Weil auch Roboter an ihre Grenzen kommen: Gefragt sind auf dem Arbeitsmarkt künftig all jene Fähigkeiten, die Menschen von Maschinen unterscheiden. – © Schütz/pixelio.de
30.07.2018
Kommentar: Welche Qualifikationen sind in der digitalen Arbeitswelt gefragt?
WIFO-Forscherin Julia Bock-Schappelwein widmet sich im aktuellen DBT-Blog der Frage nach der Digitalisierung der Arbeitwelt.
Digitalisierung der Arbeitswelt: Wohin geht die Reise? Ja, wohin? So gerne uns eine eindeutige Antwort als wünschenswert erscheint, um der Unsicherheit ob der Unkenntnis entgegenzuwirken, so schwer möglich ist es, eine solche einfache Antwort zu geben.
Erstens wird die Arbeitswelt nicht nur von technologischen Veränderungen beeinflusst, gleichermaßen wirken auch Globalisierung, Strukturwandel, Demographie oder auch das Aufbrechen traditioneller Familienstrukturen auf die Arbeitswelt ein. Zweitens müssen die notwendigen Technologien regional verfügbar sein, Kostenargumente dürfen nicht gegen deren Einsatz sprechen und es dürfen im Unternehmen keine Informationsdefizite zu den technischen Möglichkeiten vorliegen. Gleichfalls mitentscheidend sind für Unternehmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das Verhalten der Mitbewerber. Drittens ist offen, ob ganze Berufsbilder/Berufe/Arbeitsplätze verschwinden und andere entstehen, oder ob sich vielmehr einzelne Tätigkeitsinhalte in einem Beruf bzw. auf einem Arbeitsplatz ändern.
Diesen Fragen folgend sollte allerdings nicht vergessen werden, dass der Wandel an Arbeitsinhalten nicht neu ist. Im Gegenteil, Wandel fand in der Vergangenheit statt, findet aktuell statt und wird auch künftig stattfinden. Die Veränderungen bezogen sich in der Vergangenheit vielfach auf Arbeitsinhalte und weniger auf ganze Berufe, während der Bedeutungsverlust von Berufsbildern vor allem in einer Langfristperspektive ersichtlich wird (wie beispielsweise am Beruf der SattlerIn nachzeichenbar ist).
Auch das Beispiel der Sekretariatstätigkeit bildet diesen Wandel eindrucksvoll ab: Frau/Mann, heute 70 Jahre alt, begann die Arbeitskarriere vor rund 50 Jahren. Am Arbeitsplatz stand eine mechanische Schreibmaschine, die Jahre später durch eine elektrische Schreibmaschine ersetzt und wiederum Jahre später durch den Computer ersetzt wurde. Die Fähigkeit, Stenographie zu beherrschen, war lange Zeit Voraussetzung in diesem Beruf, heute fragt fast niemand mehr diese Kompetenz nach. Dafür wird eine Person, die heute als Sekretariatskraft arbeiten möchte und über keine Computerkenntnisse verfügt, keine Chance auf einen Arbeitsplatz haben.
Manche Arbeitsinhalte werden obsolet, andere unerlässlich
Was lässt sich aus diesem Beispiel ableiten: Es sind vielfach die Arbeitsinhalte, die sich durch den Einsatz von Technologie verändern und dazu führen, dass bestimmte Fertigkeiten und Kompetenzen obsolet werden oder nur noch vergleichsweise seltener gebraucht werden. Dafür werden andere Fähigkeiten wiederum unerlässlich.
Wie können wir uns nun auf absehbare Veränderungen vorbereiten? Wie können wir gerüstet sein? Ein wichtiges Kriterium stellt die Fähigkeit dar, auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können. Dafür sind ausreichend Basiskompetenzen in Lesen, Rechnen und Schreiben, wie sie in den ersten Jahren der Schulkarriere vermittelt werden und den Grundstock für weiterführende Bildungswege legen, unerlässlich. Ebenso unverzichtbar sind im Anschluss daran der Zugang zu und die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, um die individuelle Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.
