Auswirkungen einer Erleichterung des Arbeitsmarktzuganges für Asylsuchende in Österreich (Effects of Reducing Labour Market Access Restrictions for Asylum Seekers in Austria)
Monographien, April 2015, 110 Seiten
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Auftraggeber: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
 
Aus Asylgründen nach Österreich zugewanderte Personen weisen einen hohen Anteil an mittleren Qualifikationen auf, der aber in den rezenten Kohorten gesunken ist. Aus Asylgründen Zugewanderte, die erst kurz in Österreich sind, und aus Asylgründen zugewanderte Frauen sind dabei gegenüber anderen Zuwanderungsruppen in ihrer Arbeitsmarktintegration benachteiligt. In den Jahren 2006 bis 2014 erhielten außerdem nur 2.840 Asylwerbern und Asylwerberinnen als Erntehelfer in der Land- und Forstwirtschaft bzw. im Sommer-oder Wintertourismus einen Arbeitsplatz. Zumeist erhielt dabei ein Asylwerber bzw. eine Asylwerberin nur eine Bewilligung pro Jahr, und die durchschnittliche Dauer des Beschäftigungsverhältnisses in einer solchen Bewilligung betrug etwa 120 Tage. Die Kontingentarbeitsplätze konzentrieren sich auch auffällig auf Personen aus dem früheren Jugoslawien und der Türkei. Die möglichen Lohn-, Verteilungs- und Verdrängungswirkungen einer großzügigeren Gestaltung des Arbeitsmarktzuganges für Asylwerber und Asylwerberinnen während der Laufzeit ihrer Verfahren dürften aber gering sein. Als einzige nennenswerte Auswirkung zeigen sich in einer Simulation eine kurzfristige Erhöhung der Arbeitslosenquote um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte und ein anschließender – allerdings sehr langsamer – Rückgang.
Forschungsbereich:Arbeitsmarkt, Einkommen und soziale Sicherheit – Strukturwandel und Regionalentwicklung – Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
Sprache:Deutsch

Effects of Reducing Labour Market Access Restrictions for Asylum Seekers in Austria
Persons migrating to Austria for asylum reasons have an exceptionally high share of intermediary qualifications, although this share has reduced in recent cohorts. Among these persons those that have only migrated recently and women are noticeably disadvantaged relative to other migrant groups in terms of labour market integration. In the years 2006 to 2014 only 2,840 asylum seekers obtained a work permit as seasonal worker or casual farm labourer. Mostly asylum seekers obtained only one work permit in this period and the average duration of employment in these permits was around 120 days. The work permits are also noticeably concentrated on asylum seekers from former Yugoslavia and Turkey. The potential wage, distributional and substitution effects of a more generous regulation on labour market access of asylum seekers should be small. The only relevant effect seems to be an increase in the unemployment rate, which – under the assumptions made – increases by 0.1 to 0.2 percentage points in the short run and should reduce (albeit very slowly) thereafter.

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Auswirkungen einer Erleichterung des Arbeitsmarktzuganges für Asylsuchende in Österreich (Effects of Reducing Labour Market Access Restrictions for Asylum Seekers in Austria)
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Auftraggeber: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Abgeschlossen: 2015
Aus Asylgründen nach Österreich zugewanderte Personen weisen einen hohen Anteil an mittleren Qualifikationen auf, der aber in den rezenten Kohorten gesunken ist. Aus Asylgründen Zugewanderte, die erst kurz in Österreich sind, und aus Asylgründen zugewanderte Frauen sind dabei gegenüber anderen Zuwanderungsruppen in ihrer Arbeitsmarktintegration benachteiligt. In den Jahren 2006 bis 2014 erhielten außerdem nur 2.840 Asylwerbern und Asylwerberinnen als Erntehelfer in der Land- und Forstwirtschaft bzw. im Sommer-oder Wintertourismus einen Arbeitsplatz. Zumeist erhielt dabei ein Asylwerber bzw. eine Asylwerberin nur eine Bewilligung pro Jahr, und die durchschnittliche Dauer des Beschäftigungsverhältnisses in einer solchen Bewilligung betrug etwa 120 Tage. Die Kontingentarbeitsplätze konzentrieren sich auch auffällig auf Personen aus dem früheren Jugoslawien und der Türkei. Die möglichen Lohn-, Verteilungs- und Verdrängungswirkungen einer großzügigeren Gestaltung des Arbeitsmarktzuganges für Asylwerber und Asylwerberinnen während der Laufzeit ihrer Verfahren dürften aber gering sein. Als einzige nennenswerte Auswirkung zeigen sich in einer Simulation eine kurzfristige Erhöhung der Arbeitslosenquote um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte und ein anschließender – allerdings sehr langsamer – Rückgang.
Monographien, März 2017, 57 Seiten
Auftraggeber: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 25.10.2017 0:00
 
