Die Entwicklung des öffentlichen Aufwandes für Pflegedienstleistungen. Projektion für die österreichischen Bundesländer
WIFO-Monatsberichte, 2014, 87(9), S.643-652
Online seit: 17.09.2014 0:00
 
Die Projektion der öffentlichen Nettoausgaben für Pflegedienstleistungen in den Bundesländern, die aus Mitteln der Sozialhilfe bzw. der Mindestsicherung (mit-)finanziert werden, berücksichtigt die prognostizierte demographische Entwicklung, die Verbesserung der Gesundheit der Älteren, den Rückgang der informellen Pflege sowie Kostensteigerungen, nicht jedoch künftige Politikänderungen. Zwischen 2012 und 2030 wird demnach der öffentliche Gesamtaufwand um 112% (Burgenland) bis 159% (Vorarlberg) zunehmen. Dabei ergibt sich ein etwas geringerer Anstieg für mobile Dienste als für stationäre Dienste. Ein "Politikszenario" unterstellt eine schrittweise Einschränkung der stationären Pflege und zeigt, dass eine treffsicherere Vergabe der Pflegeheimplätze die Kosten senken würde.
Forschungsbereich:Arbeitsmarkt, Einkommen und soziale Sicherheit – Strukturwandel und Regionalentwicklung
Sprache:Deutsch

Development of Public Expenditure on Care Services. Projections for the Länder
The projection of public net expenditure on care services in the Länder (federal states) that are (partially) financed by the social welfare system and the needs-based guaranteed minimum social benefit system takes into account the demographic development, the better health status of elderly people, a decline in informal care as well as increases of costs, but ignores future policy changes. Calculations show an increase of public expenditure between 2012 and 2030 that ranges from 112 percent (Burgenland) to 159 percent (Vorarlberg). The cost increases for mobile care are slightly lower than those for care in retirement homes. A "policy scenario" takes a gradual reduction of care in retirement homes into account, showing that a more accurate allocation of places in retirement homes would reduce costs.

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Wegen des demographischen Wandels zu einer älteren Gesellschaft gewinnt die effiziente Ausgestaltung öffentlich finanzierter Pflegedienstleistungen zunehmend an Bedeutung. Mit dem Pflegefondsgesetz wurde der vorrangige Ausbau mobiler gegenüber stationären Pflegediensten 2011 gesetzlich verankert. Wie die aktuelle Literatur und eine österreichweite Befragung von Pflegedienstleistern durch das WIFO zeigen, können mobile und stationäre Dienste nur eingeschränkt als Substitute betrachtet werden. Der bevorstehende Anstieg der Nachfrage erfordert darüber hinaus dennoch auch die Verringerung bestehender Ineffizienzen in Hinblick auf die bedarfsorientierte Zuteilung und Erbringung von Pflegedienstleistungen. Um den künftigen Bedarf an Pflegekräften adäquat decken zu können, gilt es außerdem die Attraktivität der Pflegeberufe deutlich zu erhöhen.
Monographien, September 2014, 176 Seiten
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Auftraggeber: Verbindungsstelle der Österreichischen Bundesländer
Online seit: 17.09.2014 9:00
Vor dem Hintergrund der Alterung der Bevölkerung, des Anstieges der Erwerbsquote und des Rückganges der Haushaltsgröße gewinnt die effiziente Ausgestaltung der Pflegesysteme immer mehr an Bedeutung. Mit Einführung des Pflegefondsgesetzes wurde der kontinuierliche Auf- und Ausbau dieser Systeme in den Bundesländern gesetzlich verankert. Dabei gilt der allgemeine Grundsatz, dem Ausbau mobiler Dienste Vorrang gegenüber dem stationären Bereich zu gewähren. Dieser Ansatz setzt jedoch eine gewisse Substituierbarkeit von stationärer Pflege durch mobile Dienste voraus. Die vorliegende Studie vergleicht daher mobile und stationäre Dienste kritisch und zeigt im Rahmen eines Literatursurveys und einer Befragung von Expertinnen und Experten die Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Dienstleistungen auf. Basierend auf dem Status quo werden zudem der künftige Bedarf und Aufwand für professionelle Pflegedienste in den Bundesländern projiziert und die Effekte einer zunehmenden Verlagerung vom stationären Bereich zu mobilen und alternativen Pflege- und Betreuungsformen geschätzt. Mobile und stationäre Dienste können, wie die Untersuchung zeigt, nur eingeschränkt als Substitute betrachtet werden. Die allokative Effizienz kann sowohl im mobilen als auch im stationären Bereich durch den Ausbau des Case- und Care-Managements gesteigert werden, die Intensivierung der Zusammenarbeit der beteiligten Gruppen (Angehörige, Pflege, Ärzte, Krankenhäuser) bietet weitere Potentiale zur Qualitäts- und Effizienzsteigerung. In allen Bundesländern steigt der Bedarf an formeller Pflege sowohl im mobilen als auch im stationären Bereich bis 2030 merklich, jedoch mit einem deutlichen West-Ost-Gefälle. Eine Verlagerung der Sachleistungen aus der stationären Pflege zu mobilen Diensten und alternativen Pflegeformen ist zwar mit einer beträchtlichen Nettoeinsparung verbunden, aufgrund der beschränkten Substituierbarkeit jedoch insgesamt nur begrenzt möglich.
