{"id":119976,"date":"2024-01-22T22:48:33","date_gmt":"2024-01-22T21:48:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wifo.ac.at\/publication\/119976\/"},"modified":"2024-11-07T05:10:01","modified_gmt":"2024-11-07T04:10:01","slug":"zum-wandel-der-finanzierungsstruktur-in-der-wohlstandsgesellschaft","status":"publish","type":"publication","link":"https:\/\/www.wifo.ac.at\/en\/publication\/119976\/","title":{"rendered":"On Transformations in Financing Structure in an Affluent Society"},"content":{"rendered":"","protected":false},"featured_media":0,"template":"","class_list":["post-119976","publication","type-publication","status-publish","hentry"],"acf":{"subtitle":"","text":"The savings measures of private households currently exceed the limited financing needs of companies around the world, and the difference is reflected in an increase in sovereign debt. In the EU, over the last two and a half decades non-financial corporations recorded funding surpluses in one out of three years, and in the more affluent EU countries (EU 15), this was even recorded every second year. There is much to indicate that this is not just a result of the financial crisis, but is also globally founded in the Southeast Asian economic model, while in Europe this is a symptom of the affluence of society, as financial security takes on greater significance and slower growth requires fewer investments. Economic policy should therefore be prepared for the current situation to persist. Without counter-measures there would have to be a recessive adjustment of savings capacity to the debt preparedness of the economy and state. Worldwide distortions primarily based in Southeast Asian export-based economic policy can only be counter-balanced with a stronger domestic-market oriented policy and significant appreciation in these countries (abandon of the dollar peg). Such initiatives exist, but given the scale of the problem, a long transitional phase is to be expected. In the EU, a broad and well-balanced package of measures is required. It would have to dampen austerity through confidence building, in addition to improving corporate finance and reviving severely limited investments in the public sector. Furthermore, particularly in those countries in which the financing and use of sovereign debt do not present a problem, there should be a re-introduction of the previously typical division into a surplus-achieving budget for current expenditures and a budget for investments. 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In der EU hatten die nicht-finanziellen Kapitalgesellschaften in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten in einem von drei Jahren Finanzierungs{\\\\\\\"u}bersch{\\\\\\\"u}sse, in den wohlhabenderen EU-L{\\\\\\\"a}ndern (EU 15) sogar in jedem zweiten Jahr. Vieles spricht daf{\\\\\\\"u}r, dass das nicht blo{\\\\ss} eine Folge der Finanzmarktkrise ist, sondern weltweit im s{\\\\\\\"u}dostasiatischen Wirtschaftsmodell angelegt ist, in Europa hingegen ein Symptom der Wohlstandsgesellschaft: Finanzielle Absicherung gewinnt an Bedeutung, und das langsamere Wachstum erfordert weniger Investitionen. Die Wirtschaftspolitik sollte daher auf ein Anhalten der gegenw{\\\\\\\"a}rtigen Situation vorbereitet sein; ohne Gegenma{\\\\ss}nahmen m{\\\\\\\"u}sste es zu einer rezessiven Anpassung der Sparf{\\\\\\\"a}higkeit an die Verschuldungsbereitschaft von Wirtschaft und Staat kommen. Gegen die weltweiten Verwerfungen, die prim{\\\\\\\"a}r auf die s{\\\\\\\"u}dostasiatische exportbasierte Wirtschaftspolitik zur{\\\\\\\"u}ckgehen, k{\\\\\\\"o}nnen nur eine st{\\\\\\\"a}rker inlandsorientierte Politik dieser L{\\\\\\\"a}nder und eine erhebliche Aufwertung (Aufgabe der Dollarbindung) helfen. Ans{\\\\\\\"a}tze dazu gibt es, doch ist angesichts der Dimension des Problems mit einer langen {\\\\\\\"U}bergangsphase zu rechnen. In der EU bedarf es eines breiten und wohl ausgewogenen Ma{\\\\ss}nahmenpakets. Es m{\\\\\\\"u}sste durch Vertrauensbildung das Vorsichtssparen d{\\\\\\\"a}mpfen, die Unternehmensfinanzierung verbessern, aber auch die stark eingeschr{\\\\\\\"a}nkten Investitionen im {\\\\\\\"o}ffentlichen Bereich wiederbeleben. Weiters sollte vor allem in den L{\\\\\\\"a}ndern, in denen die Finanzierung und Bedienung der Staatsschulden kein Problem verursacht, die fr{\\\\\\\"u}her {\\\\\\\"u}bliche Trennung in einen {\\\\\\\"U}bersch{\\\\\\\"u}sse erzielenden ordentlichen Haushalt der laufenden Ausgaben und einen Investitionshaushalt wieder eingef{\\\\\\\"u}hrt werden, innerhalb dessen prim{\\\\\\\"a}r immaterielle Investitionen innerhalb bestimmter Grenzen schuldenfinanziert werden k{\\\\\\\"o}nnen.