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WIFO-Publikationen und Projektberichte(77 Treffer)

Gunther Tichy, Geht der Arbeitsgesellschaft die Arbeit aus?

WIFO-Monatsberichte, 2016, 89(12), S.853-871
   
Die vielfach diskutierte "digitale Beschleunigung" hat nach manchen Schätzungen das Potential, bis zur Hälfte der bestehenden Arbeitsplätze obsolet zu machen. Die heftige publizistische und öffentliche Reaktion übersieht, dass andere Schätzungen bloß auf ein Zehntel kommen; überdies geht es um Bruttofreisetzungen: die gleichzeitig arbeitsplatzschaffende Wirkung einer eventuellen digitalen Beschleunigung wird somit nicht berücksichtigt. Wie historische Erfahrungen zeigen, schafft der technische Fortschritt per Saldo eher Arbeitsplätze als sie zu vernichten. Auch ist bisher eine Verstärkung des technischen Fortschrittes durch digitale Beschleunigung und technologisch verursachte Freisetzungen nicht zu verzeichnen. Die derzeit relativ hohe Arbeitslosigkeit hat neben schwacher Nachfrage Immigration, einen Anstieg der Erwerbsbeteiligung und Rationalisierungen zur Ursache. Die vorliegenden Studien differieren nicht bloß über das Ausmaß der potentiellen digitalisierungsbedingten Freisetzungen, es besteht auch keineswegs Einigkeit darüber, ob primär ungelernte Tätigkeiten davon betroffen sein würden. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit massiver technologisch bedingter Nettofreisetzungen auf absehbare Zeit nicht sehr groß sein dürfte, sollte die Wirtschaftspolitik bereits jetzt reagieren. An erster Stelle sollte die Schlechterstellung der Arbeit relativ zu anderen Produktionsfaktoren im Abgabensystem korrigiert werden, was zugleich auch den Rationalisierungsdruck mindern würde. Zweitens gilt es, durch Aus- und Weiterbildung sowie durch Umschulungen die entsprechenden digitalen Qualifikationen bereitzustellen und drittens die Regulierungen entsprechend anzupassen. Viertens muss durch geeignete Nachfragepolitik ein Klima geschaffen werden, in dem der Übergang zwischen den Arbeitsplätzen erleichtert wird. Fünftens muss durch entsprechende Wettbewerbs- und Verteilungspolitik dafür gesorgt werden, dass die Automatisierungsgewinne nicht einigen wenigen Unternehmen oder Personen zufallen.
 
Online seit: 22.12.2016 0:00

Gunther Tichy, Persistente Strukturprobleme trotz zutreffender Strukturprognosen

WIFO-Monatsberichte, 2016, 89(8), S.553-571
   
Nach Jahren auf der "Überholspur" hat sich der Wachstumstrend der österreichischen Wirtschaft abgeflacht. Die Industrie- und Exportstruktur ist wenig dynamisch, die Innovationen lassen zu wünschen übrig, der Arbeitsmarkt leidet unter quantitativen und qualitativen Diskrepanzen, Staatshaushalt und Sozialversicherung unter Finanzierungsproblemen. Diese Probleme sind keineswegs neu, wurden aber früher durch das im Aufholprozess rasche Wachstum und die Übernahme ausländischer Innovationen überdeckt. Die Probleme wie ihre Verschärfung durch die Wachstumsverlangsamung wurden von der Wirtschaftsforschung zum größten Teil rechtzeitig erkannt. Politik und Wirtschaft gingen an ihre Lösung aber bloß halbherzig heran. Zu den möglichen Ursachen vor allem der Innovationsschwäche ist noch erheblicher Forschungsaufwand zu leisten.
 
Online seit: 22.08.2016 0:00

Gunther Tichy (WIFO), European Integration as an Underestimated Success Programme. WWWforEurope Working Paper No. 109

WWWforEurope: Welfare, Wealth and Work for Europe, Oktober 2015, 12 Seiten, http://www.foreurope.eu
European integration was and is a success programme. It was possible to successfully cope with the challenges of globalisation, to perform better than the USA in international competition, defending the European model of social security and inclusion while keeping pace in terms of per-capita growth. The supranational concentration of bargaining power proved helpful with respect to multinationals as well as in international diplomacy. However, the inevitable lack of vision for the final state of the integration process disturbs the safety-oriented European public and impairs EU's image. There is a search for final, patent solutions based on traditional institutions and models. In this, one overlooks the fact that European integration is a systemic process and an experiment at the end of which something new will presumably have been created. The adaptation and the advancement of the specific European model, based on inalienable human rights (not the least for women), rule of law, separation of powers, freedom of religion, popular sovereignty and representative democracy is indispensable. It is not easy, given differences of assessment of values even with the USA, and the rejection of "Western" values outside the Western World, in many cases even with considerable aggressiveness.
 
