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WIFO-Publikationen und Projektberichte(82 Treffer)

Gunther Tichy, Polarisierung der beruflichen Anforderungen durch die Digitalisierung?

WIFO-Monatsberichte, 2018, 91(3), S.177-190
   
Die österreichische Politik geht davon aus, dass der technische Fortschritt im Allgemeinen und die Digitalisierung im Besonderen zunehmend höhere Qualifikationen erfordern. Die Polarisierungsthese und ihre empirische Implementierung durch die OECD stellt das in Frage: Sowohl höhere als auch niedrige Qualifikationen wären gefragt, bloß mittlere würden zunehmend freigesetzt. Wie eine genauere Untersuchung zeigt, kann einerseits die Polarisierungsthese als solche nur Teilaspekte der Entwicklung des Arbeitsmarktes erklären. Andererseits kann, wie aufwendigere empirische Arbeiten ergeben, eine gewisse Polarisierung zwar in den USA nachgewiesen werden, aber nur beschränkt in Europa und gar nicht in Österreich. Hier werden generell zunehmend höhere Qualifikationen nachgefragt. Im Bereich der mittleren Qualifikationen ist allerdings eine erhebliche Umschichtung von manuellen zu kognitiven Tätigkeiten zu beobachten. Neben Höherqualifizierung wird die Politik daher auch auf Umqualifizierung achten müssen.
 
Online seit: 28.03.2018 0:00

Gunther Tichy, Wechselkurs- und Geldpolitik. Zu Hans Seidel, Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in der Kreisky-Ära

WIFO-Monatsberichte, 2017, 90(12), S.919-925
   
Anders als die Strukturpolitik war die Geld- und Wechselkurspolitik der Kreisky-Ära innovativ, wie Hans Seidel in seinem posthum erschienenen Buch "Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in der Kreisky-Ära" ausführt. Die Geldpolitik, die zuvor infolge der nachkriegsbedingten Schwäche des Kreditwesens und der mangelnden Liberalisierung primär binnenorientiert gewesen war, musste auf die außenwirtschaftlichen Herausforderungen reagieren und ihre Grenzen erkennen. Dem Inflationsschub der Erdölpreiskrisen wurde erfolgreich mit Einkommenspolitik begegnet. Der schrittweise Übergang der Wechselkurspolitik zur Hartwährungspolitik bedeutete eine Kausalitätsumkehr: Der Wechselkurs sollte nicht eine binnenwirtschaftlich bestimmte Preisstabilität herbeiführen, sondern der heimischen Wirtschaftspolitik einen Stabilitätskurs vorgeben; relative Preisstabilität wurde nicht mehr dadurch erreicht, dass die Sozialpartner vernünftig waren, sondern dass ihnen eine glaubhafte Schranke gesetzt wurde.
 
Online seit: 20.12.2017 0:00

Gunther Tichy, Mangelnde Effizienz als Erfolgsbremse

WIFO-Monatsberichte, 2017, 90(9), S.677-699
   
Ein zügiger Aufholprozess führte Österreich in die Gruppe der Länder mit dem höchsten Lebensstandard; eine weitere Verbesserung erfordert die Hebung der bestehenden Effizienzpotentiale. Auf fast allen Gebieten wurden und werden die österreichischen Erfolge mit überhöhtem Aufwand erkauft bzw. stehen dem hohen Aufwand unzureichende Erfolge gegenüber. In öffentlicher Verwaltung und Subventionswesen könnten die relativ guten Leistungen mit erheblich geringerem Aufwand erzielt werden, in Bildungs- und Gesundheitswesen führt falscher Mitteleinsatz zu unzureichenden Ergebnissen, und die Innovationsförderung übersieht, dass die Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsquote bloß bei beträchtlichen Anpassungen der Organisation die erwünschten Innovationen bringen kann. Insgesamt könnten Effizienzreserven von zumindest 10% bis 20% gehoben werden. Das ist allerdings nicht allein mit Verwaltungsreformen zu schaffen, wie etwa Zusammenführung von Entscheidungs- und Finanzierungsebene, Verbesserung der organisatorischen Abläufe oder Restrukturierung der Aufwendungen. Die Reformen müssen an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Politik ansetzen; es gilt, auf politischer Ebene ein Grundverständnis über wünschenswerte Entwicklungen zu erarbeiten, diese auf konkrete und konsistente Ziele herunterzubrechen und deren Realisierung zu kontrollieren.
 
Online seit: 22.09.2017 0:00

Gunther Tichy, Geht der Arbeitsgesellschaft die Arbeit aus?

