Psychisch bedingte Krankenstände

31.01.2019

WIFO-Forscher Thomas Leoni und Präsident der AK OÖ Johann Kalliauer präsentieren WIFO-Studie zu psychisch bedingten Krankenständen.

Psychische Erkrankungen sind für die Einschätzung der gesundheitlichen Situation der Erwerbsbevölkerung und für die Ableitung von arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Handlungsempfehlungen von großer Bedeutung. Die neue Studie von Thomas Leoni im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich untersucht die Entwicklung und Verteilung von psychisch bedingten Krankenständen in Österreich.

Obwohl weniger als 3% der Krankenstandsfälle auf "psychische und Verhaltensstörungen" zurückgehen, verursachen diese Fälle aufgrund ihrer stark überdurchschnittlichen Dauer etwa 10% des gesamten Fehlzeitenvolumens der Arbeiter und Arbeiterinnen und Angestellten in Oberösterreich. Psychische Erkrankungen weisen ein geschlechtsspezifisches Muster auf. Ihr Anteil lag 2016 bei Frauen mit 13,4% der Krankenstandstage fast doppelt so hoch wie bei Männern (7,1%). In der Periode 2005 bis 2016, die in der WIFO-Studie genauer untersucht wurde, kam es bis 2011 zu einem starken Anstieg der psychisch bedingten Krankenstandsquote, in den Folgejahren stabilisierte sich die Quote bzw. ging sie leicht zurück. Die Krankenstandsquote der Jüngeren (bis 29 Jahre) wich von diesem Muster ab und erhöhte sich auch nach 2011, allerdings in geringerem Ausmaß als in der Vorperiode. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Studie auch in Bezug auf den Konsum von Psychopharmaka, der zwischen 2005 und 2016 insgesamt um 60% zunahm und ebenfalls bei den Jüngeren den stärksten Zuwachs verzeichnete.

WIFO-Forscher Thomas Leoni zeigt in seiner Studie auch, dass Arbeitslose um ein Vielfaches stärker von psychischen Gesundheitsproblemen betroffen sind als Beschäftigte. Die überproportional hohe Inzidenz psychisch bedingter Krankenstände in Arbeitslosigkeit ist die Folge sowohl von Selektions- als auch von Verstärkungseffekten: Einerseits sind psychisch bedingte Gesundheitsprobleme ein besonders hoher Risikofaktor für Arbeitslosigkeit, gleichzeitig schlagen sich die gesundheitlich negativen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, vor allem von Langzeitarbeitslosigkeit. besonders in Form von psychischen Erkrankungen nieder.

Psychische Erkrankungen stellen für die betroffenen Arbeitskräfte – neben der unmittelbaren Beeinträchtigung von Gesundheit und Wohlbefinden – eine große Hürde für die Erwerbstätigkeit dar. Analysen der Beschäftigungsstabilität zeigen, dass psychische Erkrankungen im Vergleich zu anderen Krankenständen mit ähnlicher Dauer ein erhöhtes Risiko der Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses nach sich ziehen.

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Dr. Margit Schratzenstaller-Altzinger

Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Stellvertretende Leiterin

Publikationen

Monographien, Jänner 2019, 51 Seiten
EDV: Georg Böhs
Auftraggeber: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Oberösterreich
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 25.01.2019 11:00
 
Psychische Erkrankungen bilden eine hohe Hürde für die Erwerbstätigkeit und sind eine der wichtigsten Ursachen von Invalidität. Ihre Bedeutung für das Krankenstandsgeschehen nahm längerfristig stark zu. Dieser Bericht befasst sich mit der Entwicklung und Verteilung psychisch bedingter Krankenstände in Oberösterreich in den Jahren 2005 bis 2016. Nach einem deutlichen Anstieg in den 2000er-Jahren gingen die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Erkrankungen zwischen 2011 und 2016 leicht zurück. Dies war vor allem auf eine Verkürzung der durchschnittlichen Krankenstandsdauer zurückzuführen. Die Zahl der psychisch bedingten Krankenstandstage der Arbeitslosen war um ein Vielfaches höher als jene der Beschäftigten, sie folgte in ihrer Entwicklung über die Zeit aber einem ähnlichen Muster.
Dr. Johann Kalliauer (Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich) und WIFO-Forscher Thomas Leoni (Foto: AK OÖ)
Dr. Johann Kalliauer (Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich) und WIFO-Forscher Thomas Leoni (Foto: AK OÖ)