Klimaschutz als Vorteil für Europa

07.06.2022

Hochkarätige Podiumsdiskussion im Rahmen des ROCHADE-Projektes

Wie funktioniert eine global und regional gerechte Klimapolitik? Darüber diskutierte WIFO-Direktor und WU-Professor Gabriel Felbermayr am 3. Juni 2022 mit Bundesministerin Leonore Gewessler, Eugénia Da Conceição-Heldt (TU München) und Ottmar Edenhofer (TU Berlin, MCC, PIK). Geleitet wurde die Diskussion von ORF-Moderator Marcus Wadsak.

Die oft diskutierte Vereinbarkeit von Wirtschaft und Klimaschutz sei laut WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr "sinnbefreit". "Wirtschaft und Klimaschutz sind kein Gegensatz. Nichtstun ist keine Option, denn das können wir uns garantiert nicht leisten." Man müsse etwa nur an Hungersnöte denken, die durch den Klimawandel verursacht werden.

© Katharina Schiffl
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Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie Leonore Gewessler plädierte dafür, dass der Kampf gegen den Klimawandel auch angesichts des Krieges in der Ukraine nicht aufgeschoben werden könnte. "Im Gegenteil: Wir müssen Wege finden, wie man Klimapolitik auch in einer multiplen Krisensituation durchführen kann."

© Katharina Schiffl
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Ottmar Edenhofer (TU Berlin, MCC, PIK) stimmte dem zu. "Es gilt jetzt die Ukraine-Krise zu nützen, um den European Green Deal voranzutreiben. Bis 2030 müssen Öl und Gasverbrauch bereits zurückgehen. Umso bedauerlicher ist es, dass das Europäische Parlament das zweite Emissionshandelssystem für Straßenverkehr und Gebäude (ETS-2) aufgeweicht hat." Dennoch habe es in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte gegeben. "Klimapolitik muss sozial gerecht sein. Für Klimapolitik gibt es in der EU eine breite Mehrheit über die politischen Parteien hinweg, anders als in den USA. Das ist ein Riesenvorteil für Europa."

© Katharina Schiffl
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Auch für Eugénia Da Conceição-Heldt (TU München) ist die EU bei aller berechtigten Kritik international ein Vorbild. "EU Green Deal, Fit for 55 – die EU hat bewiesen, dass sie schnell und handlungsfähig sein kann." Man müsse jetzt auch bereit sein, mehr Geld für Klimaschutz auszugeben. "Etwa Anreizsysteme für Länder zu schaffen, um Klimaschutz zu betreiben."

© Katharina Schiffl
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Diskutiert wurde am Campus der Wirtschaftsuniversität Wien im Rahmen des Projektes "The Role of Structural Change and Distributional Effects" (ROCHADE). Wirtschaftsuniversität Wien und WIFO waren lokale Partner. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung der Bundesrepublik Deutschland sowie die Österreichische Nationalbank sponsorten die Veranstaltung.

Im Vorfeld der Podiumsdiskussion fand eine englischsprachige, wissenschaftliche ROCHADE-Konferenz statt. Verhindert eine ehrgeizige Klimapolitik wirtschaftliche Entwicklung? Belasten steigende CO2-Preise vor allem arme Haushalte im globalen Süden? Diese Fragen wurden mit führenden internationalen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern diskutiert, die zu Entwicklungs- und Verteilungsauswirkungen von Klimapolitik und der Transformation des globalen Energiesystems forschen.

Rückfragen an

Markus Kiesenhofer, BA, MA

Tätigkeitsbereiche: Stabstelle für Öffentlichkeitsarbeit
© Katharina Schiffl
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