Gefragt sind Fähigkeiten und Fertigkeiten, durch die wir uns von Robotern oder programmierten Algorithmen merklich unterscheiden bzw. abheben. Dazu zählen alle Fertigkeiten, die nicht standardisiert bzw. Routinen folgend ablaufen, wie das Verstehen und Kommunizieren von Informationen, das Lösen unstrukturierter Probleme oder das Durchführen manueller Nicht-Routinetätigkeiten. Aber auch Fachwissen kombiniert mit Erfahrungswissen und IT-Kompetenzen werden, gemeinsam mit sozialer Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Empathie, über die Chancen am Arbeitsmarkt mitentscheiden.
Dieser Kommentar erschien zuerst als Blogbeitrag auf der "Digital Business Trends"-Website.
Diesen Fragen folgend sollte allerdings nicht vergessen werden, dass der Wandel an Arbeitsinhalten nicht neu ist. Im Gegenteil, Wandel fand in der Vergangenheit statt, findet aktuell statt und wird auch künftig stattfinden. Die Veränderungen bezogen sich in der Vergangenheit vielfach auf Arbeitsinhalte und weniger auf ganze Berufe, während der Bedeutungsverlust von Berufsbildern vor allem in einer Langfristperspektive ersichtlich wird (wie beispielsweise am Beruf der SattlerIn nachzeichenbar ist).
Auch das Beispiel der Sekretariatstätigkeit bildet diesen Wandel eindrucksvoll ab: Frau/Mann, heute 70 Jahre alt, begann die Arbeitskarriere vor rund 50 Jahren. Am Arbeitsplatz stand eine mechanische Schreibmaschine, die Jahre später durch eine elektrische Schreibmaschine ersetzt und wiederum Jahre später durch den Computer ersetzt wurde. Die Fähigkeit, Stenographie zu beherrschen, war lange Zeit Voraussetzung in diesem Beruf, heute fragt fast niemand mehr diese Kompetenz nach. Dafür wird eine Person, die heute als Sekretariatskraft arbeiten möchte und über keine Computerkenntnisse verfügt, keine Chance auf einen Arbeitsplatz haben.
Manche Arbeitsinhalte werden obsolet, andere unerlässlich
Was lässt sich aus diesem Beispiel ableiten: Es sind vielfach die Arbeitsinhalte, die sich durch den Einsatz von Technologie verändern und dazu führen, dass bestimmte Fertigkeiten und Kompetenzen obsolet werden oder nur noch vergleichsweise seltener gebraucht werden. Dafür werden andere Fähigkeiten wiederum unerlässlich.
Wie können wir uns nun auf absehbare Veränderungen vorbereiten? Wie können wir gerüstet sein? Ein wichtiges Kriterium stellt die Fähigkeit dar, auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können. Dafür sind ausreichend Basiskompetenzen in Lesen, Rechnen und Schreiben, wie sie in den ersten Jahren der Schulkarriere vermittelt werden und den Grundstock für weiterführende Bildungswege legen, unerlässlich. Ebenso unverzichtbar sind im Anschluss daran der Zugang zu und die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, um die individuelle Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.
Gefragt sind Fähigkeiten und Fertigkeiten, durch die wir uns von Robotern oder programmierten Algorithmen merklich unterscheiden bzw. abheben. Dazu zählen alle Fertigkeiten, die nicht standardisiert bzw. Routinen folgend ablaufen, wie das Verstehen und Kommunizieren von Informationen, das Lösen unstrukturierter Probleme oder das Durchführen manueller Nicht-Routinetätigkeiten. Aber auch Fachwissen kombiniert mit Erfahrungswissen und IT-Kompetenzen werden, gemeinsam mit sozialer Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Empathie, über die Chancen am Arbeitsmarkt mitentscheiden.
Dieser Kommentar erschien zuerst als Blogbeitrag auf der "Digital Business Trends"-Website.
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