Pressenotizen, 27.10.2008 9:00
WIFO-Monatsberichte, 2008(10), S.771-781
Das gesamte Ausgabenvolumen für die Pflegevorsorge betrug in Österreich 2006 rund 3,3 Mrd. €, um etwa 50% mehr als 1994. Bis 2030 werden die Kosten gemäß den Berechnungen in drei Szenarien um 66% bis 207% steigen. Zur langfristigen Finanzierung wird eine Steuerlösung vorgeschlagen, die bei unzureichender Ergiebigkeit durch Beitragselemente erweitert werden kann. Aufgrund der Problematik einer Umgehung der Vermögensheranziehung der zu Pflegenden sollte darauf verzichtet werden, um im Gegenzug vermögensbezogene Steuern zur Finanzierung der Pflegevorsorge heranzuziehen. Als organisatorischer Überbau für Geld- und Sachleistungen bietet sich eine Fondslösung an, die hinsichtlich Ergiebigkeit, Volatilität und Verteilungseffekte optimiert werden kann.
Monographien, September 2008, 72 Seiten
Auftraggeber: Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Das gesamte Ausgabenvolumen für die Pflegevorsorge betrug in Österreich 2006 rund 3,3 Mrd. €. Zwischen 1994 und 2006 erhöhte sich der Aufwand für die Langzeitpflege um rund 50%. Gemäß den Berechnungen in drei Szenarien werden die Pflegekosten bis 2030 um 66% (Lower-bound-Szenario) bis 207% (Upper-bound-Szenario) zunehmen. Das mittlere Szenario weist einen Kostenanstieg von rund 160% aus. Gemessen am realen BIP werden die Kosten des Pflegesystems in allen drei Varianten zunehmen.
Monographien, September 2008, 84 Seiten
Auftraggeber: Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Die Studie diskutiert unterschiedliche Organisations- und Finanzierungsvarianten für die Pflegevorsorge in Österreich. Gemäß der Analyse der ökonomischen Effekte einer Steuer- und einer Beitragslösung legen sowohl die Verteilungswirkungen als auch die Wirkungen auf Wachstum und Beschäftigung eine Steuerlösung nahe. Bei unzureichender Ergiebigkeit der Steuerfinanzierung wäre ein Mischsystem denkbar. Aus organisatorischer Sicht erscheint eine weitere Angleichung der unterschiedlichen Systeme in den Bundesländern erforderlich. Der Verwaltungsaufwand für das Heranziehen des Vermögens der zu Pflegenden könnte mit vermögensbezogenen Steuern ausgeglichen werden. Können sich Bund und Länder auf eine Vereinfachung der Organisation einigen und werden unterschiedliche Kanäle der Finanzierung herangezogen, so bietet sich als organisatorischer Überbau für Geld- und Sachleistungen eine Fondslösung an, die im Hinblick auf Ergiebigkeit, Volatilität, Verteilungseffekte und andere ökonomische Effekte optimiert und an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden kann.
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Auftraggeber: Verbindungsstelle der Österreichischen Bundesländer
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Abgeschlossen: 2014
Im Zuge des demographischen Wandels zu einer alternden Bevölkerung gewinnt die Frage nach der Finanzierung und effizienten Ausgestaltung der Altenpflege immer mehr an politischer Bedeutung. Aus Gründen der Kosteneffizienz im Vergleich mit der stationären Pflege ist ein starker Trend zu mobilen Pflegedienstleistungen zu beobachten. Ein qualitativer Vergleich der Möglichkeiten und Grenzen der einzelnen Pflegedienstleistungsarten basierend auf dem aktuellen Diskurs der Literatur und einer Expertenbefragung wird durch eine Prognose von Nachfrage und Finanzierungsaufwand nach Pflegedienstleistungsarten in den einzelnen Bundesländern bis 2020 bzw. 2025 ergänzt. Zudem werden verschiedene Ausbauszenarien mobiler bzw. stationärer Pfllegeeinrichtungen gegenübergestellt.