Mit finanzieller Unterstützung von: Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH – Österreichische Austauschdienst-GesmbH
Auftraggeber: Europäische Kommission
Studie von: Projekt-Konsortium WWWforEurope

Gunther Tichy, Wirtschaftsstandort Österreich – von der "Überholspur" aufs "Abstellgleis"

WIFO-Monatsberichte, 2015, 88(8), S.635-648
   
Die Stagnation der letzten Jahre löste in Österreich eine heftige Diskussion über eine eventuelle Verschlechterung der Standortqualität aus. Ein erheblicher Teil der Probleme ist dabei auf den Export zurückzuführen, der sich zu stark auf wenig dynamische Märkte und stagnierende Produktkategorien stützt. Das von der EU propagierte Konzept der "Smart Specialisation" wird zur Überwindung der österreichischen Probleme nicht ausreichen. Ergänzend zu einer weiteren Spezialisierung wird zur Überwindung der Pfadabhängigkeit von Produktion und Export eine Diversifikation auf solche Produkt-Markt-Kombinationen erforderlich sein, die dank spezifischer Voraussetzungen des Standortes eine Alleinstellungsposition auf den internationalen Märkten erreichen können. Dazu werden eine Umorientierung nicht bloß der Unternehmen, sondern auch der Politik – von der Bildungs- über die Forschungs- bis zur Wirtschafts- und Industriepolitik – und eine enge Zusammenarbeit dieser Politikbereiche unverzichtbar sein.
 
Online seit: 17.08.2015 0:00

Gunther Tichy (WIFO), Protecting Social Inclusion and Mobility in a Low Growth Scenario. WWWforEurope Working Paper No. 100

WWWforEurope: Welfare, Wealth and Work for Europe, Juni 2015, 60 Seiten, http://www.foreurope.eu
The unusually rapid economic growth during the second quarter of the 20th century led to a marked reduction of sustained exclusion and discrimination against groups of persons. However, in the 1980s and 1990s, growth rates in industrialised countries began to drop; the different types of real and, more importantly, perceived social exclusion once again increased and became socially critical. The economic policy of the EU and its member countries has, however, not dealt systematically with the problem of exclusion, instead addressing it only in isolated, individual steps, with the main focus being efficiency and the bolstering of growth. This, however, cannot be expected to take place to such an extent that a "trickle down" effect would automatically reduce exclusion; there must be an active and innovative anti-exclusion policy. This report attempts to outline which problems have been neglected in the WWWforEurope concept, for which problems solutions have been proposed, and for which problems solutions still need to be worked out.
 
Mit finanzieller Unterstützung von: Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH – Österreichische Austauschdienst-GesmbH
Auftraggeber: Europäische Kommission
Studie von: Projekt-Konsortium WWWforEurope

Gunther Tichy (WIFO), Zum Wandel der Finanzierungsstruktur in der Wohlstandsgesellschaft. WWWforEurope Policy Paper Nr. 20

WWWforEurope: Welfare, Wealth and Work for Europe, Jänner 2015, 24 Seiten, http://www.foreurope.eu
Die Sparpläne der privaten Haushalte übersteigen derzeit weltweit den beschränkten Finanzierungsbedarf der Unternehmen; die Differenz schlägt sich in einer Zunahme der Staatsverschuldung nieder. In der EU verzeichneten die nicht-finanziellen Kapitalgesellschaften in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten in einem von drei Jahren Finanzierungsüberschüsse, in den wohlhabenderen EU-Ländern (EU 15) sogar in jedem zweiten Jahr. Vieles spricht dafür, dass das nicht bloß eine Folge der Finanzmarktkrise ist, sondern weltweit im südostasiatischen Wirtschaftsmodell angelegt ist, in Europa hingegen ein Symptom der Wohlstandsgesellschaft: Finanzielle Absicherung gewinnt an Bedeutung, und das langsamere Wachstum erfordert weniger Investitionen. Die Wirtschaftspolitik sollte daher auf ein Anhalten der gegenwärtigen Situation vorbereitet sein; ohne Gegenmaßnahmen wäre eine rezessive Anpassung der Sparfähigkeit an die Verschuldungsbereitschaft von Wirtschaft und Staat erforderlich. Gegen die weltweiten Verwerfungen, die primär auf die südostasiatische exportbasierte Wirtschaftspolitik zurückgehen, können nur eine stärker inlandsorientierte Politik dieser Länder und eine erhebliche Aufwertung (Aufgabe der Dollarbindung) helfen. Ansätze dazu gibt es, doch ist angesichts der Dimension des Problems mit einer langen Übergangsphase zu rechnen. In der EU bedarf es eines breiten und wohl ausgewogenen Maßnahmenpakets. Es müsste durch Vertrauensbildung das Vorsichtssparen dämpfen, die Unternehmensfinanzierung verbessern, aber auch die stark eingeschränkten Investitionen im öffentlichen Bereich wiederbeleben. Weiters sollte vor allem in den Ländern, in denen die Finanzierung und Bedienung der Staatsschulden kein Problem verursacht, die früher übliche Trennung in einen Überschüsse erzielenden ordentlichen Haushalt der laufenden Ausgaben und einen Investitionshaushalt wieder eingeführt werden, innerhalb dessen primär immaterielle Investitionen innerhalb bestimmter Grenzen schuldenfinanziert werden können.
 
