Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

11.05.2021

WWWI: 17. Kalenderwoche 2021

In der Kalenderwoche 17 (26. April bis 2. Mai 2021) lag die wirtschaftliche Aktivität nach vorläufiger Berechnung um 14,7% über dem Niveau der Vorjahreswoche. Gegenüber dem Vorkrisenniveau, einer durchschnittlichen Woche im Jahr 2019 als fixe Referenzperiode, beträgt die BIP-Lücke 4,6%.

Der neuerliche Lockdown in Ostösterreich ab 1. April hatte in Kalenderwoche 14 zu einem weiteren Einbruch des BIP geführt, welcher jedoch aufgrund der regionalen Einschränkung auf Ostösterreich deutlich schwächer ausfiel als während früherer Lockdown-Phasen. Die wirtschaftliche Aktivität verbesserte sich bereits ab der Kalenderwoche 16 wieder leicht. Der erneute Lockdown wirkte sich produktionsseitig vor allem in den Bereichen Handel, Verkehr und sonstige Dienstleistungen bzw. nachfrageseitig auf den privaten Konsum dämpfend aus. Der Konsumrückgang wird jedoch durch eine günstige Dynamik der Warenexporte und Investitionen sowie der Wertschöpfung in der Sachgütererzeugung, Bauwirtschaft und den wirtschaftsnahen Dienstleistungen im Gefolge der weltweiten Konjunkturerholung kompensiert. Der BIP-Beitrag im Gaststätten- und Beherbergungswesen bleibt gegenüber der durchschnittlichen Referenzwoche 2019 aufgrund der nach wie vor aufrechten behördlichen Maßnahmen negativ.

Die Bestimmungsfaktoren des WWWI setzten in Kalenderwoche 17 die Tendenz der Vorwochen fort. Die Kreditkartenumsätze sanken am aktuellen Rand leicht; anders als in den Vorwochen gingen sie nun auch im Bereich Fremdwährung etwas zurück. Die Mobilität ist im Bereich der Einkaufsaktivität und von Arbeitsplätzen etwas zurückgegangen, während sie in den Bereichen Verkehr und Aufenthaltsdauer in der eigenen Wohnung weitgehend stagnierte. Das Passagieraufkommen am Flughafen Wien stieg im Vergleich zur Vorwoche deutlich an.

Expansive Signale kommen weiterhin von Indikatoren der industriellen Produktion, wenngleich deren Signale am aktuellen Rand etwas differenzierter sind als in den Wochen zuvor: Der temperaturbereinigte Stromverbrauch ließ sowohl tagsüber als auch in den Nachtstunden leicht nach. Die Arbeitslosigkeit im Bereich des produzierenden Gewerbes ging jedoch sowohl im Vergleich zur Vorwoche als auch zur Vorjahreswoche deutlich zurück. Überdies präsentieren am aktuellen Rand auch die Indikatoren im Transportbereich ein überwiegend positives Bild: Der Schienengütertransport und das Luftfrachtvolumen stiegen abermals deutlich an; auch die Lkw-Fahrleistung zeigt weiterhin kräftige Steigerungen im Vorjahresvergleich, ging jedoch im Wochenvergleich leicht zurück. Weiterhin positive Signale kommen vom Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit sank im Wochenvergleich und auch die Zahl offener Stellen legte weiter kräftig zu.

   

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) ist ein Maß für die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher Basis. Er beruht auf wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Indikatoren. Der Index ist auf die Werte der Veränderungsraten des BIP gegenüber einer entsprechenden Referenzperiode skaliert.

Ab dem 6. April 2021 wird die geschätzte prozentuelle Veränderung der saisonbereinigten realen gesamtwirtschaftlichen Aktivität in einer Kalenderwoche in zwei Varianten dargestellt: Erstens wie bisher als Veränderung gegenüber der Vorjahreswoche und zweitens als Vergleich zu einem durchschnittlichen Wochenwert im Jahr 2019 (fixe Referenzperiode). Diese erweiterte Darstellung soll die Einordnung der Ergebnisse unterstützen. Ab der Kalenderwoche 11 2021, 15. bis 21 März 2021, liegen für den Vorjahresvergleich beide Vergleichswerte in der pandemiebedingten Krisenperiode.

Da der wirtschaftliche Einbruch durch die COVID-19-Pandemie und die strikten behördlichen Restriktionen zu deren Eindämmung im Jahresverlauf 2020 in der ersten Lockdown-Periode, ab 16. März 2020, am stärksten ausfiel und folglich das Vergleichsniveau sehr niedrig ist, ist der prozentuelle Anstieg nach einem Jahr negativer Vorjahresveränderungsraten im Vorjahresvergleich außerordentlich kräftig. Die Berechnung gegenüber einer fixen Referenzperiode 2019 lässt einen Vergleich des aktuellen BIP-Niveaus mit dem Vorkrisenniveau zu.

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Mag. Dr. Josef Baumgartner

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik

Mag. Dr. Christian Glocker, MSc

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Alexander Müller
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