Das Arbeitskräfteangebot der 2005 bis 2014 erstmals als Asylwerber und Asylwerberinnen Krankenpflichtversicherten im erwerbsfähigen Alter, die bis zum 31. Dezember 2015 in einen anderen beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger gemeldeten Status übergingen, wuchs in den ersten Jahren nach dem Ende der Pflichtversicherung rasch und kontinuierlich. Nach neun bis zehn Jahren war die Erwerbsquote nur mehr geringfügig niedriger als jene der Inländer und Inländerinnen bzw. anderer Ausländer und Ausländerinnen. Seit 2010 verlagerte sich aber aufgrund der schwierigeren Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt die Verteilung des Arbeitskräfteangebotes der anerkannten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten von der Beschäftigung zur Arbeitslosigkeit. Dadurch kam der Integrationsprozess hinsichtlich der Beschäftigungsdauer unter den anerkannten Flüchtlingen und subsidiär Schutzberechtigten der Eintrittsjahrgänge nach 2005 – im Vergleich mit Inländern und Inländerinnen, aber auch mit anderen Ausländern und Ausländerinnen – ab dem vierten Jahr nach Arbeitsmarkteintritt weitgehend zum Erliegen. Zugleich stieg die in Arbeitslosigkeit verbrachte Zeit in diesen Kohorten.
Monographien, September 2016, 40 Seiten
Auftraggeber: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 25.10.2017 0:00
 
Von den 81.486 im Jahr 2015 beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger erstmals als Asylwerber und Asylwerberinnen in der Krankenversicherung pflichtversicherten Personen waren am Ende dieses Jahres 60.411 (74,1%) immer noch als Asylsuchende bzw. Flüchtlinge pflichtversichert. Für 16.775 Personen (20,6%) wurde hingegen in den ersten drei Monaten 2016 kein einziges Versicherungsverhältnis mehr festgestellt. Sie waren somit aus der Krankenversicherung abgegangen. Nur 4.300 Personen (5,3%) gingen bis Ende des Jahres in ein anderes Sozialversicherungsverhältnis über, darunter 1.837 Personen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, die im Folgezeitraum, nach Ende der Pflichtversicherung, zumindest für drei volle Monate beim Hauptverband gemeldet waren. Diese Personen im erwerbsfähigen Alter waren im Durchschnitt 5,0 Tage beschäftigt, 49,0 Tage als arbeitslos registriert und 37,9 Tage nicht erwerbstätig. Insgesamt erhielten 38,2% dieser Personen im dreimonatigen Nachbetrachtungszeitraum eine Schulung, die im Durchschnitt 22,5 Tage dauerte.
Peter Huber (Projektleitung)
Abgänge aus der Krankenversicherung und Folgekarrieren von Asylsuchenden (Outflows from Health Insurance and Subsequent Careers of Asylum Seekers)
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Auftraggeber: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Abgeschlossen: 2017
Von den 81.486 Personen, die 2015 erstmals als Asylsuchende und Flüchtlinge beim österreichischen Sozialversicherungssystem gemeldet wurden, waren Ende 2015 noch 60.411 (74,1%) als Asylsuchende oder Flüchtlinge registriert. 19.048 (23,4%) hatten dagegen in den ersten drei Monaten des Jahres 2016 keinen Eintrag im österreichischen Sozialversicherungssystem. Sie dürften also aus dem österreichischen Sozialversicherungssystem ausgeschieden sein. Nur 2.027 dieser Asylsuchenden hatten in einen anderen Sozialversicherungsstatus gewechselt, darunter 1.575 Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die nach Beendigung ihrer Registrierung als Asylsuchende mindestens drei Monate registriert wurden. In einem Zeitraum von drei Monaten nach der Beendigung ihres Sozialversicherungsstatus als Asylsuchende waren diese aktiven älteren Personen 5,7 Tage beschäftigt, 55,7 Tage arbeitslos und 30,5 Tage nicht erwerbstätig. 43,4% erhielten eine Ausbildung, die durchschnittlich 23,6 Tage dauerte.
Zur Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden in Österreich (Integrating Asylum Seekers in the Austrian Labour Market)
WIFO-Monatsberichte, 2016, 89(3), S.157-169
Online seit: 24.03.2016 0:00
 
Die Asylmigration nach Österreich erreichte im Jahresverlauf 2015 infolge der Krise in Syrien und Afghanistan mit fast 89.000 Anträgen bis November eine seit der Ungarn-Krise 1956 nicht mehr verzeichnete Größenordnung. In der internationalen Literatur werden Asylsuchende als eine Migrantengruppe gesehen, die sich hinsichtlich ihres Humankapitals, ihrer Arbeitsmarktintegration und anderer Eigenschaften wie z. B. ihrer physischen und psychischen Gesundheit von Arbeitsmigranten und Arbeitsmigrantinnen, aber auch anderen Migrationsformen (z. B. Familienmigration, etwa Familiennachzug) unterscheiden. Im Einklang mit internationalen Studien zeigen sich für Österreich selbst nach Berücksichtigung anderer für die Arbeitsmarktintegration wichtiger Faktoren ein schlechterer Arbeitsmarktintegrationserfolg von Asylsuchenden, die erst kurz in Österreich sind, und eine besondere Benachteiligung von asylsuchenden Frauen.