Wettbewerbsfähigkeit: vom "gefährlichen" Schlagwort zum Zukunftskompass. Die ökonomische Forschung und der Beitrag des WIFO (Competitiveness: From "Dangerous" Key Word to Future Compass. Economic Research and the Contribution of WIFO)
WIFO-Monatsberichte, 2017, 90(12), S.947-953
Online seit: 20.12.2017 0:00
 
Wettbewerbsfähigkeit ist ein wichtiges Ziel für Wirtschaftspolitik wie Unternehmen. Sie wird allerdings sehr unterschiedlich definiert, womit auch die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen oft gegensätzlich sind. Der vorliegende Beitrag zeigt den Weg von einer rein kostenorientierten Sicht zu einer Definition, die sich an den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielen orientiert. Diese Definition ermöglicht die konsequente Verfolgung einer High-Road-Strategie: Sie nutzt Innovationen, Skills und Ambitionen, um damit hohe Einkommen, sozialen Zusammenhalt und ökologische Exzellenz zu erreichen. Anhand dieses Konzeptes ist die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Länder nach breiteren Wohlfahrtsindikatoren stärker als gemessen am Pro-Kopf-Einkommen. Keines der erfolgreicheren europäischen Länder verfolgt eine kostenorientierte Low-Road-Strategie.
Keywords:Wirtschaftsgeschichte, Sozialpartnerschaft, Wirtschaftsforschung TP_Wettbewerbsfaehigkeit_Theorie
Forschungsbereich:Industrieökonomie, Innovation und internationaler Wettbewerb
Sprache:Deutsch

Competitiveness: From "Dangerous" Key Word to Future Compass. Economic Research and the Contribution of WIFO
Competitiveness is an important goal for economic policy and companies. However, it is defined in highly different ways, and this often results in contradictory economic policy conclusions. The present article shows the path from a purely cost-oriented point of view to a definition based on economic and societal goals. This definition allows consistent pursuit of a high-road strategy: it uses innovation, skills and ambitions to achieve high income levels, social cohesion and ecological excellence. On the basis of this concept, the competitiveness of European countries is measured more strongly based on broader welfare indicators than on per-capita income. None of the more successful European countries is pursuing a cost-oriented, low-road strategy.

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Die Ausgabe 12/2017 der WIFO-Monatsberichte steht im Zeichen des 90-Jahre-Jubiläums des Institutes. Die Jubiläumsfeierlichkeiten, die das WIFO im Spannungsfeld der Wirtschaftspolitik durch neun Jahrzehnte zeigten, wurden mit einem Symposium zu Ehren des langjährigen WIFO-Leiters Hans Seidel verbunden, dessen von ihm selbst nicht mehr veröffentlichter zweiter Band zur österreichischen Wirtschaftspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg posthum von WIFO-Wissenschaftern herausgegeben wurde.
Hans Seidel, Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in der Kreisky-Ära. Zur Entstehung des Buches (Hans Seidel, Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in der Kreisky-Ära (Economy and Economic Policy in the Kreisky Era). On the Genesis of the Book)
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Hans Seidels Sicht auf die Fiskalpolitik der Ära Kreisky (Hans Seidel's View of the Fiscal Policy of the Kreisky Era)
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Online seit: 20.12.2017 0:00
 
Hans Seidel bezeichnet die wirtschaftlichen Erfolge der Regierung Kreisky, gemessen an den üblichen ökonomischen Kennzahlen, als beeindruckend. Er merkt allerdings an, dass die Regierung Budgetdefizite hinterließ, die von den nachfolgenden Regierungen beseitigt werden mussten.
Wechselkurs- und Geldpolitik. Zu Hans Seidel, Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in der Kreisky-Ära (Exchange Rate and Monetary Policy. On "Hans Seidel, Economy and Economic Policy in the Kreisky Era")
WIFO-Monatsberichte, 2017, 90(12), S.919-925
Online seit: 20.12.2017 0:00
 
