BinD

Klima-Makrodynamik kleiner Inselstaaten
BinD (Binary constrained Disaster) ist ein strukturelles, nachfragegetriebenes makroökonomisches Modell zur Analyse der Auswirkungen des Klimawandels auf kleine Inselentwicklungsstaaten (SIDS) unter Bedingungen finanzieller Verwundbarkeit und Abhängigkeit von Kapitalimporten. Es erweitert den klassischen Drei-Lücken-Ansatz, indem es fiskalpolitische, Ersparnis- und Außenbilanzrestriktionen in ein dynamisches System einbettet. Das Modell zeigt, wie steigende Temperaturen und Extremwetterereignisse den Kapitalverschleiß beschleunigen, die Arbeitsproduktivität senken und externe Finanzierungslücken vergrößern. Ein Zwei-Regime-Mechanismus erfasst Übergänge zwischen nachfragegetriebenem Wachstum und kapazitätsbeschränkten Phasen und verdeutlicht, wie Klimaschäden verwundbare Volkswirtschaften in Pfade niedrigen Wachstums und steigender Verschuldung drängen können.

Das BinD-Modell ist ein neues makroökonomisches Modell, das hilft zu verstehen, wie kleine Inselstaaten (Small Island Developing States – SIDS) wirtschaftlich auf den Klimawandel reagieren können. Diese Länder sind besonders verwundbar: Sie sind stark von importierten Kapitalgütern abhängig, haben wenig finanziellen Spielraum und werden immer häufiger von extremen Wetterereignissen getroffen.

Das Modell baut auf dem klassischen "Three-Gap"-Framework auf, der Engpässe bei privaten Ersparnissen, öffentlichen Finanzen und der Außenwirtschaft untersucht. Das BinD-Modell verbindet diese finanziellen Einschränkungen mit einem dynamischen und klimasensitiven makroökonomischen System. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie Klimaschocks Investitionen, Schulden und die Einkommensverteilung beeinflussen und wie diese Faktoren langfristige Entwicklungspfade formen.

Im Zentrum steht die Idee, dass die Wirtschaftsleistung zwar von der Nachfrage getrieben wird, aber durch die verfügbare Kapitalausstattung begrenzt ist. Genau hier wird der Klimawandel zum Problem: Höhere Temperaturen und häufigere Stürme zerstören Kapital und erhöhen die Abschreibungsraten. Gleichzeitig sinkt die Produktivität der Beschäftigten. Kleine Inselstaaten müssen dadurch immer mehr Kapitalgüter importieren, um ihre Produktionskapazität zu erhalten, was die externen Finanzierungslücken weiter vergrößert.

Das Modell unterscheidet zwei wirtschaftliche Situationen: nachfragegetrieben, wenn genügend Kapital vorhanden ist, und kapazitätsbeschränkt, wenn Klimaschäden oder fehlende Finanzmittel die Kapitalbildung bremsen. In einer kapazitätsbeschränkten Wirtschaft kann die Produktion nicht mit der Nachfrage mithalten. Konsum, Importe und staatliche Ausgaben fallen dann, selbst wenn Bedarf besteht.

Diese Dynamik erklärt, warum viele Inselstaaten trotz hohen Entwicklungsbedarfs nicht schneller wachsen können. Das BinD-Modell zeigt zudem, wie schnell Volkswirtschaften in einen Kreislauf aus niedrigem Wachstum, steigender Verschuldung und abnehmender Resilienz geraten können, insbesondere bei höheren globalen Erwärmungspfaden.

Insgesamt bietet das BinD-Modell ein verständliches und praxisnahes Instrument zur Bewertung politischer Maßnahmen für eine klimaresiliente Entwicklung dar. Es macht deutlich, dass der Klimawandel die finanziellen Möglichkeiten dieser Länder direkt beeinflusst, Temperaturpfade entscheidend für ihre langfristigen Wachstumsaussichten sind und bezahlbare internationale Klimafinanzierung unverzichtbar bleibt, damit kleine Inselstaaten ihre Widerstandsfähigkeit stärken und eine nachhaltige Entwicklung erreichen können.

Externes Arbeitspapier/Diskussionspapier
19.10.2023
Publikationsreihe: SSRN Electronic Journal