Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

08.06.2021

WWWI: 21. Kalenderwoche 2021

Die BIP-Lücke gegenüber dem Vorkrisenniveau – einer Durchschnittswoche im Jahr 2019 – verringerte sich in Kalenderwoche 21 (24. bis 30. Mai 2021) um 0,4 Prozentpunkte auf nunmehr 1,0%. Gegenüber der Vergleichswoche im Vorjahr ist die Wirtschaftsleistung um 12,1% höher.

Die aktuelle Schätzung der wöchentlichen Wirtschaftsentwicklung wird durch zwei Faktoren geprägt: Einerseits zeigen die Effekte der kürzlichen Öffnungsschritte eine anhaltende Wirkung, andererseits wurde die Ende Mai durch Statistik Austria veröffentlichte vierteljährliche Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung sowie Revisionen der Quartalsrechnung für das vergangene Jahr in die Berechnung mit aufgenommen. Durch die Revision verkleinerte sich die BIP-Lücke zum Vorkrisenniveau in allen Kalenderwochen im I. und II. Quartal 2020 und vergrößerte sich in allen Kalenderwochen im Jahr 2021. Der Abstand zum Vorkrisenniveau wird für die Kalenderwoche 20 nach der neuen Rechnung um 0,3 Prozentpunkte höher ausgewiesen und beträgt nun 1,4%.

Die Verbesserung der Bestimmungsfaktoren des WWWI setzt sich in Kalenderwoche 21 tendenziell fort. Im Gesamtaggregat der Kreditkartenumsätze zeigt sich im Wochenvergleich zwar eine Stagnation, doch dürfte dies dem Feiertag zu Wochenbeginn (Pfingstmontag) geschuldet sein, der zu einem etwas geringeren Anstieg der Einzelhandelsumsätze geführt hat. Die Teilaggregate der bargeldlosen Umsätze für die Gastronomie, das Beherbergungs- und Veranstaltungswesen weisen deutliche Zuwächse auf. Auch die Mobilitätsindikatoren unterstützen das positive Bild. Die expansiven Signale vonseiten der Industrie halten – etwas abgeschwächt – weiter an. Die Indikatoren im Transportbereich präsentieren am aktuellen Rand jedoch eine rückläufige Bewegung. Zum Teil könnte dies einen Ausgleich zum überproportional starken Anstieg in der Vorwoche darstellen, andererseits wirkt auch hier der Feiertagseffekt dämpfend.

Mit den Öffnungen in der Gastwirtschaft, Hotellerie und bei Veranstaltungen ab 19. Mai geht eine deutliche Verbesserung im privaten Konsum um kumuliert 6,7 Prozentpunkte einher. Die Konsumlücke zum Vorkrisenniveau liegt nun bei 6,6%. In der Kalenderwoche 21 zeigt sich dabei zwischen der Nachfrage nach Gütern und jener nach Dienstleistungen eine differenzierte Entwicklung: Die Güternachfrage, approximiert durch die Einzelhandelsumsätze, stagnierte, wohingegen die Nachfrage nach Dienstleistungen durch die Öffnungsschritte stark angestiegen ist und damit dem privaten Konsum Auftrieb verleiht.

Sowohl die Reiseverkehrsexporte als auch die -importe haben sich mit der Lockerung bilateraler Reiseverkehrsbeschränkungen und den Öffnungen in der Gastronomie und Hotellerie in Österreich auch in der Kalenderwoche 21 weiter belebt. Spiegelbildlich zeigt sich in der Wertschöpfung im Bereich Beherbergung und Gastronomie eine Verbesserung um 11 Prozentpunkte auf nunmehr 56% des Vorkrisenniveaus. Durch die Öffnungsschritte legte auch die Wertschöpfung im Verkehr und im Handel zu, da der Großhandel, der die Gastronomie und die Hotellerie beliefert, eine höhere Aktivität zeigt.
 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) ist ein Maß für die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher Basis. Er beruht auf wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Indikatoren. Der Index ist auf die Werte der Veränderungsraten des BIP gegenüber einer entsprechenden Referenzperiode skaliert.

Ab dem 6. April 2021 wird die geschätzte prozentuelle Veränderung der saisonbereinigten realen gesamtwirtschaftlichen Aktivität in einer Kalenderwoche in zwei Varianten dargestellt: Erstens wie bisher als Veränderung gegenüber der Vorjahreswoche und zweitens als Vergleich zu einem durchschnittlichen Wochenwert im Jahr 2019 (fixe Referenzperiode). Diese erweiterte Darstellung soll die Einordnung der Ergebnisse unterstützen. Ab der Kalenderwoche 11 2021, 15. bis 21 März 2021, liegen für den Vorjahresvergleich beide Vergleichswerte in der pandemiebedingten Krisenperiode.

Da der wirtschaftliche Einbruch durch die COVID-19-Pandemie und die strikten behördlichen Restriktionen zu deren Eindämmung im Jahresverlauf 2020 in der ersten Lockdown-Periode, ab 16. März 2020, am stärksten ausfiel und folglich das Vergleichsniveau sehr niedrig ist, ist der prozentuelle Anstieg nach einem Jahr negativer Vorjahresveränderungsraten im Vorjahresvergleich außerordentlich kräftig. Die Berechnung gegenüber einer fixen Referenzperiode 2019 lässt einen Vergleich des aktuellen BIP-Niveaus mit dem Vorkrisenniveau zu.

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Mag. Dr. Josef Baumgartner

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik

Mag. Dr. Christian Glocker, MSc

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Alexander Müller
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