WIFO-Studie: Russland-Sanktionen kosteten die EU-Staaten 30 Milliarden Euro

Die österreichischen Exporte nach Russland gingen sanktionsbedingt um 9,5 Prozent zurück.

10.10.2017
Seit 2014 brachen die EU-Exporte nach Russland um jährlich 15,7 Prozent ein. Bis zu 40 Prozent davon sind auf die Sanktionen zurückzuführen. Russland büßte seinen Platz als viertwichtigster Handelspartner außerhalb der EU ein und liegt nun hinter den USA, der Schweiz, China und der Türkei auf dem fünften Rang.
Die Handelsbeziehungen der EU-Länder zu Russland haben durch den wirtschaftlichen Ab­schwung in Russland und die Sanktionen stark gelitten: In den Jahren 2014 bis 2016 sanken die Exporte nach Russland um jährlich 15,7 Prozent. Betrugen die Exporte der EU nach Russland im Jahr 2013 noch 120 Milliarden Euro, waren es 2016 nur noch 72 Milliarden Euro.

Die wechselsei­tigen Sanktionen zwischen der EU und Russland haben daran einen beträchtlichen Anteil. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsfor­schung im Auftrag des Europäischen Parlaments, in der versucht wurde, die durch Sanktionen verursachten Exportrückgänge von anderen Einflussfaktoren (z. B. Ölpreisverfall, Abwertung des Rubels) zu trennen. Auf Basis von Schätzungen des WIFO sind alleine durch die Sanktionen die EU-Exporte nach Russland zwischen 2014 und 2016 um 10,7 Prozent eingebrochen ‑ rund 30 Milliarden Euro. Bis zu 40 Prozent des gesamten Exportrückganges sind somit auf die Sankti­onen zurückzuführen.

Deutschland trägt ein Drittel des gesamten Exportrückgangs

Besonders stark betroffen sind laut diesen Berechnungen Zypern, wo die Exporte nach Russ­land aufgrund der Sanktionen in den Jahren 2014 bis 2016 um 34,5 Prozent einbrachen, Grie­chenland (‑23,2 Prozent) und Kroatien (‑21 Prozent). In Österreich sanken die Exporte nach Russland sanktionsbedingt um 9,5 Prozent, das entspricht rund einer Milliarde Euro. Zu den höchsten absoluten Rückgängen führten die Sanktionen in Deutschland mit einem Minus von 11,1 Milliarden Euro (‑13,4 Prozent), somit trägt Deutschland mehr als ein Drittel des sanktions­bedingten Exportrückganges der EU.

Polen und Großbritannien verzeichneten ein Minus von je rund 3 Milliarden Euro. Die Schätzungen der Studie weisen auch darauf hin, dass die Sanktionen die Unternehmen im Jahr 2014 am stärksten trafen. In den beiden Folge­jahren gelang es ‑ wenn auch nur in geringem Umfang ‑ nach und nach, die Handelsströme in Drittländer umzulenken.

Beträchtlich waren die Einbrüche bei den von den russischen Gegensanktionen betroffenen Agrarprodukten und Nahrungsmitteln. Hier sank das Exportvolumen nach Russland zwischen 2013 und 2016 um 22,5 Prozent (insbesondere betroffen Milchprodukte und Früchte). Die Ex­porte in der Warenherstellung (vor allem Fahrzeuge) sanken um 17,7 Prozent, die Rohstoffex­porte (insbesondere Eisen und Stahl) um rund 15 Prozent.

In den Jahren zuvor waren die Handelsbeziehungen zunehmend enger geworden: Zwischen den Jahren 2009 bis 2012 stiegen die EU-Exporte nach Russland um jährlich durchschnittlich 23,5 Prozent. Im Jahr 2013 war Russland mit einem Exportanteil von 7,7 Prozent der viertgrößte Handelspartner der EU außerhalb der Union ‑ hinter den USA, der Schweiz und China. Russ­land wiederum lieferte im selben Jahr 42,4 Prozent seiner Exporte an EU-Länder. Seit dem Schwächeln der russischen Wirtschaft und den Sanktionen hat sich das geändert: Im Jahr 2016 lag Russland im Ranking der wichtigsten Extra-EU-Handelspartner mit 4,6 Prozent nur noch auf dem 5. Platz ‑ hinter der Türkei.

Die gesamte Studie zum Download finden Sie  hier.

Kontakt

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Elisabeth Christen

Mag. Elisabeth Christen, PhD

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Oliver Fritz

Mag. Dr. Oliver Fritz, PhD

Publikationen

Oliver Fritz, Elisabeth Christen, Franz Sinabell (WIFO), Julian Hinz (IfW), Russia's and the EU's Sanctions. Economic and Trade Effects, Compliance and the Way Forward

Monographien, September 2017, 59 Seiten
   
This report summarises empirical facts about the economic impact of the EU sanctions against Russia and the Russian countersanctions, both implemented in the summer of 2014. The observed decline in trade volumes between the EU and Russia is not only due to the sanctions, but also by other economic factors, such as the downturn of the Russian economy, largely caused by the falling oil price and the ensuing ruble depreciation. Furthermore, empirical evidence suggests that European and Russian companies alike managed to partly divert trade flows to other international markets in response to the deteriorating trade relationships. Overall trade diversion, however, cannot nearly compensate for losses of EU exports to Russia and thus mitigate the economy-wide negative impacts. Finally, descriptive evidence and additional information seem to indicate that compliance with the sanctions was partly circumvented right after the implementation of the sanctions in 2014, in particular for agri-food goods via countries of the Eurasian Economic Union. Legal trade diversion through countries unaffected by the sanctions has also taken place. It is important to emphasise that this study does not assess the political costs or effectiveness of the sanctions, but merely analyses potential economic costs caused by all sanction measures in place.
 
Auftraggeber: Europäisches Parlament
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung – Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel
Online seit: 10.10.2017 0:00
Russland hat in den vergangenen Jahren seinen Platz als viertwichtigster Handelspartner der EU verloren.
Russland hat in den vergangenen Jahren seinen Platz als viertwichtigster Handelspartner der EU verloren.
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