Im Gedenken an Gerhard Palme

05.06.2020

WIFO trauert um eine prägende Persönlichkeit

Dozent Mag. Dr. Gerhard Palme ist am 2. Juni 2020 überraschend im Alter von 77 Jahren verstorben. Er war von 1981 bis 2008 als wissenschaftlicher Referent für Regionalökonomie am WIFO tätig, und hat mit seinen Arbeiten die Sichtweise zur Bedeutung von Raum und regionalem Kontext für die wirtschaftliche Entwicklung im Institut, aber auch weit darüber hinaus geprägt.

"Mit Gerhard Palme verliert das WIFO und die österreichische Regionalpolitik eine unverwechselbare Persönlichkeit – sein Einfluss auf das Denken vieler wird aber bleiben. Am Institut wird er als engagierter und hilfsbereiter Kollege mit ausgeprägtem Teamgeist und hohem Einsatz in Erinnerung bleiben. Von seinen oftmals kritischen, aber immer hilfreichen und konstruktiven Kommentaren haben viele, vor allem jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses, nachhaltig profitiert. Die Nachricht seines Ablebens hat daher tiefe Betroffenheit am Institut ausgelöst. Stellvertretend für alle Kolleginnen und Kollegen bekunden wir seiner Lebensgefährtin und seiner Familie unser tief empfundenes Mitgefühl", so die WIFO-Leitung.

Nach Studien der Geographie, Geschichte, Betriebswirtschaftslehre und Raumplanung an den Universitäten Wien, Linz und TU Wien begann Gerhard Palme seine berufliche Karriere am Institut für Stadt- und Regionalforschung der TU Wien und war in der Folge zunächst am Institut für höhere Studien tätig. Schon früh mit dem August-Lösch-Preis als dem renommiertesten Preis für regionalwissenschaftliche Arbeiten im deutschen Sprachraum ausgezeichnet, wechselte Palme 1981 ans Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung, wo er bis zu seiner Pensionierung 2008 im Forschungsbereich "Strukturwandel und Regionalentwicklung" tätig war.

In dieser Zeit verfasste Palme rund 160 Publikationen, wobei die meisten von einem ausgeprägten Hang zu tiefem konzeptionellem Denken zeugen. Nicht zufällig blieben viele der hier entwickelten Erkenntnisse daher auch langfristig einflussreich, namentlich seine produktzyklische Betrachtung von sektoralen und regionalen Entwicklungen, der empirische Nachweis stark unterschiedlicher Regionstypen und deren Konsequenzen für Sektorpolitiken und Regionalpolitik, seine Erkenntnisse zur Bedeutung von Innovation für die Regionalentwicklung, und nicht zuletzt zu den Wirkungen von Integrationsprozessen auf Städte und Regionen. Diese Ideen weiterzugeben war ihm ein stetes Anliegen, wovon auch seine langjährige Lehrtätigkeit an der Universität Wien und sein, zusammen mit Robert Musil, verfasstes Lehrbuch "Wirtschaftsgeographie" zeugen.

Am WIFO selbst war Gerhard Palme als wacher und kritischer Geist immer ein Motor des intellektuellen Diskurses, eine (im Doppelsinn) Achtung gebietende Persönlichkeit, die ihre Positionen immer konsequent vertreten und Probleme auch beim Namen genannt hat. Gleichzeitig war er aber auch ein zutiefst liebenswürdiger und feinfühliger Mensch – ein Kollege im Wortsinn, auf den man sich vollständig verlassen konnte, und der mit seiner hohen sozialen Intelligenz viel dazu beigetragen hat, seinen Forschungsbereich von einer Ansammlung von Individuen zu einem guten Team zu formen. So werden wir ihn in Erinnerung behalten.

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Markus Kiesenhofer, BA, MA

Tätigkeitsbereiche: Stabstelle für Öffentlichkeitsarbeit
© W. Schwarz
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