Struktur- und wirtschaftspolitische Hebel der öffentlichen Beschaffung in Österreich (2023-2025)

Mit einem jährlichen Volumen von etwa 67 Mrd. € (2015-2020) ist die öffentliche Beschaffung in Österreich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein potenzieller Hebel für industrie- und innovationspolitische Ziele. Bislang fehlte jedoch eine systematische, datenbasierte Übersicht über die Struktur des österreichischen Beschaffungsmarktes. Die vorliegende Studie schließt diese empirische Wissenslücke durch eine Erhebung und Analyse der österreichischen Vergabebekanntmachungen (TED und eForms) für den Zeitraum von Januar 2023 bis Dezember 2025, die auf insgesamt 37.993 identifizierten österreichischen Vergabedatensätzen basiert, von denen 14.030 einen gültigen Zuschlagswert aufweisen. Grundlage bilden. Im Zuge des Systemwechsels von TED- zu eForms-Daten traten im Beobachtungszeitraum erhebliche Dokumentationsunterschiede auf. Diese führten zu hohen Fehlquoten bei Variablen wie der Bieterzahl (51% fehlend) und KMU-Informationen (59% fehlend). Sie müssen bei der Interpretation berücksichtigt werden. Die ausgewerteten Daten zeigen eine starke Konzentration des Beschaffungsvolumens auf relativ wenige Beschaffungsvorgänge, wobei staatsnahe Betriebe dominieren. Es gibt sektorale Schwerpunkte. Mehr als ein Viertel des gesamten Volumens entfällt auf die Produktkategorie Bauarbeiten, dahinter folgen Transportdienstleistungen und -mittel, der Einzelhandel, Software und IT sowie Unternehmensdienste. Die nachgefragten Güter und Dienstleistungen lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Generische Produkte, wie etwa Bau- und Installationsleistungen, lassen auf Effizienzpotenzial schließen. Spezialisierte Produktkategorien wie IT oder Medizintechnik bieten Potenzial für strategische Industriepolitik. Es werden Anbindungen zur Innovationspolitik und zu Konzepten wie Total Cost of Ownership bzw. Life Cycle Costing, diskutiert.