Beitrag zum Jahresheft des Wissenschaftlichen Beirats 2026 der Stiftung Familienunternehmen: Arbeit neu denken: Die Zukunft des Standorts Deutschland.
Die Europäische Union verfügt mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit über einen zentralen rechtlichen Pfeiler des Binnenmarktes. Dennoch bleibt die tatsächliche grenzüberschreitende Arbeitskräftemobilität innerhalb der EU deutlich hinter den Erwartungen zurück und stagniert weitgehend seit rund einem Jahrzehnt. Der Aufsatz untersucht den aktuellen Stand der Arbeitsmarktintegration, identifiziert zentrale institutionelle und strukturelle Hindernisse und bewertet die wirtschaftlichen Folgen unzureichender Mobilität. Die empirische Analyse zeigt, dass zwar formale Mobilität besteht, die reale Fragmentierung des EU-Arbeitsmarktes jedoch fortwirkt: Im Vergleich zu stärker integrierten Volkswirtschaften wie den USA reagieren Arbeitskräfte auf regionale Arbeitsmarktschocks deutlich weniger schnell. Als wesentliche Barrieren werden insbesondere divergierende Sozialversicherungs- und Steuersysteme mit begrenzter Portabilität, Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen sowie knapper und teurer Wohnraum in wachstumsstarken Regionen herausgearbeitet. Diese Hemmnisse führen zu statischen Effizienzverlusten im Matching von Arbeitskräften und Jobs, schwächen Anpassungsfähigkeit an Schocks und reduzieren Innovations- und Produktivitätsimpulse. Der Beitrag diskutiert darauf aufbauend politische Optionen, darunter den Ausbau eines Binnenmarkts für Talent (Single Market for Skills), verbesserte Portabilität sozialer Leistungen, EU-weite Matching- und Informationsinstrumente sowie ergänzende Reformansätze für Mobilität in der "Wissens"- und Innovationsökonomie.