Die Wirtschaft in den Bundesländern 2019

13.07.2020

WIFO-Monatsberichte: Verschiebung regionaler Wachstumsmuster durch Konjunkturabkühlung

Die Bundesländer mit stärker vom Dienstleistungssektor geprägter Wirtschaftsstruktur waren 2019 durch die zunehmend konsumgestützte Konjunktur begünstigt. Die 2018 beobachteten Wachstumsvorteile der Bundesländer mit stärker von der Industrie geprägter Wirtschaftsstruktur lösten sich damit 2019 weitgehend zugunsten der stärker dienstleistungsorientierten Länder auf.

Einzig die Steiermark durchbrach im abgelaufenen Jahr merklich dieses Muster, sie wies 2019 das höchste Wirtschaftswachstum auf. In allen Bundesländern außer dem Burgenland verlangsamte sich das Wachstum 2019 gegenüber 2018. Alle neun Bundesländer verzeichneten 2019 jedoch nochmals eine deutliche Steigerung der realen Bruttowertschöpfung und Beschäftigung.

Das Wachstum der Sachgüterproduktion verlor 2019 in allen Bundesländern an Dynamik, während sich Bauwirtschaft und Dienstleistungssektor großteils robust entwickelten: Das Nächtigungsplus im Tourismus war in den nördlichen und östlichen Bundesländern deutlich höher als in den tourismusintensiven alpinen Regionen und schwächte sich trotz neuer Höchstwerte gegenüber 2018 insgesamt bereits etwas ab. Der stationäre Einzelhandel erzielte im Jahr 2019 eine leichte reale Umsatzsteigerung von 0,2% (2018 –0,5%). In der Südregion wuchsen die Umsätze dabei am stärksten. Die wissensintensiven Dienstleistungen zeigten 2019 in weiten Teilen des Landes sogar ein beschleunigtes Beschäftigungswachstum.

Insgesamt verlangsamte sich das Beschäftigungswachstum im Jahr 2019 jedoch in allen Bundesländern gegenüber 2018. Allerdings konnten alle Bundesländer die Beschäftigung 2019 noch einmal ausweiten. Am stärksten war der Beschäftigungszuwachs dabei mit +1,9% in Wien. Spiegelbildlich war die Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern rückläufig und lag in den meisten Ländern deutlich unter dem Niveau von 2018. Die Westregion verzeichnete abermals die niedrigste Arbeitslosenquote. Am geringsten war diese mit 4,5% in Tirol.

Der Ausblick auf das Jahr 2020 ist auch weiterhin von der COVID-19-Krise geprägt. Das Ausmaß der Krise lässt sich derzeit noch immer nicht endgültig abschätzen. Dasselbe gilt für die mittel- bis langfristigen Auswirkungen auf regionaler Ebene. In der Phase des Lockdowns waren die am stärksten vom Tourismus geprägten Bundesländer Salzburg und Tirol überdurchschnittlich betroffen, während die Unterschiede zwischen den anderen Bundesländern lauf Einschätzung des WIFO vergleichsweise gering ausgefallen sein dürften. Im weiteren Jahresverlauf hängt die regionale Betroffenheit von einer Reihe von Faktoren ab, die noch nicht endgültig abgeschätzt werden können, u. a. von der Entwicklung des (grenzüberschreitenden) Tourismus, von möglichen regional differenzierten Maßnahmen zur Eindämmung von Infektionsclustern, sowie von der Tiefe der weltweiten Rezession und ihren Auswirkungen auf Produktion und Exporte.
 

Publikationen

WIFO-Monatsberichte, 2020, 93(6), S.461-478
Online seit: 02.07.2020 17:00
 
Hatten im Jahr 2018 die Bundesländer mit stärker von der Industrie geprägter Wirtschaftsstruktur von Wachstumsvorteilen profitiert, so verlagerten sich diese 2019 weitgehend zugunsten der stärker dienstleistungsorientierten Länder. Dieses Muster wurde nur von der Steiermark durchbrochen, die laut WIFO-Schnellschätzung 2019 das höchste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer aufwies. Die Beschäftigungsentwicklung verlor parallel zur Entwicklung der Wertschöpfung an Dynamik, blieb jedoch in allen Bundesländern positiv.
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Mag. Dr. Matthias Firgo

Forschungsbereiche: Strukturwandel und Regionalentwicklung

Julia Bachtrögler-Unger, PhD

Forschungsbereiche: Strukturwandel und Regionalentwicklung

Mag. Dr. Oliver Fritz

Forschungsbereiche: Strukturwandel und Regionalentwicklung

Mag. Dr. Peter Huber

Forschungsbereiche: Strukturwandel und Regionalentwicklung

Dr. Michael Klien

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische WirtschaftspolitikStrukturwandel und Regionalentwicklung

Philipp Piribauer, PhD

Forschungsbereiche: Strukturwandel und Regionalentwicklung
© Dimitry Anikin/Unsplash
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