Anders als die Strukturpolitik war die Geld- und Wechselkurspolitik der Kreisky-Ära innovativ, wie Hans Seidel in seinem posthum erschienenen Buch "Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in der Kreisky-Ära" ausführt. Die Geldpolitik, die zuvor infolge der nachkriegsbedingten Schwäche des Kreditwesens und der mangelnden Liberalisierung primär binnenorientiert gewesen war, musste auf die außenwirtschaftlichen Herausforderungen reagieren und ihre Grenzen erkennen. Dem Inflationsschub der Erdölpreiskrisen wurde erfolgreich mit Einkommenspolitik begegnet. Der schrittweise Übergang der Wechselkurspolitik zur Hartwährungspolitik bedeutete eine Kausalitätsumkehr: Der Wechselkurs sollte nicht eine binnenwirtschaftlich bestimmte Preisstabilität herbeiführen, sondern der heimischen Wirtschaftspolitik einen Stabilitätskurs vorgeben; relative Preisstabilität wurde nicht mehr dadurch erreicht, dass die Sozialpartner vernünftig waren, sondern dass ihnen eine glaubhafte Schranke gesetzt wurde.
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Der "Austro-Keynesianismus" aus der Sicht eines Architekten. Ein flexibel-pragmatischer Policy Mix – und ein bisschen Glück – als Ursache für Österreichs wirtschaftspolitischen Erfolg in den 1970er-Jahren ("Austro-Keynesianism" from the Perspective of an Architect. A Flexible-pragmatic Policy Mix – and a Bit of Luck – as the Reason for Austria's Economic Policy Success in the 1970s)
WIFO-Monatsberichte, 2017, 90(12), S.927-933
Online seit: 20.12.2017 0:00
 
In Kombination mit einer umfassenden Strukturreform brachte die Wirtschaftspolitik der 1970er-Jahre Österreich einen umfassenden Modernisierungsschub sowie eine signifikante Wohlstandszunahme. Dieser Umstand ist umso bemerkenswerter, als dieses Jahrzehnt geprägt war durch die Folgen des Zusammenbruchs des Systems fester Wechselkurse von Bretton Woods und die Erdölpreiskrisen in den Jahren 1973 und 1979. Den aus diesen tiefgreifenden Umbrüchen resultierenden Herausforderungen, namentlich der steigenden Arbeitslosigkeit und der Inflation, begegnete die österreichische Regierung mit einem pragmatischen Policy Mix, der unter dem Begriff "Austro-Keynesianismus" aufgrund seiner Erfolge auch internationale Anerkennung fand.
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Das Österreichische Institut für Konjunkturforschung 1927 bis 1938: Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik in der Ersten Republik (The Austrian Institute for Business Cycle Research 1927-1938: Economic Research and Economic Policy in the First Republic)
WIFO-Monatsberichte, 2017, 90(12), S.935-940
Online seit: 20.12.2017 0:00
 
Das Ende 1926 gegründete Österreichische Institut für Konjunkturforschung – das spätere Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung – entwickelte sich unter seinen Leitern Friedrich A. Hayek und Oskar Morgenstern von 1927 bis 1938 zu einer bedeutenden außerakademischen Institution der Wirtschaftsforschung mit hoher internationaler Reputation. Inhaltlich wandelten sich die Aufgaben von der Konjunkturdiagnose und -prognose, der die Ökonomen der Österreichischen Schule ohnehin skeptisch gegenüberstanden, zu einer umfassenden empirischen Wirtschaftsforschung mit verfeinerten statistischen Methoden. In der Wirtschaftskrise traten insbesondere die Leiter Hayek und Morgenstern, in schroffem Gegensatz zu anderswo forcierten proto-keynesianischen Alternativen, für eine Hartwährungs-, Austeritäts- und Auflockerungspolitik ein, die wohl gemeinsam mit den Rigiditäten der österreichischen Wirtschaftsstruktur für die Schwäche der Erholung bis 1938 verantwortlich war.
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Online seit: 20.12.2017 0:00
 
Die Geschichte des WIFO ist eng mit der jüngeren Wirtschaftsgeschichte Österreichs verbunden. Zentral für die Erfolgsgeschichte des WIFO ist die wissenschaftliche Qualität und Unabhängigkeit, aufbauend auf soliden personellen und finanziellen Strukturen.
90 Jahre WIFO-Monatsberichte. Ein Prospekt für eine Institution im Bereich der empirischen Wirtschaftsforschung (90 Years WIFO-Monatsberichte. A Prospectus for an Institution in the Field of Empirical Economic Research)
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Online seit: 20.12.2017 0:00
 
Die WIFO-Monatsberichte haben mit dem vorliegenden Heft 12/2017 ihren 90. Jahrgang vollendet. Sie spiegeln in ihrer inhaltlichen und formalen Gestaltung die Verbindung von Kontinuität und Neuem wider, die das WIFO seit seiner Gründung im Jahr 1927 prägt. Wie in einem "Prospekt" für die Institution der Monatsberichte gibt dieser Beitrag Interessierten einen kleinen Einblick in die Geschichte der Monatsberichte, die Struktur der behandelten Themen und die Qualitätssicherungsprozesse, die zur Herstellung dieser Publikation erforderlich sind.