ABM

Agentenbasiertes Modell der österreichischen Wirtschaft
Das makroökonomische agentenbasierte Modell (ABM) simuliert die österreichische Wirtschaft, indem es die Interaktionen heterogener Unternehmen und Haushalte auf der Individualebene abbildet. Das Modell ist anhand mikroökonomischer Daten kalibriert, lockert zentrale Annahmen traditioneller Gleichgewichtsmodelle, etwa repräsentative Agenten und Markträumung, und erfasst endogene Rückkopplungen zwischen individuellen Entscheidungen und makroökonomischen Ergebnissen. Die Granularität des ABM macht es besonders geeignet für die Analyse von Geld-, Fiskal- und Arbeitsmarktpolitik mit Fokus auf Verteilungseffekte sowie regionalen und sektoralen Strukturwandel.

Das agentenbasierte Modell (ABM) simuliert die österreichische Wirtschaft auf der Individualebene und bildet die dynamischen Interaktionen von Unternehmen und Haushalten ab. Im Gegensatz zu traditionellen Gleichgewichtsmodellen erfasst es, wie sich wirtschaftliche Schocks über Netzwerke heterogener Haushalte und Unternehmen ausbreiten, und erzeugt endogene Rückkopplungen zwischen individuellen Entscheidungen und makroökonomischen Ergebnissen. Die hohe Auflösung des ABM ermöglicht wirtschaftspolitische Analysen, die die Verteilungsfolgen ökonomischer Politik berücksichtigen.

Das ABM ist ein makroökonomisches Modell, das anhand mikroökonomischer Daten kalibriert wurde, darunter Unternehmensbilanzdaten und Haushaltsbefragungen. Makroökonomische ABM lockern zentrale Annahmen von Modellen mit expliziten Gleichgewichten, etwa repräsentative Agenten und Markträumung, indem sie Dynamiken simulieren, die aus den Interaktionen vieler heterogener Agenten entstehen. Das von Poledna et al. (2023) entwickelte makroökonomische ABM bietet eine detailliertere Abbildung der Wirtschaft als sektorale oder aggregierte CGE-, DSGE- oder HANK-Modelle und erreicht zugleich die Prognosegenauigkeit von DSGE-Modellen und anderen statistischen Ansätzen. Diese Verbindung von strukturellem Detail und Prognoseleistung macht ABM besonders geeignet für Simulationen in Bereichen wie Geldpolitik und Inflation, Fiskal- und Steuerpolitik sowie Arbeitsmarktdynamik.

Makroökonomische agentenbasierte Modellierung auf Basis mikroökonomischer Daten stellt eine aktuelle Entwicklung in der Simulation dar, der durch die wachsende Verfügbarkeit umfassender Mikrodaten ermöglicht wurde. Der globale Trend zur Öffnung administrativer Daten für die Forschung sowie Fortschritte bei Rechenleistung und statistischen Methoden dürften das Interesse an umfassenden Simulationen verstärken. Diese Entwicklungen entsprechen zugleich dem wachsenden Bedarf seitens politischer Entscheidungsträger:innen, die zunehmend Verteilungsanalysen als Standardelement der Politikevaluierung einfordern.

Die Forschung am WIFO in Kooperation mit anderen Institutionen haben die internationale Sichtbarkeit der ABM-Forschung erheblich gesteigert, wobei Wien sich als führender Standort etabliert hat. Die Bank of Canada hat als erste Zentralbank ein agentenbasiertes Modell neben traditionellen DSGE-Modellen (Hommes et al., 2024) und anderen ökonometrischen Modellen in ihr Instrumentarium zur Politikanalyse integriert. Diesem Beispiel folgend zeigen Zentralbanken zunehmendes Interesse daran, makroökonomische ABM in ihre Modellportfolios aufzunehmen.

Artikel in referierter Fachpublikation
MarMarMarMar 2025202520252025
Fachpublikation: Journal of Economic Dynamics and Control
Artikel in referierter Fachpublikation
JanJanJanJan 2023202320232023
Fachpublikation: European Economic Review