Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

03.08.2021

WWWI: 29. Kalenderwoche 2021

Die wöchentliche wirtschaftliche Aktivität gemäß WWWI liegt in der Kalenderwoche 29 (19. bis 25. Juli 2021) nach vorläufiger Berechnung um 0,7% über dem Vorkrisenniveau, einer Durchschnittswoche im Jahr 2019 als fixe Referenzperiode. Sie verbesserte sich damit gegenüber der Vorwoche um 0,4 Prozentpunkte. Im Vergleich zur selben Kalenderwoche im Vorjahr ist das BIP aktuell um 5,9% höher.

Information zur Veröffentlichung des WWWI: Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex wird künftig 14-tägig auf der Website des WIFO veröffentlicht. Aktuell wurden die zusätzlichen Beobachtungen für die Kalenderwochen 28 und 29 in die Analyse miteinbezogen.

In der jüngsten Rechnung wurde die Schnellschätzung zur VGR für das II. Quartal 2021 berücksichtigt und der WWWI sowie die Teilaggregate im Zeitraum von der 13. bis zur 28. Kalenderwoche entsprechend revidiert.

Die Bestimmungsfaktoren des WWWI zeichnen auch in der Kalenderwoche 29 ein uneinheitliches Bild. Die Kreditkartenumsätze liegen in Summe etwas unter dem Niveau der Vorwoche. Bei den bargeldlosen Transaktionen mit Vertragspartnern verzeichneten die Gastronomie und das Beherbergungsgewerbe einen Anstieg gegenüber der Vorwoche, während sich beim Einzelhandel und im Veranstaltungswesen ein Umsatzrückgang ergab. Das Passagieraufkommen auf dem Flughafen Wien nahm weiter zu und auch die Google-Mobilität stieg zum Teil merklich, insbesondere im Bereich Erholung und Freizeit. Für die Industrie zeigt sich zwar weiterhin ein günstiges, aber nicht mehr so dynamisches Bild wie in den Vorwochen. Die Lkw-Fahrleistung schwächte sich sowohl in Deutschland als auch in Österreich etwas ab, der Schienengütertransport und die Luftfracht nahmen hingegen leicht zu. Vom Arbeitsmarkt kommen für alle Branchen weiterhin positive Signale. Die Arbeitslosigkeit wird nach wie vor abgebaut, wenngleich sich das Tempo der Verbesserung verlangsamt hat. Auch die Zahl offener Stellen steigt nun etwas gebremst, liegt jedoch auf äußerst hohem Niveau.

Mit dem Beginn der Feriensaison ab den Kalenderwochen 26 und 27 zeigte sich eine weitere Zunahme der privaten Konsumausgaben. In den Folgewochen blieb die Konsumlücke gegenüber dem Vorkrisenniveau nahezu unverändert bei rund 2,5%. Die Nachfrage nach Dienstleistungen nahm in der Kalenderwoche 29 im Vergleich zur Vorwoche urlaubsbedingt vor allem im Bereich Gastronomie und Beherbergung zu. Zunehmende Auslandsaufenthalte der österreichischen Bevölkerung steigern die Reiseverkehrsimporte weiter kräftig, umgekehrt nehmen auch die Reiseverkehrsexporte zu. Der Netto-BIP-Beitrag des Reiseverkehrs relativ zum Vorkrisenniveau verbesserte sich auf –0,5 Prozentpunkte. Im Einklang mit der Erholung der internationalen Konjunktur liegen die Warenexporte weiter über dem Vorkrisenniveau. Die anhaltende Steigerung der wirtschaftlichen Aktivität spiegelt sich auch in einer kontinuierlichen Zunahme der Warenimporte. Der Außenbeitrag des Warenhandels ist nach wie vor positiv, verringerte sich aber geringfügig. In der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung zeigt sich im Vergleich zur Vorwoche ein Zuwachs. Die Güterproduktion und Bauwirtschaft entwickeln sich weiterhin robust. Laut dem aktuell bis Mai vorliegenden monatlichen Produktionsindex von Statistik Austria und den bis Juli laut WIFO-Konjunkturtest verfügbaren Erwartungsindikatoren in der Industrie dürfte das Produktionsniveau in der Herstellung von Waren im Mai einen Höhepunkt erreicht haben.

 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) ist ein Maß für die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher Basis. Er beruht auf wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Indikatoren. Der Index ist auf die Werte der Veränderungsraten des BIP gegenüber einer entsprechenden Referenzperiode skaliert.

Ab dem 6. April 2021 wird die geschätzte prozentuelle Veränderung der saisonbereinigten realen gesamtwirtschaftlichen Aktivität in einer Kalenderwoche in zwei Varianten dargestellt: Erstens wie bisher als Veränderung gegenüber der Vorjahreswoche und zweitens als Vergleich zu einem durchschnittlichen Wochenwert im Jahr 2019 (fixe Referenzperiode). Diese erweiterte Darstellung soll die Einordnung der Ergebnisse unterstützen. Ab der Kalenderwoche 11 2021, 15. bis 21 März 2021, liegen für den Vorjahresvergleich beide Vergleichswerte in der pandemiebedingten Krisenperiode.

Da der wirtschaftliche Einbruch durch die COVID-19-Pandemie und die strikten behördlichen Restriktionen zu deren Eindämmung im Jahresverlauf 2020 in der ersten Lockdown-Periode, ab 16. März 2020, am stärksten ausfiel und folglich das Vergleichsniveau sehr niedrig ist, ist der prozentuelle Anstieg nach einem Jahr negativer Vorjahresveränderungsraten im Vorjahresvergleich außerordentlich kräftig. Die Berechnung gegenüber einer fixen Referenzperiode 2019 lässt einen Vergleich des aktuellen BIP-Niveaus mit dem Vorkrisenniveau zu.

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Mag. Dr. Josef Baumgartner

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik

Mag. Dr. Christian Glocker, MSc

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Alexander Müller
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