Lohnnebenkosten in Österreich – Abgrenzung, Entwicklung und Traglast
In Österreich sind die Lohnnebenkosten der Arbeitgeber:innen im internationalen Vergleich hoch und seit 2003 kaum gesenkt worden. Die Lohnnebenkosten umfassen vielfältige Einzelabgaben, die zumeist zweckgebunden sind und eine Reihe unterschiedlicher Leistungen finanzieren. Wie neue internationale empirische Studien zeigen, hängt das Ausmaß, in dem lohnbezogene Abgaben der Arbeitgeber:innen auf die Beschäftigten überwälzt werden, positiv vom Grad der Beitrags-Leistungs-Kopplung und negativ von der Kollektivvertragsabdeckung ab. Die Analyse der Traglast der im Budgetbegleitgesetz 2027/28 vorgesehenen Änderungen der lohnbezogenen Abgaben in Österreich bezieht auch die arbeitnehmerseitigen Maßnahmen mit ein, mit denen die Senkung der arbeitgeberseitigen Lohnnebenkosten teilweise gegenfinanziert werden soll. Auf Grundlage der neuen internationalen Evidenz zur Verteilung der Traglast lohnbezogener Abgaben werden die Unternehmen durch die arbeitgeberseitigen Maßnahmen, die Senkung des FLAF-Beitrags abzüglich des Entfalls der DB-Befreiung für über 60-Jährige, nach Abschluss aller Überwälzungsvorgänge effektiv um rund 1,25 Mrd. € jährlich entlastet. Die entsprechende Entlastung der Arbeitnehmer:innen um rund 0,25 Mrd. € wird durch die Erhöhung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge für Geringverdiener:innen in Höhe von rund 0,35 Mrd. €, die von diesen nicht auf die Unternehmen überwälzt werden kann, überkompensiert. Per Saldo verbleibt eine Mehrbelastung der Beschäftigten von rund 0,1 Mrd. €.