{"id":149270,"date":"2024-03-21T06:30:49","date_gmt":"2024-03-21T05:30:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wifo.ac.at\/publication\/149270\/"},"modified":"2024-11-07T02:46:15","modified_gmt":"2024-11-07T01:46:15","slug":"reinhard-kamitz-%e2%80%a0","status":"publish","type":"publication","link":"https:\/\/www.wifo.ac.at\/en\/publication\/149270\/","title":{"rendered":"Reinhard Kamitz \u2020"},"content":{"rendered":"","protected":false},"featured_media":0,"template":"","class_list":["post-149270","publication","type-publication","status-publish","hentry"],"acf":{"subtitle":"","text":"Mit Reinhard Kamitz ist einer der profiliertesten Wirtschaftspolitiker der \u00f6sterreichischen Nachkriegszeit verstorben. Er wird vielfach als der \"Vater des \u00f6sterreichischen Wirtschaftswunders\" bezeichnet, und wenngleich noch manche andere Einfl\u00fcsse f\u00fcr dessen Zustandekommen ma\u00dfgeblich waren, hat Kamitz dieses in erheblichem Ma\u00dfe gestaltet. In seiner Funktion als Finanzminister vollzog er den endg\u00fcltigen \u00dcbergang von der nachkriegsbedingten Wirtschaftsplanung zur Marktwirtschaft. Im Gegensatz zu den meisten anderen europ\u00e4ischen Industriestaaten versuchte \u00d6sterreich das Gleichgewicht zwischen G\u00fcter- und Geldmenge in mehreren Schritten herzustellen. Instrument dieser Politik waren die \"Preis-Lohnabkommen\" zwischen den Sozialpartnern unter Einschlu\u00df der Regierung. Kamitz war als Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung in der Bundeshandelskammer ein \u00fcberzeugter Vertreter dieses Ansatzes. Allerdings, als die Reglementierung zum Selbstzweck zu werden drohte und die Inflation eher f\u00f6rderte als sie zu beenden, trat er nicht nur f\u00fcr einen endg\u00fcltigen \u00dcbergang zur marktwirtschaftlichen Koordination ein, sondern realisierte diese auch als Finanzminister. Wesentlich f\u00fcr die Intensit\u00e4t der damit folgenden Wachstumsphase wurde das umfassende wirtschaftspolitische Konzept, mit welchem Kamitz die Funktionsf\u00e4higkeit der Marktwirtschaft nach den Sch\u00e4den der Kriegs- und Nachkriegszeit sicherstellte. Er initiierte eine Reihe von Gesetzen, welche die Wirtschaftsentwicklung w\u00e4hrend seiner Amtsperiode f\u00f6rderten und deren positiven Effekte bis in die Gegenwart zu sp\u00fcren sind. Kamitz betrieb nach der W\u00e4hrungsstabilisierung eine klare Wachstumspolitik. Das Hauptinstrument dazu sah er in Steuersenkungen, von welchen er drei w\u00e4hrend seiner Ministerschaft realisierte. Schlie\u00dflich setzte er einen weiteren wachstumspolitischen Impuls mit der indessen legend\u00e4r gewordenen vorzeitigen Abschreibung. Nach kurzen Auslandsaufenthalten trat er 1934 in den Dienst des \u00d6sterreichischen Instituts f\u00fcr Konjunkturforschung, wo er bis Kriegsanfang verblieb. Anschlie\u00dfend wechselte er zur Wiener Handelskammer und wurde nach dem Kriege Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung und schlie\u00dflich stellvertretender Generalsekret\u00e4r der Bundeshandelskammer. 1952 \u00fcbernahm er das Bundesministerium f\u00fcr Finanzen, welchem er bis 1960 \u2013 also w\u00e4hrend der gesamten Phase des \"Wirtschaftswunders\" \u2013 vorstand. Anschlie\u00dfend leitete er die Oesterreichische Nationalbank. Eine schwere Erkrankung zwang ihn, seine Berufst\u00e4tigkeit fr\u00fchzeitig zu beenden. Er hat diesen Schicksalsschlag viele Jahrzehnte mit bewundernswerter Haltung ertragen. 