Auftraggeber: Europäische Kommission
Mit finanzieller Unterstützung von: Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH – Österreichische Austauschdienst-GesmbH
Studie von: Projekt-Konsortium WWWforEurope
Online seit: 01.04.2015 0:00

Gunther Tichy, Zum Wandel der Finanzierungsstruktur in der Wohlstandsgesellschaft

WIFO Working Papers, 2014, (488), 21 Seiten
Die Sparpläne der privaten Haushalte übersteigen derzeit weltweit den beschränkten Finanzierungsbedarf der Unternehmen; die Differenz schlägt sich in einer Zunahme der Staatsverschuldung nieder. In der EU hatten die nicht-finanziellen Kapitalgesellschaften in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten in einem von drei Jahren Finanzierungsüberschüsse, in den wohlhabenderen EU-Ländern (EU 15) sogar in jedem zweiten Jahr. Vieles spricht dafür, dass das nicht bloß eine Folge der Finanzmarktkrise ist, sondern weltweit im südostasiatischen Wirtschaftsmodell angelegt ist, in Europa hingegen ein Symptom der Wohlstandsgesellschaft: Finanzielle Absicherung gewinnt an Bedeutung, und das langsamere Wachstum erfordert weniger Investitionen. Die Wirtschaftspolitik sollte daher auf ein Anhalten der gegenwärtigen Situation vorbereitet sein; ohne Gegenmaßnahmen müsste es zu einer rezessiven Anpassung der Sparfähigkeit an die Verschuldungsbereitschaft von Wirtschaft und Staat kommen. Gegen die weltweiten Verwerfungen, die primär auf die südostasiatische exportbasierte Wirtschaftspolitik zurückgehen, können nur eine stärker inlandsorientierte Politik dieser Länder und eine erhebliche Aufwertung (Aufgabe der Dollarbindung) helfen. Ansätze dazu gibt es, doch ist angesichts der Dimension des Problems mit einer langen Übergangsphase zu rechnen. In der EU bedarf es eines breiten und wohl ausgewogenen Maßnahmenpakets. Es müsste durch Vertrauensbildung das Vorsichtssparen dämpfen, die Unternehmensfinanzierung verbessern, aber auch die stark eingeschränkten Investitionen im öffentlichen Bereich wiederbeleben. Weiters sollte vor allem in den Ländern, in denen die Finanzierung und Bedienung der Staatsschulden kein Problem verursacht, die früher übliche Trennung in einen Überschüsse erzielenden ordentlichen Haushalt der laufenden Ausgaben und einen Investitionshaushalt wieder eingeführt werden, innerhalb dessen primär immaterielle Investitionen innerhalb bestimmter Grenzen schuldenfinanziert werden können.
 
Online seit: 12.12.2014 0:00

Gunther Tichy, Flexicurity – ein an seiner Umsetzung scheiterndes Konzept

WIFO-Monatsberichte, 2014, 87(8), S.537-553
   
Flexicurity wird als "integrierte Strategie zur gleichzeitigen Stärkung von Flexibilität und Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt" von der EU wie von der wirtschaftspolitischen Diskussion als Instrument zur Überwindung der gegenwärtigen Arbeitsmarktschwäche gesehen. In der Praxis wurde "Flexicurity" zumeist in der Form einseitiger Deregulierung der Zeitverträge realisiert, ohne die soziale Absicherung der davon Betroffenen zu verbessern. Es entstanden duale Arbeitsmärkte, die primär zur Substitution permanenter durch Zeitverträge führten und auf Beschäftigung, Produktivität und Ausbildung eher negativ wirkten. Statt als Sprungbrett für den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu dienen, diskriminieren sie Jugendliche massiv. Österreich folgte dem Trend zur Flexicurity nur eingeschränkt; die Unterschiede in der Regulierung von permanenten und Zeitverträgen sowie der Dualisierungsgrad sind geringer als in anderen OECD-Ländern.
 
Online seit: 19.08.2014 0:00
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