Heimische Konjunktur auf Talfahrt – Unternehmenserwartungen bessern sich

09.06.2020

WIFO-Konjunkturbericht Juni 2020

Österreichs Wirtschaftsleistung sank im I. Quartal 2020 wegen der zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie getroffenen Maßnahmen stark und auf breiter Basis. Wenngleich die Unternehmen die aktuelle Lage weiterhin ungünstig beurteilen, verbesserten sich die Erwartungsindikatoren.

"In Österreich hatten die Angebotsbeschränkungen und der Nachfrageeinbruch im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie eine massive Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität zur Folge. Die Unternehmenserwartungen verbesserten sich zuletzt", so der Autor des aktuellen WIFO-Konjunturberichtes Christian Glocker.

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie beeinträchtigte die Weltwirtschaft und den Handel erheblich. Nachdem die Weltwirtschaft bereits seit Ende 2019 an Dynamik verloren hatte, wurde der Abschwung infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie deutlich verstärkt. Das BIP der USA schrumpfte im I. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1,3% und jenes der EU-Länder um 3,3%.

Auch in Österreich hatten die Angebotsbeschränkungen und der Nachfrageeinbruch eine massive Verringerung der Wirtschaftsleistung zur Folge (saison- und arbeitstagbereinigt gemäß Eurostat: I. Quartal 2020 –2,6% gegenüber dem Vorquartal). Die im Inland und im Ausland zur Eindämmung der Pandemie gesetzten Maßnahmen beeinträchtigten die wirtschaftliche Aktivität in Österreich auf breiter Basis. Betroffen waren zum einen viele konsumnahe Dienstleistungsbranchen, die ihre Geschäftstätigkeit zum Teil einstellen oder weitgehend einschränken mussten. Auch die Exporte gingen empfindlich zurück. Die Industrieproduktion unterschritt den Stand des Vorjahresmonats um 12,5%. Neben dem Nachfrageausfall erschwerten vor allem die Grenzschließungen die Zulieferung von Vor- und Zwischenprodukten.

Die Vorlaufindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest zeigen abermals eine überwiegend negative Einschätzung der aktuellen Lage. Im Gegensatz dazu verbesserten sich jedoch die Unternehmenserwartungen zuletzt – nach dem historischen Einbruch im April stieg der Index der unternehmerischen Erwartungen nun im Mai.

Die Auswirkungen der Abwehrmaßnahmen gegen die Pandemie treffen den Arbeitsmarkt erheblich. Wenngleich sich im Mai die Lage auf dem Arbeitsmarkt ausgehend von einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit etwas entspannte, ist die Situation insgesamt weiterhin prekär. Die Arbeitslosenquote liegt nach wie vor über ihrem bisherigen Höchstwert. Im Mai war die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten nach vorläufigen Schätzungen um 162.000 niedriger als im Vorjahr (–4,4%), nach –185.900 im April. Die Zahl der beim AMS registrierten Arbeitslosen war im Mai um 194.350 höher als im Vorjahr (+69,7%), einschließlich Personen in Schulungen um 174.100 (+50,7%). Die Arbeitslosenquote war damit nach nationaler Definition im Mai (gemäß vorläufigen Schätzungen) mit 11,5% um 4,7 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor.

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Mag. Dr. Christian Glocker, MSc

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Leo Fosdal/Unsplash
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