Monographien, Juli 2017, 51 Seiten
Auftraggeber: Institut für angewandte Gewerbeforschung
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 25.10.2017 0:00
Seit Einführung des Pflegegeldes im Jahr 1993 stieg die Zahl der Pflegegeldempfängerinnen und Pflegegeldempfänger kontinuierlich. Zur Zeit erhalten rund 5% der österreichischen Bevölkerung Pflegegeld. Zusätzlich zu Geldleistungen können Pflegebedürftige Sachleistungen in Form von stationärer, mobiler, teilstationärer und Kurzzeitpflege erhalten, wobei der stationäre Bereich mit 74% der Nettoausgaben für Sachleistungen den größten Anteil der Mittel bindet. Zur Entlastung der Ausgaben für stationäre Pflege – aber auch um den Wünschen der Betroffenen gerecht zu werden – wurde und wird die mobile Pflege ausgebaut und ein Fördermodell der 24-Stunden-Betreuung zu Hause etabliert. Letzteres erfreut sich wachsender Beliebtheit: Waren im Jahr 2008 durchschnittlich 3.200 Förderfälle pro Monat verzeichnet worden, so erreichte ihre Zahl im Jahr 2015 bereits 21.900. Es gibt Hinweise, dass die 24-Stunden-Betreuung den Bedarf an stationärer bzw. auch mobiler Pflege hinausschiebt und etwas verringert. Damit das Modell der 24-Stunden-Betreuung allerdings zu einem nachhaltigen Modell werden kann, sind qualitätsfördernde Maßnahmen unabdingbar.
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Auftraggeber: Institut für angewandte Gewerbeforschung
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Abgeschlossen: 2017
Monographien, Mai 2016, 77 Seiten
Auftraggeber: Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 31.05.2016 0:00
Die Ausgaben für Pflege (2014: 8,3 Mrd. €) werden in Österreich von Bund, Ländern und privaten Haushalten finanziert. Die künftige Entwicklung des Pflegeaufwandes wird durch demographische, gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Faktoren bestimmt. Während demographische, soziale und wirtschaftliche Faktoren die künftigen Pflegeausgaben steigern, sollte der verbesserte Gesundheitszustand der österreichischen Bevölkerung in Zukunft den Pflegebedarf senken. Bis 2030 wird der Bund für das Pflegegeld um knapp ein Fünftel mehr ausgeben. Dennoch sinkt das Pflegegeld bis zum Jahr 2030 von 0,8% (2014) auf 0,7% des Bruttoinlandsproduktes. Die Nettoausgaben der Bundesländer für Sachleistungen werden hingegen von 0,6% des Bruttoinlandsproduktes (2014) auf 0,9% (2030) zunehmen. Da das Pflegegeld – trotz steigender Fallzahlen – hinter dem Wirtschaftswachstum zurückbleibt, sind in Zukunft höhere Eigenbeiträge der Pflegebedürftigen zu erwarten. Restriktivere Kriterien für den Zugang zum Pflegegeld, potentielle Qualitätsverschlechterungen oder eine beschränkte Ausweitung der Sachleistungen eröffnen ein zusätzliches Potential für die private Pflegeversicherung.
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Auftraggeber: Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Abgeschlossen: 2015
Die private Vorsorge für den erwarteten Aufwand für Pflegeleistungen im Alter steht in einem engen Zusammenhang mit dem öffentlichen Angebot an Pflegeleistungen und deren Finanzierung und mit dem bestehenden Pflegegeld des Bundes. Das Pflegegeld ist eine öffentliche monetäre Sozialleistung, die Pflegebedürftigen eine gewisse finanzielle Absicherung bietet. Das öffentliche Pflegegeld ermöglicht aber weder die vollständige Finanzierung einer kontinuierlichen Pflege im eigenen Privathaushalt noch die Pflege in einer spezialisierten Einrichtung. Diese Studie untersucht die Möglichkeiten privater Pflegeversicherungen als ergänzender Finanzierungsquelle.