25.02.2026

18. FIW-Forschungskonferenz

Wissenschaftlicher Austausch zu "International Economics"
Der Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft (FIW) veranstaltete am 19. und 20. Februar 2026 die 18. FIW-Forschungskonferenz "International Economics" an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Die Konferenz bot Ökonom:innen, politischen Entscheidungsträger:innen und Nachwuchsforscher:innen eine Plattform, um evidenzbasiert über die Neuordnung des Welthandels, die Rolle Europas und die Zukunft des EU-Binnenmarktes zu diskutieren.

In ihren Eröffnungsworten betonten WU-Vizerektor Harald Badinger und Sektionschefin Cynthia Zimmermann (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus) die Rolle der FIW-Forschungskonferenz als Brücke zwischen akademischer Forschung und Wirtschaftspolitik. Sie hoben hervor, dass das FIW, ein Zusammenschluss führender österreichischer Universitäten und Forschungsinstitute, jene Analysen bereitstellt, die für eine evidenzbasierte österreichische und europäische Handelspolitik unverzichtbar sind. Angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheit und eines zunehmenden Rückzugs vom regelbasierten Handel, unterstrichen sie die besondere Bedeutung des wissenschaftlichen Austausches sowie die hohe Zahl und internationale Breite der Einreichungen in diesem Jahr.

Policy Panel: One Year of Tariff Policy under Trump 2.0

Im Policy Panel "One Year of Tariff Policy under Trump 2.0" diskutierten unter der Moderation von Klaus Weyerstrass (Institut für Höhere Studien) Patricia Neumann (Siemens Österreich), Lionel Fontagné (Paris School of Economics, iMIP), Robert Heiling (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus) und Nicolas Köhler Suzuki (Jacques Delors Institute) die handelspolitische Bilanz des ersten Jahres von "Trump 2.0" und ihre Konsequenzen für Europa. Im Mittelpunkt standen die neue Qualität der Zollpolitik der USA, die Kombination aus Drohungen, kurzfristigen "Deals" und sektoralen Sondermaßnahmen sowie der damit verbundene Bruch mit dem multilateralen, WTO-basierten System.

Ein zentrales Thema war der wachsende Druck auf das WTO-Regelwerk und insbesondere auf den Streitbeilegungsmechanismus. Die faktische Blockade des Berufungsgremiums und die selektive Anwendung von WTO-Regeln schwächen jene Institution, die bisher wesentlich zur Stabilität des Welthandelssystems beigetragen hat. Für Europa stellt sich damit die strategische Frage, wie der regelbasierte multilaterale Rahmen verteidigt und weiterentwickelt werden kann.

Aus Unternehmensperspektive wurde die Kombination aus hohen Unsicherheiten, zusätzlichen Zöllen und politisch motivierten Maßnahmen hervorgehoben. Europäische Firmen, von globalen Konzernen bis hin zu kleinen und mittleren Zulieferbetrieben, sehen sich mit erhöhten Kosten, unterbrochenen Lieferketten und komplexeren Marktzugangsbedingungen konfrontiert. Aufbauend auf Erfahrungen aus der COVID‑19-Pandemie rücken Diversifizierung von Absatz- und Beschaffungsmärkten, regionale Wertschöpfung, stärkere Lokalisierung von Produktion und robustere Lieferketten ins Zentrum ihrer Strategien.

Ein weiterer Schwerpunkt war die strategische Rolle Europas zwischen den USA und China. Diskutiert wurden die Notwendigkeit einer kohärenteren europäischen Industriepolitik, die systematische Verknüpfung von Klima- und Handelspolitik sowie der gezielte Ausbau bilateraler Handelsbeziehungen. Der verschärfte Kurs der USA wurde zugleich als Chance bewertet. Viele Drittstaaten suchen verlässliche, regelgebundene Partner. Mit einer klaren, berechenbaren und klimaorientierten Handelsagenda könnte Europa hier gezielt Allianzen ausbauen.

Klaus Weyerstrass (Institut für Höhere Studien), Nicolas Köhler Suzuki (Jacques Delors Institute), Patricia Neumann (Siemens Österreich), Lionel Fontagné (Paris School of Economics, iMIP), Robert Heiling (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus) © WIFO/Lukas Pelz
Keynote Lecture: The Low-Hanging Fruit of the Single European Market

In seiner Keynote "The Low-Hanging Fruit of the Single European Market" präsentierte Lionel Fontagné (Paris School of Economics, iMIP) neue Forschungsergebnisse zu den bisherigen Gewinnen und zum noch ungenutzten Potenzial des EU-Binnenmarktes. Auf Basis hochgranularer Handelsdaten und eines strukturellen Gravitationsmodells zeigt die Studie, dass der Binnenmarkt den Handel innerhalb der EU deutlich gesteigert und reale Einkommensgewinne für alle Mitgliedsländer gebracht hat – mit besonders großen Effekten für kleinere, zentral gelegene Volkswirtschaften.

Gleichzeitig machen die bislang realisierten Wohlfahrtsgewinne im Durchschnitt nur rund die Hälfte dessen aus, was durch eine stärkere Angleichung an bereits innerhalb der EU verwirklichte "best practices" erreichbar wäre. Eine weitere Vertiefung des Binnenmarktes könnte die bestehenden Einkommensgewinne in etwa verdoppeln. Simulierte Erweiterungsszenarien deuten zudem darauf hin, dass der Beitritt der derzeitigen Kandidatenländer in diesen Staaten zu deutlichen Einkommenszuwächsen führen würde, ohne dass es zu aggregierten Verlusten für die bestehenden Mitgliedsländer käme. Fontagnés Kernbotschaft: In einer fragmentierenden Welt ist "mehr Binnenmarkt" ein zentraler Hebel für Wachstum, Resilienz und strategische Autonomie Europas; Vertiefung und Erweiterung wirken dabei komplementär.

Lionel Fontagné (Paris School of Economics, iMIP) © WIFO/Lukas Pelz
Fazit und Auszeichnungen

Zum Abschluss der Konferenz wurden zwei Preise für herausragende wissenschaftliche Beiträge verliehen. Harald Oberhofer, Chair des internationalen Programmkomitees, überreichte den Young Economist Award 26 an Hiroshi Kumanomido für das Paper "Exchange Rate Appreciation and Structural Adjustment: Evidence from the Plaza Accord" sowie den Best Conference Paper Award 26 an John Finlay, Sheng Cai und Nghiem Q. Huynh für "Do Foreign Firms Amplify the Gains from Trade?".

Mit mehr als 50 präsentierten Arbeiten – von Handelspolitik, Produktionsnetzwerken und Sanktionswirkungen bis hin zu geopolitischer Fragmentierung und regulatorischen Friktionen – zeigte die 18. FIW-Forschungskonferenz, wie daten- und modellbasierte Forschung konkrete Handlungsoptionen für die europäische Wirtschafts- und Handelspolitik aufzeigen kann. Organisiert wurde die Konferenz vom FIW in Kooperation mit dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus.

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