KITE

Simulation globaler Handelspolitik
KITE (Kiel Institute Trade Policy Evaluation) ist ein großes allgemeines Gleichgewichtsmodell des Welthandels in der Tradition der neuen quantitativen Handelstheorie. Es simuliert die Reaktion von mehr als 150 Ländern und 65 Sektoren auf handelspolitische Schocks wie Zölle, Handelsabkommen und Sanktionen. Über detaillierte sektorale Vorleistungsverflechtungen ermöglicht das Modell die Analyse von Kaskadeneffekten entlang globaler Wertschöpfungsketten. Konsument:innen und Unternehmen beziehen Güter vom günstigsten Anbieter weltweit unter Berücksichtigung von Handelsbarrieren und Transportkosten. KITE wird regelmäßig aktualisiert und wurde auf EU-Zollstrategien, CO₂-Grenzausgleichsmechanismen und Szenarien der Handelsfragmentierung angewendet.

KITE (Kiel Institute Trade Policy Evaluation) ist ein umfangreiches länderübergreifendes allgemeines Gleichgewichtsmodell für den Welthandel, das auf der Tradition der neuen quantitativen Handelstheorie (Eaton & Kortum, 2002) aufbaut und um sektorübergreifende Input-Output-Beziehungen erweitert wurde. Es bietet vielseitige Möglichkeiten für die Analyse komplexer Handels- und Politikszenarien innerhalb eines weltweiten konsistenten und empirisch fundierten Rahmens. KITE bildet den globalen Handel von mehr als 150 Ländern in 65 Sektoren ab und erfasst detaillierte sektorale Vorleistungsverflechtungen sowie realistische Handelskostenstrukturen, die den internationalen Handel beeinflussen. KITE wird regelmäßig aktualisiert und wurde bereits für verschiedene Zollschockszenarien, den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus und Szenarien der Handelsfragmentierung angewendet.

Das KITE-Modell simuliert die Reaktionen von Ländern und Sektoren auf verschiedene handelspolitische Schocks wie Zölle, Handelsabkommen oder Wirtschaftssanktionen. Es berücksichtigt Unterschiede in den technologischen Ausstattungen der Länder und verfolgt die Güterverflechtung innerhalb internationaler Lieferketten. KITE geht davon aus, dass sowohl Haushalte als auch Unternehmen unter Berücksichtigung von Handelsbarrieren wie Zöllen, Transportkosten und anderen Handelshemmnissen Güter vom weltweit kostengünstigsten Anbieter beziehen. Dieser Ansatz berücksichtigt die Dynamik des internationalen Wettbewerbs und ermöglicht die Nachverfolgung resultierender Veränderungen in Preisen, Produktion, Handelsströmen und nationalen Einkommen weltweit.

Eine Besonderheit von KITE ist die Verknüpfung von sektoralen Vorleistungsverflechtungen: Güter werden nicht nur konsumiert, sondern auch als Input in anderen Produktionsprozessen verwendet. Damit eignet sich KITE besonders für die Analyse indirekter Effekte entlang globaler Wertschöpfungsketten. Haushalte verteilen ihre Ausgaben konsistent auf verschiedene Sektoren und Handelsströme reagieren auf Veränderungen der relativen Kosten und der Wettbewerbsfähigkeit zwischen Ländern und Sektoren.

KITE wird regelmäßig aktualisiert und bildet die weltwirtschaftliche Lage mit Stand Jänner 2025 ab – einschließlich der neuesten verfügbaren Daten zu Handelsströmen, Zöllen und makroökonomischen Indikatoren. Dieses dynamische Basisszenario stellt sicher, dass Simulationen auf aktuellen Gegebenheiten beruhen und für eine zeitnahe Politikberatung genutzt werden können.

KITE wurde bereits auf eine Vielzahl aktueller wirtschaftspolitischer Fragestellungen angewendet, darunter:

  • Strategien der EU als Reaktion auf eskalierende Zölle der USA unter einer zweiten Präsidentschaft von Donald Trump,
  • Liberalisierungsszenarien mit Japan, Südkorea, Kanada und weiteren "Binnenmarkt+"-Partnern,
  • Auswirkungen des EU-CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM),
  • regionale Auswirkungen von Handelsfragmentierung innerhalb der EU auf NUTS-2-Ebene,
  • Lastenteilungsmechanismen in internationalen Sanktionskoalitionen.

KITE wird von Forscher:innen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) kontinuierlich weiterentwickelt und gepflegt und ist in die Forschungsplattform des FIW eingebettet.