Eva Christine Erhardt
Wie entwickeln sich Wachstumsunternehmen weiter? Eine Analyse auf Basis verschiedener Wachstumsdefinitionen (Firm Performance After High Growth. A Comparison of Absolute and Relative Growth Measures)
Vortragsreihe "WIFO-Extern", 22.3.2018 13:15
Veranstalter: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 15.02.2018 0:00
Schaffen schnell wachsende Unternehmen auf Dauer Beschäftigung, oder ist hohes Wachstum ein einmaliges Ereignis? Hängt die Antwort auf diese Frage davon ab, wie Wachstum gemessen wird? Dieses Papier analysiert Daten aus Amadeus für bulgarische Unternehmen in drei aufeinanderfolgenden Dreijahresperioden (2001/2004, 2004/2007 und 2007/2010). In der Vergangenheit wurden Wachstumsunternehmen ausschließlich auf Basis von relativen Wachstumsformeln definiert (Prozentveränderung oder logarithmische Differenz) oder einer Kombination aus relativen und absoluten Formeln wie von Eurostat und OECD vorgeschlagen (jährliches Wachstum von mindestens 20% in einer Dreijahresperiode und mindestens 10 Beschäftigte zu Beginn der Periode). Die vorliegende Untersuchung verwendet darüber hinaus eine rein absolute Definition für Unternehmenswachstum, d. h. die tatsächliche Veränderung der Beschäftigtenzahl. In einem Zweistufenmodell mit getrennten Gleichungen für die Überlebenswahrscheinlichkeit einerseits und das Wachstum von Unternehmen andererseits wird zusätzlich explizit der Einfluss von Unternehmensaustritten auf die Gesamteffekte identifiziert. Wie sich zeigt, sind Definitionen entscheidend für die Ergebnisse. Im Hinblick auf relative und kombinierte Wachstumsdefinitionen bestätigen die Ergebnisse für Bulgarien die bisherigen Erkenntnisse aus Hocheinkommensländern: Relativ definierte überlebende Wachstumsunternehmen zeichnen sich durch Rückgänge in der Folgeperiode aus. Nach Eurostat–OECD definierte Wachstumsunternehmen expandieren auch in der nächsten Periode. Wird Wachstum hingegen absolut anhand der tatsächlichen Beschäftigungsveränderung definiert, dann schaffen Wachstumsunternehmen in der Folgeperiode nur dann mehr Arbeitsplätze als andere Unternehmen, wenn ausschließlich überlebende Unternehmen berücksichtigt werden. Bezieht man auch Unternehmen ein, die aus dem Markt ausscheiden, dann sind andere Unternehmen im Durchschnitt auf Dauer den Wachstumsunternehmen überlegen. Dies hängt damit zusammen, dass Wachstumsunternehmen in der Regel über die Wachstumsphase hinweg eine sehr hohe Unternehmensgröße erreicht haben. Austritte dieser großen Wachstumsunternehmen fallen deshalb bei einer absoluten Wachstumsdefinition stark ins Gewicht. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Absolut definierte Wachstumsunternehmen von ursprünglich geringer Größe (10 bis 49 Beschäftigte) wachsen auch langfristig schneller als andere Unternehmen und könnten in der Tat ein lohnendes Ziel für gezielte wirtschaftspolitische Förderung sein.
Forschungsbereich:Industrieökonomie, Innovation und internationaler Wettbewerb
Sprache:Deutsch

Firm Performance After High Growth. A Comparison of Absolute and Relative Growth Measures
Do high-growth firms continue to create jobs after the high-growth period or is high growth a one-time event? Does the answer to this question depend on the definition of high growth? This paper analyses data from Amadeus on Bulgarian firms for three consecutive 3-year periods (2001-2004, 2004-2007, and 2007-2010). Previously, high growth has been defined in terms of relative growth or composite measures such as recommended by Eurostat and OECD. We additionally apply an absolute measure of growth, i.e., the actual change in headcount. Using a two-part model with separate equations for survival and growth, we moreover specifically account for the impact of firm exits on aggregate effects. We find that definitions are central for outcomes. In terms of relative and Eurostat-OECD high growth our results for Bulgarian firms largely confirm what has been found for high-income countries: surviving relative high-growth firms are characterised by negative future development. High growth firms defined according to Eurostat-OECD continue to grow after high growth. If growth is measured in absolute terms, then high-growth firms only continue to create more jobs than non-high growth firms as far as surviving firms are concerned. Taking firm exits into account, absolute high-growth firms are outperformed by average firms due to the job losses of large exiting high-growth firms – with one notable exception: absolute high-growth firms of initially small size (10 to 49 employees) continue to grow faster than other firms even if exits are accounted for and indeed seem a worthwhile target for policies promoting high-growth entrepreneurship.