WIFO-Monatsberichte, 2016, 89(12), S.853-871
   
Die vielfach diskutierte "digitale Beschleunigung" hat nach manchen Schätzungen das Potential, bis zur Hälfte der bestehenden Arbeitsplätze obsolet zu machen. Die heftige publizistische und öffentliche Reaktion übersieht, dass andere Schätzungen bloß auf ein Zehntel kommen; überdies geht es um Bruttofreisetzungen: die gleichzeitig arbeitsplatzschaffende Wirkung einer eventuellen digitalen Beschleunigung wird somit nicht berücksichtigt. Wie historische Erfahrungen zeigen, schafft der technische Fortschritt per Saldo eher Arbeitsplätze als sie zu vernichten. Auch ist bisher eine Verstärkung des technischen Fortschrittes durch digitale Beschleunigung und technologisch verursachte Freisetzungen nicht zu verzeichnen. Die derzeit relativ hohe Arbeitslosigkeit hat neben schwacher Nachfrage Immigration, einen Anstieg der Erwerbsbeteiligung und Rationalisierungen zur Ursache. Die vorliegenden Studien differieren nicht bloß über das Ausmaß der potentiellen digitalisierungsbedingten Freisetzungen, es besteht auch keineswegs Einigkeit darüber, ob primär ungelernte Tätigkeiten davon betroffen sein würden. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit massiver technologisch bedingter Nettofreisetzungen auf absehbare Zeit nicht sehr groß sein dürfte, sollte die Wirtschaftspolitik bereits jetzt reagieren. An erster Stelle sollte die Schlechterstellung der Arbeit relativ zu anderen Produktionsfaktoren im Abgabensystem korrigiert werden, was zugleich auch den Rationalisierungsdruck mindern würde. Zweitens gilt es, durch Aus- und Weiterbildung sowie durch Umschulungen die entsprechenden digitalen Qualifikationen bereitzustellen und drittens die Regulierungen entsprechend anzupassen. Viertens muss durch geeignete Nachfragepolitik ein Klima geschaffen werden, in dem der Übergang zwischen den Arbeitsplätzen erleichtert wird. Fünftens muss durch entsprechende Wettbewerbs- und Verteilungspolitik dafür gesorgt werden, dass die Automatisierungsgewinne nicht einigen wenigen Unternehmen oder Personen zufallen.
 
Online seit: 22.12.2016 0:00

Gunther Tichy, Persistente Strukturprobleme trotz zutreffender Strukturprognosen

WIFO-Monatsberichte, 2016, 89(8), S.553-571
   
Nach Jahren auf der "Überholspur" hat sich der Wachstumstrend der österreichischen Wirtschaft abgeflacht. Die Industrie- und Exportstruktur ist wenig dynamisch, die Innovationen lassen zu wünschen übrig, der Arbeitsmarkt leidet unter quantitativen und qualitativen Diskrepanzen, Staatshaushalt und Sozialversicherung unter Finanzierungsproblemen. Diese Probleme sind keineswegs neu, wurden aber früher durch das im Aufholprozess rasche Wachstum und die Übernahme ausländischer Innovationen überdeckt. Die Probleme wie ihre Verschärfung durch die Wachstumsverlangsamung wurden von der Wirtschaftsforschung zum größten Teil rechtzeitig erkannt. Politik und Wirtschaft gingen an ihre Lösung aber bloß halbherzig heran. Zu den möglichen Ursachen vor allem der Innovationsschwäche ist noch erheblicher Forschungsaufwand zu leisten.
 
Online seit: 22.08.2016 0:00

Gunther Tichy (WIFO), European Integration as an Underestimated Success Programme. WWWforEurope Working Paper No. 109

WWWforEurope: Welfare, Wealth and Work for Europe, Oktober 2015, 12 Seiten, http://www.foreurope.eu
European integration was and is a success programme. It was possible to successfully cope with the challenges of globalisation, to perform better than the USA in international competition, defending the European model of social security and inclusion while keeping pace in terms of per-capita growth. The supranational concentration of bargaining power proved helpful with respect to multinationals as well as in international diplomacy. However, the inevitable lack of vision for the final state of the integration process disturbs the safety-oriented European public and impairs EU's image. There is a search for final, patent solutions based on traditional institutions and models. In this, one overlooks the fact that European integration is a systemic process and an experiment at the end of which something new will presumably have been created. The adaptation and the advancement of the specific European model, based on inalienable human rights (not the least for women), rule of law, separation of powers, freedom of religion, popular sovereignty and representative democracy is indispensable. It is not easy, given differences of assessment of values even with the USA, and the rejection of "Western" values outside the Western World, in many cases even with considerable aggressiveness.
 
Mit finanzieller Unterstützung von: Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH – Österreichische Austauschdienst-GesmbH
Auftraggeber: Europäische Kommission
Studie von: Projekt-Konsortium WWWforEurope

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