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Allerdings, als die Reglementierung zum Selbstzweck zu werden drohte und die Inflation eher f\u00f6rderte als sie zu beenden, trat er nicht nur f\u00fcr einen endg\u00fcltigen \u00dcbergang zur marktwirtschaftlichen Koordination ein, sondern realisierte diese auch als Finanzminister. Wesentlich f\u00fcr die Intensit\u00e4t der damit folgenden Wachstumsphase wurde das umfassende wirtschaftspolitische Konzept, mit welchem Kamitz die Funktionsf\u00e4higkeit der Marktwirtschaft nach den Sch\u00e4den der Kriegs- und Nachkriegszeit sicherstellte. Er initiierte eine Reihe von Gesetzen, welche die Wirtschaftsentwicklung w\u00e4hrend seiner Amtsperiode f\u00f6rderten und deren positiven Effekte bis in die Gegenwart zu sp\u00fcren sind. Kamitz betrieb nach der W\u00e4hrungsstabilisierung eine klare Wachstumspolitik. Das Hauptinstrument dazu sah er in Steuersenkungen, von welchen er drei w\u00e4hrend seiner Ministerschaft realisierte. Schlie\u00dflich setzte er einen weiteren wachstumspolitischen Impuls mit der indessen legend\u00e4r gewordenen vorzeitigen Abschreibung. Nach kurzen Auslandsaufenthalten trat er 1934 in den Dienst des \u00d6sterreichischen Instituts f\u00fcr Konjunkturforschung, wo er bis Kriegsanfang verblieb. Anschlie\u00dfend wechselte er zur Wiener Handelskammer und wurde nach dem Kriege Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung und schlie\u00dflich stellvertretender Generalsekret\u00e4r der Bundeshandelskammer. 1952 \u00fcbernahm er das Bundesministerium f\u00fcr Finanzen, welchem er bis 1960 \u2013 also w\u00e4hrend der gesamten Phase des \\\"Wirtschaftswunders\\\" \u2013 vorstand. Anschlie\u00dfend leitete er die Oesterreichische Nationalbank. Eine schwere Erkrankung zwang ihn, seine Berufst\u00e4tigkeit fr\u00fchzeitig zu beenden. Er hat diesen Schicksalsschlag viele Jahrzehnte mit bewundernswerter Haltung ertragen. 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Kamitz war als Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung in der Bundeshandelskammer ein \u00fcberzeugter Vertreter dieses Ansatzes. Allerdings, als die Reglementierung zum Selbstzweck zu werden drohte und die Inflation eher f\u00f6rderte als sie zu beenden, trat er nicht nur f\u00fcr einen endg\u00fcltigen \u00dcbergang zur marktwirtschaftlichen Koordination ein, sondern realisierte diese auch als Finanzminister. Wesentlich f\u00fcr die Intensit\u00e4t der damit folgenden Wachstumsphase wurde das umfassende wirtschaftspolitische Konzept, mit welchem Kamitz die Funktionsf\u00e4higkeit der Marktwirtschaft nach den Sch\u00e4den der Kriegs- und Nachkriegszeit sicherstellte. Er initiierte eine Reihe von Gesetzen, welche die Wirtschaftsentwicklung w\u00e4hrend seiner Amtsperiode f\u00f6rderten und deren positiven Effekte bis in die Gegenwart zu sp\u00fcren sind. Kamitz betrieb nach der W\u00e4hrungsstabilisierung eine klare Wachstumspolitik. Das Hauptinstrument dazu sah er in Steuersenkungen, von welchen er drei w\u00e4hrend seiner Ministerschaft realisierte. Schlie\u00dflich setzte er einen weiteren wachstumspolitischen Impuls mit der indessen legend\u00e4r gewordenen vorzeitigen Abschreibung. Nach kurzen Auslandsaufenthalten trat er 1934 in den Dienst des \u00d6sterreichischen Instituts f\u00fcr Konjunkturforschung, wo er bis Kriegsanfang verblieb. Anschlie\u00dfend wechselte er zur Wiener Handelskammer und wurde nach dem Kriege Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung und schlie\u00dflich stellvertretender Generalsekret\u00e4r der Bundeshandelskammer. 1952 \u00fcbernahm er das Bundesministerium f\u00fcr Finanzen, welchem er bis 1960 \u2013 also w\u00e4hrend der gesamten Phase des \\\"Wirtschaftswunders\\\" \u2013 vorstand. Anschlie\u00dfend leitete er die Oesterreichische Nationalbank. Eine schwere Erkrankung zwang ihn, seine Berufst\u00e4tigkeit fr\u00fchzeitig zu beenden. 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