Familienunternehmen in europäischen Ländern. Eine ökonomische Analyse basierend auf Webscraping

Familienunternehmen sind das in Europa dominierende Eigentumsmodell. Die Studie liefert erstmals repräsentative Schätzungen zu ihrem Anteil in europäischen Volkswirtschaften. Sie stützt sich auf Eurostat-Daten zu 26,8 Mio. Unternehmen des Privatsektors. Die Identifikation von Familienunternehmen erfolgt über einen mehrquellenbasierten Ansatz unter Einsatz einer proprietären Unternehmensdatenbank, eines Internetarchivs und KI-Tools, wodurch die Unterschätzungstendenz von Studien, die nur eine Methode einsetzen, reduziert wird. 97,7% aller Unternehmen sind in Familienbesitz und stellen 76,1% der Beschäftigung. 92,0% sind auch familiengeführt und stellen 56,6% der Beschäftigung. Im gewichteten Mittel tragen Familienunternehmen 59,6% zur privatwirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Ihre Verbreitung sinkt mit der Unternehmensgröße deutlich (von 98,3% bei Kleinstunternehmen auf 51,1% bei Unternehmen mit über 250 Beschäftigten) und variiert stark nach Branche. Der Beschäftigungsanteil liegt in kapitalintensiven Branchen deutlich unter jenem von arbeitsintensiven Branchen. Die Anteile variieren auch stark über Länder. Der Wertschöpfungsanteil reicht von rund 40% in den Niederlanden bis über 75% in einigen osteuropäischen Mitgliedsländern. Eine Varianzanalyse identifiziert die Unternehmensgröße als wichtigsten Einflussfaktor, gefolgt von Branchen- und Ländereffekten. Institutionelle Validierungen zeigen zudem, dass Familienunternehmen in Rechtssystemen mit stärkerem Anlegerschutz und effektiverer öffentlicher Verwaltung seltener vorkommen.