Themenplattform "Grüne Transformation und Energiesysteme"

Die "Themenplattformen" des WIFO bündeln die Forschung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu gemeinsamen wirtschaftlich und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. In ihrer Funktion als Informationsdrehscheibe bieten sie den direkten Zugang zu den relevanten WIFO-Publikationen und den Kontakt zu den jeweiligen Experten und Expertinnen.
© vegefox.com/stock.adobe.com

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Auf der Themenplattform "Grüne Transformation und Energiesysteme" werden Forschungsarbeiten aus allen Forschungsbereichen des WIFO zu diesem Thema gebündelt, die oftmals auch gemeinsam mit anderen Institutionen in interdisziplinären Teams durchgeführt werden.

Ein zentraler Bereich widmet sich der Frage, welche Politikinstrumente für eine Steuerung der Transformation erforderlich sind bzw. wie genau sie gestaltet werden sollen, um Synergien zwischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielsetzungen auszuschöpfen und Trade-offs zu minimieren. Welche Maßnahmen müssen gesetzt werden, um nicht nur die Reduktionsziele von Treibhausgasemissionen zu erreichen, sondern auch potentielle negative Folgen für vulnerable Gruppen zu vermeiden und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Unternehmen zu erhöhen?

Ein weiterer Fokus der WIFO-Arbeiten liegt auf den Auswirkungen der Transformation unterschiedlicher Wirtschaftsbereiche und den Analysen makroökonomischer Effekte einer Kreislaufwirtschaft oder einzelner Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen auf nationaler bzw. regionaler Ebene.

Die Grüne Transformation erfordert auch die Implementierung adäquater Monitoringsysteme, die nicht im herkömmlichen BIP enthaltene Aspekte für Nachhaltigkeit und Lebensqualität abbilden (dazu gehören auch Indikatoren, die unter "Beyond GDP" subsumiert werden können). Relevante Arbeiten des WIFO in diesem Bereich umfassen z. B. die Entwicklung, Operationalisierung und Prognose (und nicht zuletzt das "Nowcasting") von Indikatoren für eine nachhaltige Entwicklung.

Die Grüne Transformation stellt eine der größten sozioökonomischen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte dar. Eine Senkung der Treibhausgasemissionen im Einklang mit den klimapolitischen Zielsetzungen (z. B. dem Reduktionsziel von Treibhausgasemissionen der EU von 55% für 2030 oder den Dekarbonisierungszielen in Österreich bis 2040 und EU-weit bis 2050) erfordert Umwälzungen und Maßnahmen in allen Bereichen der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft. Diese umfassen sowohl die Erhöhung der Energie- und Ressourceneffizienz (auch im Sinne einer Kreislaufführung), einen Umstieg zu erneuerbaren Energieträgern als auch Änderungen im Lebensstil.

Die Transformation stellt eine Herausforderung für Unternehmen und private Haushalte dar, wobei die zu erwartenden Veränderungen hier signifikant variieren. Das gilt sowohl für verschiedene Wirtschaftsbereiche, mit unterschiedlichen direkten und indirekten Betroffenheiten durch Klimapolitik und ungleichen Voraussetzungen für die Reduktion von Treibhausgasemissionen, als auch für verschiedene Bevölkerungsgruppen, z. B. in Abhängigkeit von ihrem Einkommen, ihrer Wohnsituation oder anderen sozioökonomischen Faktoren. Für die Transformation ist ein breiter Instrumentenmix erforderlich, der sowohl marktbasierte Instrumente (z. B. CO2-Bepreisung, d. h. Besteuerung und Emissionshandel, Förderung erneuerbarer Energien) als auch ordnungspolitische Maßnahmen (z. B. ein Verbot fossiler Heizsysteme) sowie Informations- und Kommunikationsmaßnahmen umfasst.

Fossile Energieträger zeichnen für einen Großteil der anthropogenen Treibhausgasemissionen in Österreich und der EU verantwortlich. Der Neugestaltung der Energiesysteme kommt im Rahmen der Grünen Transformation dementsprechend eine Schlüsselrolle zu. Die Energiepreise sind 2021 bereits deutlich angestiegen, durch den Krieg in der Ukraine hat sich dieser Trend noch einmal deutlich verstärkt. Während Erdgas bislang als eine Brückentechnologie in der Dekarbonisierung von Energiebereitstellung und Industrie galt, liegt der Fokus nun auf einem frühzeitigen Ausstieg aus dieser Energieform (bzw. der Diversifizierung von Bezugsquellen), um Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.


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