Bürokratieabbau im Dienstleistungshandel

30.08.2019

Neues WIFO Working Paper von Kern, Paetzold und Winner

Kosten und Nutzen von internationalen Handelsverflechtungen werden momentan kontroversiell diskutiert. Während sich ein Großteil dieser Diskussion um den Handel von Gütern und der Wirkung von Zöllen dreht, fokussieren sich die Milena Kern, Jörg Paetzold und Hannes Winner in ihrer aktuellen Forschungsarbeit auf den Dienstleistungshandel.

Dienstleistungen spielen eine zentrale Rolle in entwickelten Volkswirtschaften, und tragen rund 70% zum Bruttoinlandsprodukt von vielen europäischen Ländern bei (Eurostat, 2018). Der Handel mit Dienstleistungen ist jedoch häufig noch unterentwickelt, was weniger mit Zöllen oder Transportkosten, sondern mehr mit Regulierungen und Vorschriften bezüglich der grenzüberschreitenden Erbringung von Dienstleistungen zu tun hat. Um bürokratische Hürden beim Dienstleistungshandel zu reduzieren und den Gemeinsamen Markt herzustellen, verabschiedete die EU Richtlinie 2006/123/EG über Dienstleistungen im Binnenmarkt (auch "Europäische Dienstleistungsrichtlinie" genannt). Diese sieht eine Vereinfachung der Verwaltungsverfahren bezüglich der Aufnahme und Ausübung von Tätigkeiten im Bereich der grenzüberschreitenden Dienstleistungserbringung vor.

Mehr als 10 Jahre nach der Implementierung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie untersucht dieses WIFO Working Paper mittels neu zugänglicher Daten die Auswirkungen dieser Richtlinie auf den grenzüberschreitenden Dienstleistungshandel in Europa. Kern, Paetzold und Winner verwenden dabei ein Gravitationsmodell kombiniert mit einem Differenz-von-Differenzen-Ansatz, und nutzen dabei die Tatsache, dass manche Wirtschaftszweige und Länder von der Richtlinie nicht betroffen waren. Ihre Schätzungen zeigen, dass durch die Richtlinie der innereuropäische Handel in den betroffenen Dienstleistungssektoren im Schnitt zwischen 27% und 55% gestiegen ist, was einem BIP-Anstieg zwischen 0,35% und 1,04% entspricht. Des Weiteren wurden signifikante Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Sektoren festgestellt. Schließlich wird gezeigt, dass die länderspezifische Tiefe und Qualität der Implementierung der Dienstleistungsrichtlinie von Bedeutung ist, wobei Länder mit einer vollständigen und umfassenden Umsetzung die größten Steigerungen im Dienstleistungshandel erfuhren.
 

Publikationen

WIFO Working Papers, 2019, (584), 38 Seiten
Online seit: 30.07.2019 0:00
Trade in services is often hampered by domestic administrative barriers, even when countries are members of the same regional trade agreement. We exploit a large reform in the European Union (the EU Service Directive) aimed at reducing such administrative hurdles in cross-border service provision to estimate its effects on service trade. We employ a difference-in-difference strategy and a Pseudo Poisson Maximum Likelihood (PPML) panel approach to estimate gravity equations with multiple fixed effects. On average, the reform increased intra-EU trade in targeted services between a lower bound of 27 percent and an upper bound of 55 percent, translating into an overall welfare increase between 0.35 and 1.04 percent. This effect of the reform on service trade is corroborated by several robustness and placebo checks. Finally, a disaggregated analysis reveals significant differences between countries and service sectors.
Rückfragen an

Univ.-Prof. Dr. Hannes Winner

Funktion: Konsulent
Forschungsbereiche: Strukturwandel und Regionalentwicklung
© Drew Beamer/Unsplash
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