Kräftige Erholung in den tourismusintensiven Bundesländern

20.09.2022

Regionale Konjunkturentwicklung im I. Quartal 2022

Nach den erheblichen wirtschaftlichen Einbrüchen infolge des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie ab dem Jahr 2020 zeigten die regionalen Konjunkturindikatoren für das Frühjahr 2022 eine markante konjunkturelle Erholung in allen Bundesländern. Die wirtschaftliche Erholung fiel in den tourismusintensiven Bundesländern am kräftigsten aus. Das wieder aufhellende konjunkturelle Umfeld äußerte sich im Frühjahr 2022 mit entsprechend kräftigen Zuwächsen in der unselbständigen Beschäftigung, sowie Rückgängen in der Arbeitslosigkeit.

V-förmige Erholung im Tourismus

Die Konjunktur in den österreichischen Bundesländern wurde im Frühjahr 2022 in vielen Bereichen von den ökonomischen Verwerfungen im Vorjahr bestimmt. Dies betrifft insbesondere die durch die COVID-19-Pandemie verursachten Einbrüche in der Tourismuswirtschaft. So brach im I. Quartal 2021 die Anzahl der Nächtigungen (gegenüber dem Vorjahr) insgesamt um ‑93,6% ein, mit besonders empfindlichen Einbußen in tourismusintensiven Bundesländern. Entsprechend markant zeigten sich im I. Quartal 2022 die starken Gegenbewegungen insbesondere in den Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Salzburg. Gemäß aktuellen WIFO-Schätzungen dürfte sich die seit Ausbruch der Pandemie entstandene Nachfragelücke im Tourismus in der Sommersaison 2022 jedoch weitgehend schließen und dem Vorkrisenniveau annähern. Durch die schwächere Nachfrageentwicklung bei international Reisenden dürfte der größte Aufholbedarf in den Bundesländern Wien und Niederösterreich bestehen.

Regionale Arbeitsmärkte von der Dynamik im Tourismus bestimmt

Durchaus ähnliche Muster – allerdings in deutlich abgeschwächter Form – zeigten sich auch auf den regionalen Arbeitsmärkten. Nach den pandemiebedingten Rückgängen in den beiden Vorjahren legte die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten in Österreich im Frühjahr um +5,1% zu. Auch in der Beschäftigungsentwicklung zeigt sich somit ein klar spiegelbildlicher Verlauf gegenüber dem Vorjahr, mit besonders hohen Zuwächsen in den tourismusintensiven Bundesländern der Westregion (allen voran in Tirol mit +13,0% im I. Quartal 2022, nach ‑8,1% im Vorjahresquartal).

Hochkonjunktur in der Industrieproduktion mit besonders kräftiger Dynamik in Niederösterreich, Kärnten und Salzburg

Nach zwei Jahren konnten die COVID-19-bedingten Einbrüche der realen Warenproduktion im I. Quartal 2022 überwunden werden. Mit +8,1% im I. Quartal 2022 – sowie bereits +3,8% in der Vorjahresperiode – kann das Niveau des Vorkrisenjahres 2019 doch deutlich übertroffen werden (+5,6% im Vergleich zum I. Quartal 2019). Ähnliches gilt für die Wertschöpfung in der Warenherstellung, auch wenn hier die aktuelle Dynamik etwas verhaltener ausfällt. Im Frühjahr 2022 zeigten sich in allen Bundesländern überwiegend kräftige Produktionszuwächse, wenn auch mit deutlichen regionalen Unterschieden: Ein besonders kräftiger (nomineller) Umsatzanstieg im Vorjahresvergleich konnte in den Bundesländern Niederösterreich (+31,3%), Salzburg (+29,5%) und Kärnten (+24,6%) verzeichnet werden. Der bedeutsamste Wachstumstreiber in Niederösterreich war dabei die Mineralölverarbeitungsindustrie (insbesondere aufgrund des aktuellen Höhenfluges der Rohstoffpreise). Die mit Abstand höchsten Wachstumsbeiträge in Kärnten stammten hingegen von dessen Hochtechnologie, während im Bundesland Salzburg überwiegend die Getränkeherstellung für die hohen Zuwächse verantwortlich war.
  

Publikationen

Die Wirtschaft in den Bundesländern, 2022, (1), 70 Seiten
Online seit: 31.08.2022 0:00
 
Die regionalen konjunkturellen Verläufe waren im I. Quartal 2022 maßgeblich von den pandemiebedingten wirtschaftlichen Verwerfungen des Vorjahres geprägt. Es zeigte sich daher besonders in den tourismusintensiven Bundesländern eine kräftige Aufholdynamik. Das wieder aufhellende konjunkturelle Umfeld äußert sich mit Zuwächsen in der Beschäftigung sowie Rückgängen in der Zahl der Arbeitslosen auf den regionalen Arbeitsmärkten.
Rückfragen an

Philipp Piribauer, PhD

Forschungsbereiche: Strukturwandel und Regionalentwicklung
© Nicole Baster/Unsplash
© Nicole Baster/Unsplash