Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

20.07.2021

WWWI: 27. Kalenderwoche 2021

Die wöchentliche wirtschaftliche Aktivität gemäß WWWI verharrte nach vorläufiger Berechnung in der Kalenderwoche 27 (5. bis 11. Juli 2021) weiterhin auf dem Vorkrisenniveau, einer Durchschnittswoche im Jahr 2019 als fixer Referenzperiode. Gegenüber der Vorjahresvergleichswoche ist das BIP momentan um 6,6% höher.

Die Bestimmungsfaktoren des WWWI zeichnen in der Kalenderwoche 27 ein uneinheitliches Bild. Bargeldlose Bezahl- und Kreditkartentransaktionen steigerten sich bei Vertragspartnern im Einzelhandel und in der Beherbergung leicht, wohingegen sie im Bereich Veranstaltungen und Unterhaltung geringfügig nachließen. Die Mobilität verbesserte sich weiter: Sowohl das Passagieraufkommen auf dem Flughafen Wien als auch ein Großteil der Google-Mobilitätsindikatoren stiegen erneut. Für die Industrie bleibt das Bild günstig. Der temperaturbereinigte Stromverbrauch nahm gegenüber der Vorwoche sowohl in den Tages- als auch zu den Nachtzeiten wieder geringfügig zu, der Stickstoffdioxidausstoß an industrienahen Messstationen ging leicht zurück. Die Arbeitslosigkeit in der Industrie verringerte sich abermals. Auch die Transportindikatoren zeigen am aktuellen Rand eine heterogene Entwicklung. Während die Lkw-Fahrleistung weiter sank, stiegen sowohl die Schienengütertransport- als auch die Flugfrachtdaten neuerlich an. Vom Arbeitsmarkt kommen für alle Branchen anhaltend positive Signale. Die Arbeitslosigkeit wird zügig abgebaut und die Zahl offener Stellen weiter kräftig ausgeweitet.

Die seit den ersten Öffnungsschritten einsetzende deutliche Verbesserung des privaten Konsums hatte sich nach einer zweiwöchigen Schwächephase in der Kalenderwoche 26 fortgesetzt, stagnierte allerdings in der Kalenderwoche 27. Die Umsätze im stationären Einzelhandel nahmen weiter zu, die Nachfrage nach Dienstleistungen stockte, obwohl nun auch im Westen Österreichs die Schulferien begannen. Der Beginn der Sommerferien in Österreich sowie in Teilen Europas führte jedoch zu einer kräftigen Steigerung sowohl der Reiseverkehrsexporte als auch der -importe. Der Netto-BIP-Beitrag des Reiseverkehrs ist zwar mit –0,3% relativ zum Vorkrisenniveau noch negativ, verbesserte sich aber gegenüber der Vorwoche markant. Im Einklang mit der Erholung der internationalen Konjunktur liegen die Warenexporte weiter über und die Wertschöpfung in der Sachgütererzeugung in etwa am Vorkrisenniveau. Die Erholung spiegelt sich auch in der kontinuierlichen Zunahme der Warenimporte, welche aktuell jedoch noch leicht unter dem Vorkrisenniveau liegen. Der Netto-BIP-Beitrag des Außenhandels mit Waren ist nach wie vor positiv, verringerte sich jedoch etwas. Entstehungsseitig zeigt sich im Vergleich zur Vorwoche eine Stagnation in der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung.

 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) ist ein Maß für die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher Basis. Er beruht auf wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Indikatoren. Der Index ist auf die Werte der Veränderungsraten des BIP gegenüber einer entsprechenden Referenzperiode skaliert.

Ab dem 6. April 2021 wird die geschätzte prozentuelle Veränderung der saisonbereinigten realen gesamtwirtschaftlichen Aktivität in einer Kalenderwoche in zwei Varianten dargestellt: Erstens wie bisher als Veränderung gegenüber der Vorjahreswoche und zweitens als Vergleich zu einem durchschnittlichen Wochenwert im Jahr 2019 (fixe Referenzperiode). Diese erweiterte Darstellung soll die Einordnung der Ergebnisse unterstützen. Ab der Kalenderwoche 11 2021, 15. bis 21 März 2021, liegen für den Vorjahresvergleich beide Vergleichswerte in der pandemiebedingten Krisenperiode.

Da der wirtschaftliche Einbruch durch die COVID-19-Pandemie und die strikten behördlichen Restriktionen zu deren Eindämmung im Jahresverlauf 2020 in der ersten Lockdown-Periode, ab 16. März 2020, am stärksten ausfiel und folglich das Vergleichsniveau sehr niedrig ist, ist der prozentuelle Anstieg nach einem Jahr negativer Vorjahresveränderungsraten im Vorjahresvergleich außerordentlich kräftig. Die Berechnung gegenüber einer fixen Referenzperiode 2019 lässt einen Vergleich des aktuellen BIP-Niveaus mit dem Vorkrisenniveau zu.

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Mag. Dr. Josef Baumgartner

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik

Mag. Dr. Christian Glocker, MSc

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Alexander Müller
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