WIFO-Studie zur GKKB

06.12.2018

WIFO-Studie für AK analysiert erstmals die Effekte des EU-Vorschlages zur Harmonisierung der Körperschaftsteuerbasis (GKKB)

WIFO-Steuerexperten Simon Loretz und Margit Schratzenstaller analysieren in einer Studie für die Arbeiterkammer die fiskalischen Effekte des GKKB-Vorschlages der Europäischen Kommission für Österreich. Die zu erwartenden budgetären Effekte einer Harmonisierung der Gewinnermittlungsvorschriften (GKB) für Österreich sind gering. Die Konsolidierung der Gewinne (GKKB) im zweiten Schritt hätte dagegen leichte steuerliche Verluste zur Folge.

Österreich – die Auswirkungen der GKKB auf die österreichischen Körperschaftsteuereinnahmen. Dabei werden die Harmonisierung der Bemessungsgrundlage sowie die Konsolidierung und Formelzerlegung getrennt voneinander analysiert. Zusätzlich gingen die WIFO-Steuerexperten Simon Loretz und Margit Schratzenstaller der Frage nach, wie sich die GKKB auf den Steuerwettbewerb in der EU auswirkt.

Die zu erwartenden budgetären Effekte einer Harmonisierung der Gewinnermittlungsvorschriften (GKB) für Österreich sind gering. Der EU-Richtlinienvorschlag enthält sowohl Regelungen, welche die steuerliche Bemessungsgrundlage verbreitern und damit zu höheren Steuereinnahmen führen würden (z. B. durch die Einführung einer Zinsschranke), als auch solche, die die Bemessungsgrundlage verringern (z. B. durch eine flexiblere Abzinsung von Rückstellungen). Zusätzlich gibt es Regelungen, die den derzeitigen österreichischen sehr ähnlich sind (z. B. die Abschreibung von Anlagegütern). Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich das Körperschaftsteueraufkommen durch die Harmonisierung nur geringfügig ändern wird.

Die Konsolidierung der Gewinne (GKKB) im zweiten Schritt hätte leichte steuerliche Verluste zur Folge. Das liegt daran, dass Österreich von Gewinnverschiebungen innerhalb der EU bislang tendenziell eher profitiert hat (im Gegensatz zu den Gewinnverschiebungen mit der übrigen Welt). Relevant sind auch die Aufteilungsfaktoren. Während eine Aufteilung nach Anzahl der Beschäftigten vor allem osteuropäische Länder bevorzugt, profitiert Österreich vom Aufteilungsfaktor Lohnsumme (der auch die Sozialversicherungsbeiträge enthalten soll).

Abbildung: Auswirkung von Konsolidierung und Formelzerlegung

Q: WIFO.


Die steuerlichen Änderungen haben Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre Entscheidungen. Einerseits verlieren die Unternehmen gewisse Gestaltungsmöglichkeiten bei der Steuerplanung, andererseits profitieren sie von einer massiven Verwaltungsvereinfachung durch die Harmonisierung der Gewinnermittlungsvorschriften. Derzeit müssen multinationale Unternehmen bis zu 28 verschiedene Steuergesetze kennen und befolgen. Nach den Vorschlägen der Europäischen Kommission sollen künftig konzernweit einheitliche Regeln gelten. Für den Vollzug soll nur mehr eine Finanzbehörde zuständig sein (One-Stop-Shop).

Der Steuerwettbewerb in der EU wird durch die Einführung der GKKB nicht beendet, sondern nur verändert. Im neuen System können Unternehmensgewinne nicht mehr beliebig verschoben werden, sondern sind (gemäß Formelaufteilung) am Ort der Wertschöpfung zu versteuern. Das erschwert Gestaltungen erheblich. Anstelle der Gewinne müssen Aktivitäten wie Fabriken, Vertriebsgesellschaften, Lieferketten, usw. verschoben werden, um niedrigere Unternehmenssteuersätze nutzen zu können. Das steigert die Kosten der Verschiebung und verschlechtert dadurch das Kosten-Nutzen-Verhältnis für Gestaltungen. Der Steuerwettbewerb würde dadurch automatisch weniger attraktiv werden.

Gleichzeitig macht die GKKB den Steuerwettbewerb auch transparenter und könnte ihn damit intensivieren. Wegen der unterschiedlichen Gewinnermittlungsvorschriften war es für die Wirtschaft bislang praktisch unmöglich, die effektive Steuerlast an einzelnen Standorten exakt zu ermitteln und zu vergleichen. Das wird künftig kein Problem mehr sein. Bei gleicher Bemessungsgrundlage werden Länder mit niedrigerem Steuersatz künftig noch attraktiver als bisher, der Druck auf Länder mit hohen Steuersätzen damit weiter steigen.

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Dr. Margit Schratzenstaller-Altzinger

Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Stellvertretende Leiterin

Publikationen

Monographien, Wien, Oktober 2018, 97 Seiten
Auftraggeber: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 21.11.2018 0:00
 
Das bestehende System der internationalen Unternehmensbesteuerung sieht für multinationale Unternehmen die getrennte Gewinnbesteuerung in jedem Land ihrer Tätigkeit vor. Dies bringt hohe Verwaltungskosten für Unternehmen und Steuerbehörden und die Möglichkeit von internationaler Gewinnverlagerung mit sich. Um diesen entgegenzuwirken, präsentierte die Europäische Kommission nun eine Neuauflage des Richtlinienvorschlages für eine gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB). Demnach sollen multinationale Konzerne innerhalb der EU die Bemessungsgrundlage für die Körperschaftsteuer einheitlich berechnen. In einem zweiten Schritt soll die unternehmensweite Bemessungsgrundlage konsolidiert und anhand eines Verteilungsschlüssels auf die Mitgliedsländer aufgeteilt werden (Formelzerlegung). Diese Studie untersucht die Auswirkungen dieses Vorschlages auf die fiskalische Situation in Österreich. Wie der Vergleich der harmonisierten Bemessungsgrundlage mit der aktuellen Regelung in Österreich vermuten lässt, wären die statischen fiskalischen Auswirkungen der Einführung einer einheitlichen Bemessungsgrundlage gering. Die Konsolidierung und Formelzerlegung würde einen mäßigen Rückgang der Steuereinnahmen in Österreich bewirken. Der zweite Teil der Studie beschäftigt sich mit längerfristigen Auswirkungen des GKKB-Vorschlages und untersucht die veränderten Anreize für Unternehmen und Steuerwettbewerb. Eine Einführung der GKKB würde den Steuerwettbewerb demnach nicht vollständig eliminieren, sondern vielmehr dessen Natur wesentlich verändern. Der Wettbewerb innerhalb des Geltungsbereiches verlagert sich von Gewinnverschiebung auf Aufteilungsfaktoren. Eine Möglichkeit, diesen Wettbewerb einzuschränken, wären EU-weit verbindliche Mindeststeuersätze.
WIFO-Steuerexperten Simon Loretz (links) und Margit Schratzenstaller (mitte) mit Dominik Bernhofer von der Arbeiterkammer (Foto: AK).
WIFO-Steuerexperten Simon Loretz (links) und Margit Schratzenstaller (mitte) mit Dominik Bernhofer von der Arbeiterkammer (Foto: AK).