Evaluierung und Weiterentwicklung der Indikatoren für die österreichische Mangelberufsliste

Die österreichische Mangelberufsliste bildet die Grundlage der Rot-Weiß-Rot-Karte und des Fachkräftestipendiums und stützt sich im Wesentlichen auf einen einzigen Indikator, die Stellenandrangsziffer des jeweiligen Jahres. Die Studie zeigt, dass die Zahl der Mangelberufe dadurch mit der Konjunktur schwankt, von 45 im Jahr 2021 über 110 im Jahr 2024 auf 64 im Jahr 2026, und dass viele Berufe nur ein bis zwei Jahre gelistet bleiben. Ein Persistenzkriterium, das Aufnahme und Streichung an drei aufeinanderfolgende Jahre bindet, stabilisiert die Mangelberufsliste, ohne zusätzliche Daten oder ein neues Verfahren zu erfordern. Es hält im Abschwung jene Berufe auf der Liste, deren Knappheit nur kurz unterbrochen ist, was für die Qualifizierungsförderung erwünscht ist und für die Zuwanderung eine stärkere Differenzierung der Instrumente nahelegt. Eine relative Stellenandrangsziffer ergänzt das Kriterium bei länger anhaltenden Abschwüngen, ihr Schwellenanteil ist noch festzulegen. Als strukturelle Zusatzindikatoren erweisen sich die relative Vakanzdauer, die Abgangsquote aus Beschäftigung und die Lohndrift als informativ und untereinander wenig korreliert, sie liegen jedoch nur nach Branchen vor. In einer Beispielanalyse für 2026 bestätigen sie die Persistenzliste und verändern sie um höchstens drei Berufe. Eine jährliche Neuberechnung ist daher nicht erforderlich, wohl aber eine anlassbezogene Prüfung bei Grenzfällen und Erstaufnahmen. Wo Ausbildungskapazitäten die Knappheit verursachen, wie in mehreren Gesundheits- und Hochschulberufen, ändert eine Listung nichts an der Ursache.