Struktur- und Schnittstellenprobleme im österreichischen Gesundheitssystem
Problemstellung der präsentierten Studie: Die staatlichen Gesundheitsausgaben, getrieben durch demografischen Wandel, medizinischen und technologischen Fortschritt stellen die Fiskalpolitik vor wachsende budgetäre Herausforderungen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über Konsolidierungspotenziale und -strategien sowie der erneuten deutlichen Überschreitung vereinbarter Ausgabenobergrenzen für die öffentlichen Gesundheitsausgaben im Jahr 2023 geht es dabei vor allem um Effizienzreserven und Einsparmöglichkeiten. Das österreichische Gesundheitssystem ist durch hohe Komplexität und starke Fragmentierung der Entscheidungs- und Finanzierungsverantwortlichkeiten im bundesstaatlichen Kontext charakterisiert: Effizienzdefizite werden häufig mit der föderalen Aufgabenverteilung und den komplexen Finanzierungsstrukturen in Verbindung gebracht. Die Ausgangsthese ist, dass im gegenwärtigen System starke Anreize für eine Nutzung der (teuren) Krankenhauskapazitäten und der Spitalsambulanzen im Vergleich zur Versorgung bei niedergelassenen Fachärzten bestehen. Ziel ist es aufzuzeigen, ob und inwiefern Governance-Probleme in der Abstimmung zwischen den verschiedenen Sektoren und ihre Verbindung zu den bestehenden Finanzierungsstrukturen Fehlsteuerungen, Ineffizienzen und Kostendynamiken im österreichischen Gesundheitssystem verursachen. Die empirische Analyse richtet den Fokus auf die Schnittstelle zwischen extra- und intramuralem Sektor, um Interdependenzen in der ambulanten und stationären Versorgung aufzuzeigen und die möglichen Folgelasten einer unzureichenden Abstimmung der Versorgungssektoren zu quantifizieren. Die Studie kann dadurch einen Beitrag zu einer rationalen und evidenzbasierten Debatte über organisatorische und finanzielle Reformen zur Verbesserung der Effizienz und Qualität im Gesundheitswesen speziell im föderativen Kontext leisten, ohne bereits konkrete und komplexe Reformmodelle zu entwickeln.