Wirtschaftsentwicklung weiterhin träge

09.02.2021

WIFO-Konjunkturbericht Februar 2021

Die heimische Konjunktur entwickelte sich 2020 volatil: Nach einem Einbruch im Frühjahr und einer Erholung während des Sommers sank die Wirtschaftsleistung im IV. Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal. Vorlaufindikatoren deuten auf eine anhaltend träge Dynamik hin: Der WIFO-Konjunkturklimaindex sank im Jänner gegenüber dem Vormonat und das Konsumentenvertrauen ist weiterhin gering.

"Die österreichischen Industrieunternehmen verzeichneten zuletzt zwar wieder vermehrt Auftragseingänge; verglichen mit Deutschland fällt die Bilanz jedoch bescheiden aus. Der hohe Vorlauf des Indikators für Deutschland lässt dennoch auch für Österreich auf eine günstige Entwicklung der Industriekonjunktur hoffen", so der Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Christian Glocker.

Die Zulassung mehrerer Impfstoffe und die in einigen Ländern ab Dezember 2020 durchgeführten Impfungen ließen auf ein Ende der Pandemie hoffen. Trotz hohen und wachsenden Infektionsgeschehens scheint sich die Wirtschaftstätigkeit im Lauf der Zeit an die gesundheitspolitischen Einschränkungen angepasst zu haben.

Laut dem wöchentlichen Konjunkturindex der Notenbank1) lag die Wirtschaftsleistung der USA im Jänner 2021 nur mehr geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres. Die EU-Mitgliedsländer wurden im Herbst 2020 von einer zweiten Welle der Pandemie erfasst, was die wirtschaftliche Entwicklung im IV. Quartal dämpfte. Die Wirtschaftsleistung sank um 0,5% gegenüber dem Vorquartal. Die Vorlaufindikatoren deuten auf eine träge Entwicklung im I. Quartal 2021 hin.

In Österreich ging die Wirtschaftsleistung im IV. Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal um 4,3% zurück; die Auswirkungen der gesundheitspolitischen Maßnahmen waren somit deutlich spürbar. Im Gesamtjahr 2020 sank das BIP saison- und arbeitstagsbereinigt um 7,4%. Der Rückgang ist nachfrageseitig durch die Konsum- und Exportschwäche geprägt; angebotsseitig dämpft vor allem das geringe Aktivitätsniveau in den stark von behördlichen Maßnahmen betroffenen Dienstleistungsbereichen – etwa in Beherbergung, Gastronomie und Handel – die Wirtschaftsleistung.

In der Zusammenschau der Vorlaufindikatoren ergibt sich ein pessimistisches Bild: So sank der WIFO-Konjunkturklimaindex2) im Jänner gegenüber dem Vormonat. Die Unternehmen, vor allem solche im Dienstleistungssektor, beurteilen die aktuelle Lage unverändert skeptisch; ihre Erwartungen fielen pessimistischer aus als noch im Dezember 2020. Infolge der gesundheitspolitischen Maßnahmen rechnen die österreichischen Unternehmen für die nächsten Monaten mehrheitlich mit einer schwachen Entwicklung der Wirtschaft. Das Konsumentenvertrauen stagnierte zuletzt weitgehend; ein Großteil der Teilindizes liegt weiterhin unter dem langjährigen Mittel. Auf eine ungünstige Entwicklung deutet auch der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) hin: Die saisonbereinigte Wirtschaftsaktivität war in der dritten Jännerwoche (Kalenderwoche 3) um 13,6% geringer als in der Vorjahreswoche. Damit setzte sich der negative Trend vom Jahresende 2020 fort. Im Monatsdurchschnitt lag der Indikator im Jänner um 12,6% unter dem Vorjahresmonat; dies bedeutet eine Verschlechterung gegenüber Dezember 2020, als der Rückgang zum Vorjahresmonat noch 8,8% betragen hatte.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie wirken sich erheblich auf den Arbeitsmarkt aus: Die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten war im Jänner nach vorläufigen Schätzungen um 120.000 geringer als im Vorjahr (‑3,2%), die Zahl der beim AMS registrierten Arbeitslosen um rund 113.000 höher (+31,8%). Zusätzlich waren Ende Jänner (31. Jänner 2021) 470.000 Beschäftigte zur Kurzarbeit angemeldet. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote nach nationaler Definition dürfte damit im Jänner bei 9,6% gelegen sein.



1)  Siehe https://www.newyorkfed.org/research/policy/weekly-economic-index#/.

2)  Dieser basiert auf einer vom WIFO monatlich durchgeführten Unternehmensumfrage (WIFO-Konjunkturtest).

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Mag. Dr. Christian Glocker, MSc

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Malcolm Lightbody/Unsplash
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