ADAGIO
ADAGIO (A DynAmic Global Input-Output Model) ist ein ökonometrisches Input-Output-Modell der EU 27 sowie 15 weiterer Länder (Australien, Brasilien, China, das Vereinigte Königreich, Indien, Indonesien, Japan, Kanada, Korea, Norwegen, Russland, die Schweiz, Taiwan, Türkei und die USA). Kern des Modells sind Aufkommens- und Verwendungstabellen nach 64 Sektoren bzw. Gütern (NACE-Rev.-2-Zweisteller). Die Branchen sind durch eine Handelsmatrix verbunden, die die Modellregionen auf Güterebene verbindet. Basisjahr des Modells ist 2019.
Wesentliche Verhaltensgleichungen sind ökonometrisch geschätzt: Die Faktornachfrage in der Produktion wird gemeinsam mit den Outputpreisen über ein Translog-Modell determiniert. Davon leitet sich ein konsistenter Preisbildungsmechanismus ab: die Outputpreise bestimmen auch die Güterpreise zu Herstellungspreisen ("Preis am Fabrikstor"). Zusammen mit Handels- und Transportmargen sowie Gütersteuern ergeben sich die Anschaffungspreise (jene Preise, die von den verschiedenen Verbraucher:innen bezahlt werden). Exporte, die an der Grenze des exportierenden Landes zu fob-Preisen (free on board) bewertet sind, werden nach Beaufschlagung mit der internationalen Handels- und Transportspanne zu cif-bewerteten (cost, insurance, freight) Importen an der Grenze des Importlandes. Die Exportströme der 64 Güter sind zu einem großen Teil modellendogen (aus den gespiegelten Importen der anderen Modellregionen), und zum anderen sind sie modellexogen (Exporte in den im Modell nicht abgedeckten "Rest der Welt").
In der privaten Konsumnachfrage werden zwei dauerhafte (Fahrzeuge, Wohnraum) und 13 nichtdauerhafte Konsumgüter unterschieden (die in einem quadratischen AIDS-Modell bestimmt werden). Im privaten wie im öffentlichen Konsum ist eine dynamische Vermögensbildung implementiert, wobei im privaten Konsum zusätzlich zwischen fünf Einkommensgruppen (Quintilen) unterschieden wird. Zwischen den Gebarungen der privaten und öffentlichen Haushalte bestehen vielfältige Verbindungen – Steuern auf Einkommen und Vermögen oder Sozialversicherungsabgaben fließen von den Haushalten zum Staat; Transferleistungen (Pensionen, Arbeitslosenunterstützung, sonstige Transfers) fließen vom Staat zu den Haushalten. Ähnlich, wenn auch in geringerem Umfang, besteht eine Verbindung zwischen dem Unternehmenssektor und dem Staat (über Produktionssteuern, Subventionen, Körperschaftsteuern usw.).
