Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

06.12.2021

WWWI: 46. und 47. Kalenderwoche 2021

Mit dem Wirksamwerden des vierten österreichweiten Lockdown für die gesamte Bevölkerung (ab 22. November, Kalenderwoche 47) fiel die wöchentliche wirtschaftliche Aktivität gemäß WWWI wieder markant. Nach vorläufiger Berechnung lag der Indikator für das BIP in den Kalenderwochen 46 und 47 (15. bis 28. November 2021) um 1,2% bzw. 5,7% unter dem Vorkrisenniveau, einer Durchschnittswoche im Jahr 2019 als fixe Referenzperiode.

Information zur Veröffentlichung des WWWI: Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex wird künftig 14-tägig auf der Website des WIFO veröffentlicht. Aktuell wurden die zusätzlichen Beobachtungen für die Kalenderwochen 42 und 43 in die Analyse miteinbezogen.

Der Rückgang um 4½ Prozentpunkte in der Kalenderwoche 47 ist in erster Linie auf kräftige Wertschöpfungseinbußen in den vom vierten Lockdown betroffenen Dienstleitungssektoren zurückzuführen. Im Vergleich zur selben Kalenderwoche im Vorjahr war das BIP in den Kalenderwochen 46 und 47 noch um 8,4% bzw. 4,3% höher. Dies ergibt sich zum einem durch einen Basiseffekt, da der zweite Lockdown 2020 bereits Anfang November begonnen hatte und zum anderen durch das im Herbst 2021 im Vergleich zum Vorjahr höhere wirtschaftliche Aktivitätsniveau in den nicht unmittelbar von Schließungen betroffenen Wirtschaftsbereichen.

Die vorliegende Berechnung des WWWI berücksichtigt die kürzlich von Statistik Austria veröffentlichte vierteljährliche Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) bis zum III. Quartal 2021 sowie Statistiken zu den Gästenächtigungen und den Einzelhandelsumsätzen für Oktober 2021. Die sich in der Quartalsrechnung ergebende Aufwärtsrevision des BIP führt zu einer Neuschätzung des WWWI seit Jahresbeginn 2021.

Die Bestimmungsfaktoren des WWWI sind insbesondere in der Kalenderwoche 47 vom neuerlichen Lockdown geprägt. Während die bargeldlosen Umsätze für den Einzelhandel und den privaten Konsum aufgrund von weihnachtlichen Vorziehkäufen (sehr starker Samstagsumsatz am letzten Geschäftstag vor dem Inkrafttreten des vierten Lockdown) in der Kalenderwoche 46 noch gestiegen waren, kam es in der Kalenderwoche 47 (vierter Lockdown ab 22. November 2021) zu einem deutlichen Einbruch. Die verschärften Eindämmungsmaßnahmen spiegeln sich auch in einem merklichen Rückgang der Personenmobilität in allen öffentlichen Räumen. Insbesondere in den Bereichen Handel und Freizeit sowie an Verkehrsstationen sanken die Google-Mobilitätsindikatoren signifikant, wenngleich nicht so stark wie in der "harten" Phase des zweiten Lockdown im November 2020. Ebenso nahm das Passagieraufkommen auf dem Flughafen Wien gegenüber der ersten Novemberhälfte deutlich ab. Die Transportindikatoren für den österreichischen Güterverkehr entwickelten sich heterogen. Der temperaturbereinigte Stromverbrauch stagnierte, die Stickstoffdioxid-Emissionen an Messstationen in der Nähe von Industrieanlagen nahmen ab. Die Zahl der Arbeitssuchenden verzeichnet im Wochendurchschnitt bereits seit der Kalenderwoche 43 (letzte Oktoberwoche) merkbare Anstiege gegenüber den Vorwochen, was zum einen auf übliche saisonale Effekte und zum anderen auf die behördlichen Eindämmungsmaßnahmen zurückzuführen ist. Betroffen waren davon vor allem die Bereiche Beherbergung und Gastronomie, Bauwesen und sonstige Dienstleistungen. In der Kalenderwoche 47 kam es auch in allen anderen Wirtschaftsbereichen zu einer deutlichen Zunahme. Das Stellenangebot nahm seit dem Höhepunkt in der Kalenderwoche 36 spürbar ab, liegt jedoch weiterhin auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau.

