den letzten Monaten wieder in einen positiven Saldo gedreht. Arbeitstagbedingt lag die Wertschöpfung in der Bauwirtschaft (ÖNACE 2008, Abschnitt F) im Mai um 3¼% unter dem Vorjahresniveau und sank in der 1. Junihälfte mit –1% etwas langsamer (April –1¼%).
Basierend auf bargeldlosen Transaktionen im Bereich Restaurants und Hotels und Stimmungsindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest dürfte die Wertschöpfung im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE 2008, Abschnitt I) gegenüber dem Vorjahr im Mai um 1½% zugenommen haben und in den ersten beiden Juniwochen sogar um 3½% gestiegen sein (April –2¾%). Im Handel (ÖNACE 2008, Abschnitt G) wird auf Basis der Einzelhandelsumsätze im Mai und Anfang Juni ein Wertschöpfungsrückgang gegenüber dem Vorjahr um 2½% bzw. 1¾% erwartet (April –2¾%).
Die aktuelle Beschäftigungssituation in den übrigen Marktdienstleistungen sowie Stimmungsindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest deuten auf eine weiterhin insgesamt positive Entwicklung dieses Sektors hin. Für die übrigen Marktdienstleistungen (ÖNACE 2008, Abschnitte J bis N) wird gegenüber dem Vorjahr im Mai und in der 1. Junihälfte ein Zuwachs in der Wertschöpfung von 1¼% bzw. 1¾% geschätzt (April +1½%). In den sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE 2008, Abschnitte R bis T) dürfte die Wertschöpfung auf der Grundlage der Beschäftigungsentwicklung und der Unternehmenserwartungen laut WIFO-Konjunkturtest im Mai um 4% und in den ersten beiden Juniwochen um 5% gewachsen sein (April +2%).
1) Die Berücksichtigung neu veröffentlichter und revidierter Monats- und Quartalsdaten, die bei der Schätzung des WWWI erfüllt werden müssen, führt zu regelmäßigen Revisionen des WWWI für das BIP. In der aktuellen Rechnung wurde die Anfang Juni von Statistik Austria veröffentlichte Revision der quartalsweisen VGR für das I. bis IV. Quartal 2025 und das neu veröffentlichte I. Quartal 2026 einbezogen, was bei sämtlichen Teilindikatoren teilweise erhebliche Auswirkungen hatte.
Wöchentliche Wirtschaftsaktivität, WWWI – Entstehung und Verwendung Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.
Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.
Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) monatlich aktualisiert und auf der Website des WIFO veröffentlicht.