\\\",<\\\/div><div>  author   = \\\"Gunther Tichy\\\",<\\\/div><div>  note     = \\\"Finanzierungsstruktur in der Wohlstandsgesellschaft\\\",<\\\/div><div>  year     = \\\"2014\\\",<\\\/div><div>  month    = dec,<\\\/div><div>  language = \\\"Deutsch\\\",<\\\/div><div>  journal  = \\\"WIFO Working Papers\\\",<\\\/div><p>}<\\\/p><\\\/div>\",\"ris\":\"<div class=\\\"rendering rendering_researchoutput  rendering_researchoutput_ris rendering_contributiontoperiodical rendering_ris rendering_contributiontoperiodical_ris\\\"><p>TY  - GEN<\\\/p><p>T1  - Zum Wandel der Finanzierungsstruktur in der Wohlstandsgesellschaft<\\\/p><p>AU  - Tichy, Gunther<\\\/p><p>N1  - Finanzierungsstruktur in der Wohlstandsgesellschaft<\\\/p><p>PY  - 2014\\\/12<\\\/p><p>Y1  - 2014\\\/12<\\\/p><p>N2  - Die Sparpl\u00e4ne der privaten Haushalte \u00fcbersteigen derzeit weltweit den beschr\u00e4nkten Finanzierungsbedarf der Unternehmen; die Differenz schl\u00e4gt sich in einer Zunahme der Staatsverschuldung nieder. In der EU hatten die nicht-finanziellen Kapitalgesellschaften in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten in einem von drei Jahren Finanzierungs\u00fcbersch\u00fcsse, in den wohlhabenderen EU-L\u00e4ndern (EU 15) sogar in jedem zweiten Jahr. Vieles spricht daf\u00fcr, dass das nicht blo\u00df eine Folge der Finanzmarktkrise ist, sondern weltweit im s\u00fcdostasiatischen Wirtschaftsmodell angelegt ist, in Europa hingegen ein Symptom der Wohlstandsgesellschaft: Finanzielle Absicherung gewinnt an Bedeutung, und das langsamere Wachstum erfordert weniger Investitionen. Die Wirtschaftspolitik sollte daher auf ein Anhalten der gegenw\u00e4rtigen Situation vorbereitet sein; ohne Gegenma\u00dfnahmen m\u00fcsste es zu einer rezessiven Anpassung der Sparf\u00e4higkeit an die Verschuldungsbereitschaft von Wirtschaft und Staat kommen. Gegen die weltweiten Verwerfungen, die prim\u00e4r auf die s\u00fcdostasiatische exportbasierte Wirtschaftspolitik zur\u00fcckgehen, k\u00f6nnen nur eine st\u00e4rker inlandsorientierte Politik dieser L\u00e4nder und eine erhebliche Aufwertung (Aufgabe der Dollarbindung) helfen. Ans\u00e4tze dazu gibt es, doch ist angesichts der Dimension des Problems mit einer langen \u00dcbergangsphase zu rechnen. In der EU bedarf es eines breiten und wohl ausgewogenen Ma\u00dfnahmenpakets. Es m\u00fcsste durch Vertrauensbildung das Vorsichtssparen d\u00e4mpfen, die Unternehmensfinanzierung verbessern, aber auch die stark eingeschr\u00e4nkten Investitionen im \u00f6ffentlichen Bereich wiederbeleben. Weiters sollte vor allem in den L\u00e4ndern, in denen die Finanzierung und Bedienung der Staatsschulden kein Problem verursacht, die fr\u00fcher \u00fcbliche Trennung in einen \u00dcbersch\u00fcsse erzielenden ordentlichen Haushalt der laufenden Ausgaben und einen Investitionshaushalt wieder eingef\u00fchrt werden, innerhalb dessen prim\u00e4r immaterielle Investitionen innerhalb bestimmter Grenzen schuldenfinanziert werden k\u00f6nnen.<\\\/p><p>AB  - Die Sparpl\u00e4ne der privaten Haushalte \u00fcbersteigen derzeit weltweit den beschr\u00e4nkten Finanzierungsbedarf der Unternehmen; die Differenz schl\u00e4gt sich in einer Zunahme der Staatsverschuldung nieder. In der EU hatten die nicht-finanziellen Kapitalgesellschaften in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten in einem von drei Jahren Finanzierungs\u00fcbersch\u00fcsse, in den wohlhabenderen EU-L\u00e4ndern (EU 15) sogar in jedem zweiten Jahr. Vieles spricht daf\u00fcr, dass das nicht blo\u00df eine Folge der Finanzmarktkrise ist, sondern weltweit im s\u00fcdostasiatischen Wirtschaftsmodell angelegt ist, in Europa hingegen ein Symptom der Wohlstandsgesellschaft: Finanzielle Absicherung gewinnt an Bedeutung, und das langsamere Wachstum erfordert weniger Investitionen. Die Wirtschaftspolitik sollte daher auf ein Anhalten der gegenw\u00e4rtigen Situation vorbereitet sein; ohne Gegenma\u00dfnahmen m\u00fcsste es zu einer rezessiven Anpassung der Sparf\u00e4higkeit an die Verschuldungsbereitschaft von Wirtschaft und Staat kommen. Gegen die weltweiten Verwerfungen, die prim\u00e4r auf die s\u00fcdostasiatische exportbasierte Wirtschaftspolitik zur\u00fcckgehen, k\u00f6nnen nur eine st\u00e4rker inlandsorientierte Politik dieser L\u00e4nder und eine erhebliche Aufwertung (Aufgabe der Dollarbindung) helfen. Ans\u00e4tze dazu gibt es, doch ist angesichts der Dimension des Problems mit einer langen \u00dcbergangsphase zu rechnen. 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