Nachdem die privaten Konsumausgaben bereits in der Kalenderwoche 45 mit dem Beginn der Einschränkungen für Ungeimpfte (Lockdown für Ungeimpfte – 2-G-Regel) um 1,6 Prozentpunkte gefallen waren, setzte sich dieser Rückgang in der Folgewoche abgeschwächt fort (zusätzlich Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte). Der ab der Kalenderwoche 47 geltende vierte Lockdown für die gesamte Bevölkerung führte zu einem markanten Einbruch um fast 10 Prozentpunkte auf rund 12% unter das Vorkrisenniveau. Auch bei den Reiseverkehrsexporten und -importen kam es zu einem starken Rückgang. Der BIP-Beitrag netto des Reiseverkehrs bezogen auf das Vorkrisenniveau verschlechterte sich auf rund –2,4 Prozentpunkte, da die Exporte etwas kräftiger sanken. Der Warenaußenhandel liefert ebenso wie die Investitionen kaum einen Beitrag zum BIP-Wachstum. Die markante Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik spiegelt sich entstehungsseitig insbesondere in der Wertschöpfung der Dienstleistungsbereiche. In der Beherbergung und Gastronomie nahm die Aktivität im Vergleich zur Periode ohne Einschränkungsmaßnahmen (Kalenderwochen 43 und 44) um 55 Prozentpunkte ab und liegt aktuell bei rund 16% des Vorkrisenniveaus. Im Handel betrug der Rückgang gegenüber der Vergleichsperiode 4,5 Prozentpunkte, in den sonstigen Dienstleistungen, die u. a. persönliche Dienstleistungen enthalten, 20,5 Prozentpunkte. In diesen drei Bereichen fällt der geschätzte Wertschöpfungsverlust durch den Lockdown heuer stärker aus als im Vorjahr, da die wirtschaftliche Aktivität durch die Beschränkungen von einem höheren Ausgangsniveau eingebremst wird. Auf die Güterproduktion, die Bauwirtschaft und die unternehmensnahen Marktdienstleistungen zeigt der neuerliche Lockdown keinen nennenswerten Einfluss. Letzteres bewirkt auch, dass der negative BIP-Effekt des vierten Lockdown (–5¼ Prozentpunkte) etwas schwächer ausfällt als im zweiten Lockdown im November des Vorjahres (–6 Prozentpunkte).

 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) ist ein Maß für die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher Basis. Er beruht auf wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Indikatoren. Der Index ist auf die Werte der Veränderungsraten des BIP gegenüber einer entsprechenden Referenzperiode skaliert.

Ab dem 6. April 2021 wird die geschätzte prozentuelle Veränderung der saisonbereinigten realen gesamtwirtschaftlichen Aktivität in einer Kalenderwoche in zwei Varianten dargestellt: Erstens wie bisher als Veränderung gegenüber der Vorjahreswoche und zweitens als Vergleich zu einem durchschnittlichen Wochenwert im Jahr 2019 (fixe Referenzperiode). Diese erweiterte Darstellung soll die Einordnung der Ergebnisse unterstützen. Ab der Kalenderwoche 11 2021, 15. bis 21 März 2021, liegen für den Vorjahresvergleich beide Vergleichswerte in der pandemiebedingten Krisenperiode.

Da der wirtschaftliche Einbruch durch die COVID-19-Pandemie und die strikten behördlichen Restriktionen zu deren Eindämmung im Jahresverlauf 2020 in der ersten Lockdown-Periode, ab 16. März 2020, am stärksten ausfiel und folglich das Vergleichsniveau sehr niedrig ist, ist der prozentuelle Anstieg nach einem Jahr negativer Vorjahresveränderungsraten im Vorjahresvergleich außerordentlich kräftig. Die Berechnung gegenüber einer fixen Referenzperiode 2019 lässt einen Vergleich des aktuellen BIP-Niveaus mit dem Vorkrisenniveau zu.

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Mag. Dr. Josef Baumgartner

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Alexander Müller
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