
Kurt Rothschild prägte das WIFO über sechs Jahrzehnte
Der Journalist und Filmemacher Gerald Teufel porträtierte den renommierten Ökonomen Kurt Rothschild, den Doyen der österreichischen Wirtschaftswissenschaften, in einer Fernsehdokumentation und beleuchtet das Wirken und den Lebensweg des bedeutenden Vertreters der Politischen Ökonomie.
"Wir sind Wirtschaft – Kurt Rothschild" erinnert an eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Volkswirtschaftslehre, durch dessen Schule viele Wirtschaftsgrößen gingen. In Gerald Teufels Film erzählt Rothschild von seiner Jugend in Wien, seiner Sympathie für die Sozialdemokratie in der Ersten Republik, dem jüdischen Sportclub Hakoah Wien und seiner Flucht im Jahr 1938 nach England bzw. Schottland. Zu Wort kommt auch Rothschilds Frau Valerie, mit der er über 70 Jahre verheiratet war.
Kurt Rothschild wurde am 21. Oktober 1914 in Wien geboren und studierte an der Universität Wien. Nach seiner Emigration nach Schottland im Jahr 1938 setzte er dort seine Studien in Nationalökonomie und Politischer Philosophie fort. Nach seiner Rückkehr nach Österreich trat er am 1. Juni 1947 seinen Dienst als wissenschaftlicher Mitarbeiter des WIFO an. Der Kontakt war durch den Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek vermittelt worden. Ab 1966 war er am WIFO als Konsulent tätig und blieb dem Institut insbesondere nach seiner Emeritierung 1984 bis zu seinem Ableben mit Beiträgen zu Ökonomie und Gesellschaft eng verbunden. Für Gespräche war er stets freundlich und hilfsbereit ansprechbar.
"Für das WIFO ist das Lebenswerk von Kurt Rothschild ein Auftrag: unbeirrbar den Beitrag der Ökonomie zu einer besseren und gerechteren Gesellschaft zu suchen. Er war hier das große Vorbild für die jungen Mitarbeiter, machte sie mit der modernen Nationalökonomie vertraut, die sie damals auf den österreichischen Hochschulen noch nicht lernen konnten, und lebte die Möglichkeit vor, ausgeprägte Weltanschauung mit präziser ökonomischer Analyse zu verbinden. Er war einer der führenden, weltweit anerkannten Wirtschaftswissenschafter", so der damalige WIFO-Leiter Karl Aiginger in seinem Nachruf 2010.
1966 wurde Rothschild an die neu gegründete Universität Linz berufen, wo er die Gelegenheit hatte, das in Österreich neu geschaffene Studium der Volkswirtschaftslehre mit Leben zu erfüllen. Diese Möglichkeit bzw. diesen Auftrag nahm er vorbildhaft wahr. Seine zahlreichen Schüler:innen, von denen sich danach viele in wichtigen Positionen in Forschung, Wirtschaft und Politik befinden, legen umfangreiches Zeugnis für seine hervorragende Rolle als Wissensvermittler von Wirtschaftstheorie und -politik ab. Rothschild arbeitete an der Universität Linz bis zu seiner Emeritierung 1984 und war in dieser Zeit auch für zwei Jahre (1971 bis 1972) Rektor der Universität.
Zu seinem 95. Geburtstag veranstaltete das WIFO eine Tagung über die Folgen und bleibenden Konsequenzen der Finanzkrise unter aktiver Teilnahme und Mitarbeit von Kurt Rothschild. Die Beiträge erschienen in einem Sonderheft der "Empirica" (Journal of European Economics).
