Die Deregulierung der Finanzmärkte als Ursache ihrer Krise (Deregulation of the Financial Markets as the Cause of Their Crisis)
WIFO Working Papers, 2016, (524), 26 Seiten
Online seit: 31.08.2016 0:00
Die Finanzmarktreformen nach der Depression in den 1930er Jahren und die Neuordnung des internationalen Finanzsystems in Bretton Woods 1944 bildeten die Grundlage für eine marktwirtschaftliche Ordnung mit stark regulierten Finanzmärkten, die sich im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte. Die Instabilität des Wechselkursregimes aufgrund der asymmetrischen Rolle des Dollars bewirkte den Zusammenbruch dieses Ordnungsrahmens. Starken Wechselkursschwankungen folgten Erdölpreisschocks, die eine Hochzinspolitik auslösten, welche die Regulierung der Finanzmärkte in den USA und in Großbritannien untergrub. Die durch die Erdölkrise beschädigte nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik wurde zudem von einer neoliberalen Doktrin abgelöst, die den Deregulierungsprozess theoretisch fundierte. Der mit dessen kompetitivem Charakter einhergehende Druck auf geschützte Finanzdienstleistungen und auf deren Profitabilität erzeugte eine Welle an Zusammenschlüssen in der Finanzwirtschaft und ermöglichte den dadurch entstandenen Finanzkonglomeraten immer riskantere Geschäfte, die mit dem Einlagen- und Kreditgeschäft eng verzahnt waren. Diese Gemengelage, die an die Ursprünge der Finanzmarktkrise 1929 erinnert, entzündete sich schließlich am Immobilienpreisboom in den USA und mündete in die Finanzmarktkrise 2007/08.
Keywords:Finanzmarktregulierung, Finanzmarktderegulierung, New Deal, Bretton Woods, Financial Repression, Finanzmarktkrise
Forschungsbereich:Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
Sprache:Deutsch

Deregulation of the Financial Markets as the Cause of Their Crisis
The financial market reforms following the depression in the 1930ies and the reorganisation of the international financial system in Bretton Woods in 1944 formed the basis for a market economy with highly regulated financial markets that established itself in the West after World War II. The instability of the exchange rate regime due to the asymmetric role of the dollar led to the collapse of this regulatory framework. Strong exchange rate fluctuations followed oil price shocks, which triggered a high-interest policy that undermined the regulation of the financial markets in the USA and UK. The demand-oriented economic policy damaged by the oil price crisis was also replaced by a neoliberal doctrine that theoretically underpinned the deregulation process. The pressure on protected financial services and their profitability, which accompanied their competitive character, generated a wave of mergers in the financial sector and enabled the resulting financial conglomerates to carry out increasingly risky transactions that were closely interlinked with deposit and lending business. This mixture, which recalls the origins of the financial market crisis of 1929, was finally ignited by the real estate price boom in the USA and led to the financial market crisis of 2007-08.