Machtwechsel im Iran könnte Wirtschaft in EU ankurbeln
"Die wirtschaftliche Isolation des Iran ist enorm – entsprechend groß sind die potenziellen Gewinne einer regelbasierten Wiedereingliederung", sagt Studienleiter und WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr. "Europa würde profitieren durch mehr Handel, niedrigere Energiepreise und effizientere internationale Arbeitsteilung."
Allein die Aufhebung der EU-Sanktionen würde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Iran langfristig um mehr als 80% steigern. Gleichzeitig könnte das BIP in der EU und in Österreich um 0,3% bzw. 0,5% wachsen. Das entspricht einem zusätzlichen Jahreseinkommen von fast 2,51 Mrd. € für Österreich und mehr als 54 Mrd. € für die EU.
Besonders groß wären die Effekte, wenn die Aufhebung der Sanktionen mit einem wirtschaftlichen Wiederaufbau und Produktivitätssteigerungen im Iran einherginge. In Szenarien, in denen sich der Iran produktivitätsseitig an Länder wie Türkei oder Südkorea annähert, könnte das iranische BIP um 240% bis fast 400% steigen. Auch die Gewinne für Europa würden dann weiter zunehmen.
Neben Handels- und Wachstumseffekten hebt die Studie weitere Vorteile hervor: Eine Rückkehr des Iran auf die globalen Energiemärkte könnte die Öl- und Gaspreise senken, die Volatilität auf den Energiemärkten verringern und den Inflationsdruck in Europa dämpfen. Zudem könnten stabilere politische Verhältnisse in der Region die Sicherheit wichtiger Seehandelsrouten verbessern und den Migrationsdruck auf Europa reduzieren.
Die Studie betont ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse an einen grundlegenden politischen Wandel im Iran geknüpft sind. Eine Lockerung der Sanktionen unter dem derzeitigen Regime wird nicht befürwortet. Dasselbe gilt für einen Wandel, der nicht mit tiefgreifenden und glaubwürdigen Reformen einhergeht.
"Moralische Klarheit und wirtschaftliche Vorsorge schließen sich nicht aus", so Felbermayr. "Gerade deshalb ist es wichtig, mögliche Szenarien nüchtern zu analysieren und Europa auf die wirtschaftlichen Folgen politischer Veränderungen vorzubereiten."
Bei der INSM-Studie handelt es sich um eine Zusammenarbeit von Gabriel Felbermayr und Heider Kariem vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Mahdi Ghodsi und Robert Stehrer vom Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche und Yoto Yotov von der Drexel University Philadelphia in den USA.
Publikationen
- Gabriel Felbermayr
- Mahdi Ghodsi
- Heider Kariem
- Robert Stehrer
- Yoto V. Yotov
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